Die Tech-Giganten der USA verschulden sich rapide, nehmen weltweit Geld auf – auch aus der Schweiz – und investieren diese Milliarden gegenseitig ineinander. Unser Geldsystem finanziert also nicht nur die US-Staatsschulden über die Käufe der Nationalbank, sondern nun auch die gigantischen Schulden der KI-Konzerne.
Und es geht so einfach wie Hans und Heiri, nämlich so: Hans und Heiri haben beide eine AG gegründet und verkaufen einander je eine Aktie davon für 100 Franken. 99 Aktien behalten sie – aber diese sind jetzt gemäss diesem Preis beidseits 9900 Franken wert. Genau das machen die KI-Firmen untereinander, nur sind es Pakete zu 100-Milliarden, welche die Hand wechseln. Und so sind die grossen Tech-Firmen ihrerseits plötzlich tausend Milliarden wert oder mehr.

«Zirkuläre Investitionen» nennt die Wall-Street diese Beteiligungen übers Kreuz, eher, im Ringelreihen rundum, von dem man nur noch hoffen kann, die Tech-Bosse behalten den Ueberblick. Die Chip-Hersteller wie Nvidia und AMD kaufen Anteile ihrer Kunden wie auch der Lieferanten, die KI-Entwickler wie OpenAI oder Anthropic ebenfalls, die ganze Sache braucht riesige Rechenkapazitäten, also werden solche Firmen von Chips-, KI- und Nutzerfirmen wie Google, Microsoft oder Amazon aufgebaut. Und alle kaufen die Chips der Produzenten – OpenAI wird enorme Mengen an AMD-Chips kaufen sowie ein Paket von Optionen auf AMD-Aktien im Gegenwert. Dessen Aufwertung an der Börse soll aber den ganzen Kauf von selbst finanzieren.
Darauf müssen sie gar nicht lange warten. Der Börsenboom mit Bewertungssprüngen von bis zu 33% im Tag (Oracle, Palantir, Dell z.B.) steigert den Wert dieser Beteiligungen übers Kreuz täglich. Goldman Sachs schätzt, dass schon 60% der Gewinne von Amazon oder Google daraus stammen, nicht vom echten Geschäft. Schon die Ankündigungen solcher Transaktionen lassen die Aktien jeweils beider Beteiligten anspringen. Dazu kommen die Analysten, die das Ganze anfeuern, indem sie die Gewinne der Tech-Firmen jedes Quartal vorausschätzen, und wenn diese noch höher ausfallen, ist der Jubel unendlich.
«Die Tech-Giganten saugen die Kapitalmärkte leer.
Beat Kappeler
Unsere Versicherungen, Pensionskassen, Banken
leihen ihnen Tribute.»
Insgesamt wollen gemäss der Fonds-Firma Bridgewater die vier grossen Tech-Firmen dieses Jahr 725 Milliarden Dollar so, also meist zirkulär, investieren. Der Cashflow reicht aber längst nicht mehr, obwohl er traditionell gewaltig ausfällt. Sondern diese Tech-Firmen beginnen sich mit Hunderten von Milliarden zu verschulden. Bankdarlehen dienen dazu, aber auch grosse Anleihen auf den Märkten Europas, Asiens, der Schweiz. Diese Firmen saugen deren Kapitalmärkte leer. Unsere Versicherungen, Pensionskassen, Banken leihen ihnen Tribute.
Tribute zollen werden nun auch die vorgesehenen Aktionäre der ersten, grossen Börsengänge, mit welchen die Tech-Giganten ihre Riesen-Engagements dem Publikum weiterreichen werden. SpaceX des Elon Musk will 1800 Milliarden wert werden (wie Hans und Heiri), OpenAI peilt 850 Milliarden an, und Anthropic 965 Milliarden. Das soll die hohen Anleihensschulden und gegenseitigen Zahlungen decken helfen. Die Verfügung darüber geben die Konzerne und Gründer aber den neuen Mitaktionären nicht weiter, nur die Papier-Aktien: Elon Musk behält auf seinen Aktien ein Zehnfachstimmrecht, Zuckerberg bei Meta auch. Es heisst doch, «der Aktionär ist dumm und frech; dumm, weil er das Geld hergibt, frech, weil er noch Dividende will». Das sind die Wunder der Finanzialisierung aller Vorgänge. Sie war eigentlich gedacht, um Unternehmen zu schaffen, welche die Kraft eines Gründers übersteigen. Jetzt dient sie der Vermögenskonzentration der Tech-Milliardäre und den möglichen Verlusten der nicht rechnenden Kleinaktionäre.
Ein kleines schmutziges Geheimnis nämlich wird nicht gerne breitgeschlagen – diese Investitionen rentieren nicht (noch nicht?), wie Investitionen sollen. Alle diese Firmen machen alles – Chips, Datencenters, AI-Systeme, Netzleistungen. Die Konkurrenz ist intensiv, und sogar wenn KI in diesen Dimensionen einmal etwas taugen kann, sinken die Preise. Im Moment ist eh noch vieles gratis. Wenn sich diese Einsicht breit macht, kippt das zirkuläre Investieren in eine Negativspirale, alle ziehen sich gegen null. Verluste drohen, Investitionsruinen stehen in der Landschaft.
Wenn die Beteiligten rechnen würden, sähen sie bereits in diesen verderblichen Trichter hinunter: die Erträge vieler Giganten, etwa bei AMD oder Palantir, erbringen einen Hundertfünfzigstel und weniger des Aktienpreises, bei SpaceX noch viel weniger. Das heisst, die Aktionäre, die für die bevorstehenden Börsengänge schon den Pawlov’schen Reflex mit viel Speichel im Mund haben, trauen sich und den Firmen zu, 150 Jahre zu warten, bis das Geld zurück ist.
Aber wenige rechnen.
Sie könnten beispielsweise rechnen, dass eine solche Tech-Milliarde in Landgütern zu 25 Mio Dollar gerechnet, 40 Landgüter ausmacht, dass 100 Milliarden also 4000 Landgütern entsprechen, in Elektronen, nicht in tangiblen Werten. Andere Experten rechnen falsch – mehrere um Arbeitsplätze besorgte Prognostiker sehen Arbeitsplatzverluste um oft mehrere Dutzend Prozent voraus, und dass ebenso viele herkömmliche Firmen eingehen werden. Als Abhilfe schlugen sie das «Allgemeine Grundeinkommen» durch den Staat vor. Woher nimmt er aber dieses Geld, wenn kaum mehr jemand arbeitet und keine Firmen mehr Steuern zahlen? Zu kurz gedacht. «Il faut bien cultiver notre jardin», sagt Voltaire nach den Phantastereien des Candide. Denn dies trägt reale Früchte.
Kurzporträt Beat Kappeler

«Kappeler zum Wandel»
Lesen Sie «Kappeler zum Wandel» – ein Zeitdokument von Beat Kappeler in 5 Kapiteln ebenfalls auf SICHTWEISENSCHWEIZ.CH:
Kapitel 1: OEKONOM UND OEKONOMIE
Kapitel 2: MEDIEN, INFORMATION, WISSEN
Kapitel 3: INTERESSEN, VERBÄNDE, NGO’S halten sich auch noch den STAAT
Kapitel 4: ALS BÜRGER IM STAAT
Kapitel 5: HAUSHALTEN MIT DER LEBENSZEIT
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