Swiss History-Charts by Hanspeter Amstutz

Mit Hanspeter Amstutz wird Geschichte lebendig – ob Sie nun zügig von Chart zu Chart surfen oder bei einigen oder gar allen 117 Charts die Texte zur Erläuterung und Vertiefung lesen. Sie entscheiden. Beides ist möglich. Beides bringt Ihnen die Schweiz – zum Widerstand entschlossen – in den Kriegsjahren 1939 und 1940 näher.


Was bringen Erkenntnisse zur Schweizer Geschichte, wenn sie zwar gelesen, jedoch nicht mit anderen Menschen geteilt und ausgetauscht, diskutiert und debattiert werden? Je 12 Thesen zum entschlossenen Widerstand der Schweiz in den Kriegsjahren 1939 und 1940 regen das Gespräch in der Familie, mit Freunden, in der Firma an. Wo sind Sie dagegen, wo dafür? Mit welchen Analysen und Argumenten?


Warm-up: 12 Thesen zum Widerstand der Schweiz im Kriegsjahr 1939

  1. Die Landesausstellung von 1939 war eine Riesenparty, auf die man angesichts der bedrohlichen Weltlage besser verzichtet hätte.
  2. Das Frauenbild von 1939 war sehr konservativ und bot wenig Aussicht auf eine berufliche Karriere.
  3. Die grosse Mehrheit der Schweizer war gegen den Nationalsozialismus und bereit, die Heimat notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen. Doch es gab gewichtige Ausnahmen.
  4. Die Wahl von Henri Guisan zum General der Schweizer Armee war ein Glücksfall.
  5. Die Schweizer Armee war zu Beginn des Weltkriegs bestens gerüstet.
  6. Die Armeestellung vom Rhein bis nach Sargans hatte schwerwiegende Nachteile und hätte einem deutschen Angriff wohl kaum lange standgehalten.
  7. In der Schweiz mussten arme Menschen viel Hunger leiden, weil die Nahrungsmittel nur für reiche Leute erschwinglich waren.
  8. Die deutsche Wehrmacht hatte bei ihrem Angriff auf Polen viel Mühe, die gut gerüstete polnische Armee zu besiegen.
  9. Die finnische Armee leistete der Roten Armee lange Zeit erfolgreich Widerstand.
  10. Die Frauen zuhause hatten es viel einfacher als die Männer im Aktivdienst.
  11. Die Soldaten nützten die Zeit, um ihre Stelllungen gegen Panzerangriffe zu befestigen.
  12. Die Schweiz hatte 1939 keinerlei militärische Kontakte zu Frankreich.


Warm-up: 12 Thesen zum Widerstand der Schweiz im Kriegsjahr 1940

  1. Die Franzosen fühlten sich hinter ihrer gut befestigten Maginot-Linie ziemlich sicher.
  2. Die Deutschen haben Norwegen nur besetzt, um Stützpunkte für ihre Flotte zu errichten.
  3. Der deutsche Panzerangriff mit dem «Sichelschnitt» hat die Franzosen völlig überrascht.
  4. Der Zusammenbruch Frankreichs brachte die Schweiz in eine sehr bedrohliche Lage. Dem Bundesrat gelang es aber, unsere Bevölkerung zu beruhigen.
  5. Ohne Churchill und die Piloten der Royal Air Force wäre England besiegt worden.
  6. Der Réduit-Plan von General Guisan war die einzige Chance, um bei einem deutschen Angriff lange Widerstand leisten zu können.
  7. Der Réduit-Plan hatte erhebliche Nachteile für unsere Bevölkerung.
  8. Eine unversehrte Schweiz war für die Achsenmächte viel wichtiger als ein zerstörtes Land.
  9. Wirtschaftlich waren wir von den Achsenmächten völlig unabhängig.
  10. Die Schweizer Luftwaffe blieb während des Krieges völlig passiv und wich allen Kämpfen mit Eindringlingen in unseren Luftraum aus.
  11. Die Schweizer Jugend half mit, das Überleben in einer Zeit der Not zu sichern.
  12. Fussballspiele konnten während der Kriegszeit uneingeschränkt durchgeführt werden.


Mit der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 beginnt in Europa eine unruhige Zeit. Hitler sieht für Deutschland eine Rolle als führende Weltmacht und ist entschlossen, dieses Ziel auch mit Gewalt zu erreichen. Unter seiner Führung bereitet sich Deutschland auf einen Weltkrieg vor. Anfänglich verdeckt, später immer offener, rüstet Deutschland gewaltig auf. Für die Nachbarn Deutschlands wird es gefährlich. Auch die Schweiz ist ab 1939 aufs Höchste bedroht.


Mit der Machtergreifung Hitlers und seiner Nationalsozialisten wird die europäische Politik weitgehend von Deutschland bestimmt. Zuerst sichert sich Hitler die Macht im Innern des Landes, ab 1938 beginnt er zielgerichtet Deutschland zu vergrössern. Hitler schafft es, mit einer Mischung aus populistischer und nationalistischer Politik eine Zeitlang einen Teil des deutschen Volkes hinter sich zu scharen. Zwar gibt es entschiedene Gegner der Nazis, doch diese werden brutal vom Regime verfolgt und politisch ausgeschaltet. Hitlers Aussenpolitik ist anfänglich auf eine vollständige Revision des für Deutschland demütigenden Versailler Vertrags ausgerichtet. Das Deutsche Reich sollte alle seine an die Nachbarn abgetretenen Territorien wieder zurückgewinnen. Doch Hitlers Pläne gehen weit über diese Revision hinaus. Er sieht Deutschland in der Rolle einer Supermacht und ist entschlossen, für dieses Ziel einen neuen Weltkrieg auszulösen. Auf dem Bild steigt Hitler am Nürnberger Parteitag zur Rednertribüne hinauf.


Alljährlich findet in Nürnberg auf einem speziell ausgebauten Gelände der Reichsparteitag statt. An dieser Massenveranstaltung tritt Hitler vor den versammelten Verbänden der Nazi-Organisationen aus ganz Deutschland auf und verkündet laut schreiend sein politisches Programm. Hitler gibt neue Gesetze, die er selber erlassen hat, ebenfalls am Reichsparteitag bekannt. Damit auch der letzte Nazi seine Botschaft versteht, sind überall auf dem Gelände grosse Lautsprecher aufgestellt. Über die Reichsparteitage gibt es sehr viel Filmmaterial. Hitler hat die Filmregisseurin Leni Riefenstahl beauftragt, einen werbewirksamen Film über die Reichsparteitage zu drehen. Alle Deutschen sollten über Hitlers Absichten im Bild sein.


Fürs Grobe in der Politik standen Hitler in der Zeit vor der Machtergreifung der Nazis die Schlägertruppen der SA zur Verfügung. Die SA war ursprünglich dazu vorgesehen, bei öffentlichen Parteianlässen der NSDAP auf Plätzen und in Sälen für Ordnung zu sorgen. SA-Männer beobachteten die Zuhörer und griffen brutal ein, wenn jemand den Auftritt eines Nazi-Redners störte. Dieser militärisch organisierte Ordnungsdienst wurde im Verlauf der Wahlkämpfe immer wichtiger, da die Kommunisten die Veranstaltungen der Nazis zu stören versuchten. Die SA hatte ab 1931 grossen Zulauf. Ende 1932 zählte die Organisation bereits mehr als eine Million Mann. Auf dem Höhepunkt ihrer politischen Bedeutung zu Beginn des Jahres 1934 zählte die SA fast drei Millionen Mitglieder. Die SA war in dieser Zeit eine Parteiorganisation und hatte mit dem deutschen Staat nichts zu tun. SA-Männer schlugen politische Gegner der Nazis spitalreif und schreckten selbst vor Morden nicht zurück. Mit der Zeit wurde die SA für Hitler eine Hypothek, weil sie seine täuschende Politik des „friedliebenden neuen Deutschlands“ infrage stellte. Die SA verliert einiges an politischem Einfluss, nachdem ihr Chef Ernst Röhm 1934 von den Nazis selber ermordet worden ist. Die SA wird schliesslich noch als staatliche Hilfspolizei eingesetzt.vHitler sitzt 1934 bereits fest im Sattel und ist nicht mehr auf die Hilfe der SA angewiesen. Er will die Schlägertruppe durch eine andere Kampforganisation ersetzen, die ihm hundertprozentig ergeben ist. Die neue Truppe ist die brutale SS (Schutz-Staffel).


Die Schweizer Humorzeitschrift „Nebelspalter“ nimmt Hitlers Hass auf den Versailler Vertrag zum Ausgangspunkt für eine eindrückliche Karikatur. Hitler weigert sich, die Abmachungen des Vertrags zu erfüllen und stellt die Schuldenzahlungen an die Westmächte ein. Die Darstellung von Hitler als Maler geht auf seine künstlerische Vergangenheit als Gelegenheitsmaler in Wien zurück. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg lebte Hitler in einem Obdachlosenheim in der österreichischen Hauptstadt. Er malte dort Postkarten und liess sie von Kollegen auf dem Markt verkaufen. Der kämpferische „Nebelspalter“ nahm nie ein Blatt vor den Mund und schuf noch viele treffende Zeichnungen zum Nazi-Unwesen in Deutschland und in der Schweiz.


Der Bau von Autobahnen schafft weitere Arbeitsplätze. Wer arbeitslos ist, wird für staatliche Bauvorhaben aufgeboten und muss die ihm zugewiesene Arbeit ausführen. Auch in der Rüstungsindustrie entstehen neue Arbeitsplätze, sodass die Arbeitslosigkeit stark zurückgeht. Hitler rühmt sich, die Wirtschaftskrise dank seiner klugen Politik überwunden zu haben. Er verschweigt jedoch, dass die Arbeitsprogramme in erster Linie der Wiederaufrüstung Deutschlands dienen und zu einer gigantischen Staatsverschuldung führen. Mit dem neuen Autobahnnetz will Hitler Aufmarschwege für seine neuen Panzerdivisionen schaffen. Auf diesen breiten Strassen sollen später die deutschen Panzer rollen. Anfänglich versuchen die Nazis, die Aufrüstung möglichst verdeckt durchzuführen. Doch ab 1938 läuft die Produktion von Panzern und Flugzeugen auf Hochtouren und lässt sich nicht mehr geheim halten.


Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands war nur möglich, weil sich das Land hoffnungslos verschuldete. Die Rüstungsausgaben überstiegen die staatlichen Leistungen auf anderen Gebieten um das Doppelte. Trotz des Autobahnbaus wurde für den Ausbau der Verkehrssysteme viel weniger Geld ausgegeben als für die Produktion von Panzern, Kanonen und Flugzeugen. Hitler sicherte sich die Unterstützung mächtiger Wirtschaftsführer wie beispielsweise dem Stahlproduzenten Fritz Thyssen, um seine Macht abzusichern. Die Industriellen erhielten staatliche Aufträge und ihre Grossfirmen konnten für die Wehrmacht Waffen und Zubehör liefern.


Die Einweihung von Autobahnen und die Eröffnung von wichtigen Ausstellungen lässt sich Hitler nicht entgehen. Er will zeigen, dass es mit Deutschland aufwärts geht. Auf dem Bild links erklärt der Direktor einer Firma vor laufenden Kameras ein neues Produkt. Hitler schaut interessiert zu und wird dann verkünden, dass die deutsche Wirtschaft Grossartiges leiste. Auf dem Bild rechts fährt eine lange Wagenkolonne mit Ehrengästen an der Tribüne am Rand einer fertig erstellten Autobahn vorbei. Hitler und andere Nazigrössen nehmen den Hitlergruss der Vorbeifahrenden ab.


Die Olympiade vom Sommer 1936 in Berlin ist eine grossartige Gelegenheit für die Nazis, das neue Deutschland als freundlichen Gastgeber präsentieren zu können. Man baute ein kolossales Stadion (es steht noch heute) und moderne Wettkampfstätten. Die Berliner Olympiade ist ein gewaltiges Medienspektakel und prägt für kurze Zeit das Bild von einem offenen und fortschrittlichen Deutschland. Hitler besucht die Spiele im Olympiastadion regelmässig und ist begeistert, wenn ein gut trainierter deutscher Athlet eine Goldmedaille gewinnt. Es ist für ihn der Beweis der Überlegenheit der deutschen Rasse (blonde und blauäugige Arier). Bemerkenswert ist, dass an der Olympiade mit einer elektronischen Kamera Bilder von einzelnen Wettbewerben nach Berlin und Leipzig übertragen werden. Es sind die ersten Fernsehbilder in Europa, allerdings nur auf kleinen Bildschirmen.


Die politische Wirklichkeit hinter der glänzenden Fassade des Nazi-Regimes ist absolut hässlich. Terror und politische Morde bestimmen den Alltag. Für die politisch Verfolgten und für Schwerverbrecher errichten die Nazis Konzentrationslager. Wer sich offen gegen die Nazis stellt, muss mit einer Verhaftung rechnen. Die ersten KZ sind noch keine Vernichtungslager wie später Auschwitz oder Dachau. Aber die Haftbedingungen für die Lagerinsassen sind brutal hart. Wer fliehen will, muss damit rechnen, erschossen zu werden. Deutschland entwickelt sich nach 1933 immer mehr zu einem Überwachungsstaat. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) kann ohne Gerichtsbeschluss Menschen inhaftieren und foltern, wenn sie als staatsgefährdend eingestuft werden. Die Gestapo tritt oft verdeckt in Zivil auf und holt die Menschen auch mitten in der Nacht aus ihren Betten, um sie in ein Gefängnis zu überführen.


Für seine aussenpolitischen Ziele bietet sich Hitler das faschistische Italien als möglicher Partner an. In Rom regiert seit 1922 der italienische Diktator Benito Mussolini. Dieser hat wie Hitler ebenfalls grosse Ziele für sein Land. Die beiden Diktatoren nähern sich 1936 an und schliessen einen Bündnispakt. Das Bündnis wird „Achse“ genannt und später zur Achse „Berlin-Rom-Tokio“ mit Japan erweitert. Mussolini akzeptiert, dass Hitler 1938 Österreich handstreichartig besetzt. Im Gegenzug unterstützt Hitler Italiens Politik unter der Bezeichnung „mare nostro“. Das Mittelmeer und seine Staaten rund herum sollen unter italienischen Einfluss kommen. Im Bild links ist Hitler bei seinem triumphalen Einzug in Wien zu sehen. Österreich wird kampflos ins Deutsche Reich eingegliedert.


Die schematische Darstellung zeigt das schrittweise Vorgehen Hitlers in der Aussenpolitik. Er schneidet sich Scheibe um Scheibe von den Nachbarländern ab, um das Deutsche Reich zu vergrössern (Salamitaktik): (1) Abstimmung über den Beitritt des Saarlands zu Deutschland 1935 (90% Ja), (2) Wiederbesetzung des entmilitarisierten Rheinlands 1936, (3) Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich im Frühjahr 1938, (4) Abtretung der Grenzgebiete Tschechiens an Deutschland 1938, (5) Eroberung Tschechiens und Bruch des Münchner Abkommens 1939, (6) 1939 kommt das von Litauen besetzte Memelgebiet wieder zu Deutschland, (7) Diese Salamischeibe ist zu viel: Polen wehrt sich gegen Gebietsabtretungen und es kommt am 1. Sept. 1939 zum Weltkrieg.


Hitler glaubt, dass zur Durchsetzung seiner staatlichen Interessen ein grosser Krieg unvermeidlich ist. 1938 sind die Westmächte Frankreich und England nicht imstande, Hitler militärisch an Eroberungen hindern zu können. Sie haben für Offensivaktionen nur ungenügende militärische Kapazitäten. Hitler sieht darin eine Chance, ungehindert weitere Gebietserweiterungen für das Deutsche Reich vornehmen zu können. Als nächstes Ziel nach Österreich möchte Hitler Tschechien ins Reich einverleiben. Doch sein Bündnispartner Mussolini glaubt, dass die Eroberung Tschechiens einen grossen Krieg auslösen könnte, für welchen Italien noch nicht genug gerüstet ist. Der italienische Diktator schlägt deshalb die Durchführung einer Friedenskonferenz vor. Hitler ist einverstanden mit einer Konferenz in München. Dort einigen sich im Herbst 1938 die Staatschefs von Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien in Abwesenheit der tschechoslowakischen Regierung auf einen Kompromiss. Die Tschechoslowakei muss die Randgebiete Tschechiens, in welche viele Deutsche (Sudeten) leben, an Deutschland abtreten. Dafür garantiert Hitler den Westmächten, dass er nun keine Gebietsansprüche mehr habe. Der Friede scheint gerettet zu sein. Doch ein knappes halbes Jahr später überfällt die Wehrmacht Tschechien und besetzt das Land. Mit diesem dreisten Bruch des Münchner Abkommens verliert Hitler den letzten Rest an politischer Glaubwürdigkeit.


Die brutale Politik der Nazis mit ihrem Rassenhass zeigt sich am Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung. Juden werden systematisch schikaniert. Läden jüdischer Inhaber werden verwüstet, jüdische Schüler aus der öffentlichen Volksschule ausgeschlossen und das Vermögen von Juden beschlagnahmt. Am 9. November 1938 kommt es in ganz Deutschland zu einem fürchterlichen Ausbruch des Judenhasses. In der von den Nazis organisierten Reichskristallnacht werden überall die Synagogen verwüstet oder angezündet. Die deutsche Regierung will die Juden loswerden. Zur Kennzeichnung erhalten sie einen diskriminierenden Pass, was das Ausreisen aber oft erschwert. Zu den Glücklichen zählt, wer als Jude trotz mancher Hindernisse noch rechtzeitig vor den grossen Judenverfolgungen in Deutschland ins westliche Ausland fliehen kann. Die brutale Hetze der Nazis gegen die Juden und die aggressiven Reden Hitlers am Deutschen Rundfunk lassen viele Schweizer erschaudern. Zum diskriminierenden jüdischen Reisepass: Als zweiten Vornamen mussten sich die Juden den Namen Sarah (Frauen) oder Israel (Männer) zulegen.


Die abgebildete Karte wird zwar erst 1935 veröffentlicht. Aber sie ist in Hitlers Kopf schon längst mehr als nur eine Idee. In seinem bereits 1925 erschienenen Buch „Mein Kampf“ schrieb er unverblümt, dass Deutschland mehr Raum brauche und die Nationen deutscher Zunge eigentlich zu Grossdeutschland gehören müssten. Die Deutschschweiz sollte nach Hitlers Vorstellungen ein Teil des Deutschen Reichs sein. Die Nationalsozialisten möchten alle deutschsprachigen und germanisch geprägten Länder zu einem riesigen Grossdeutschland zusammenschliessen. Dazu würde auch die Schweiz gehören, wie man auf der Karte sieht. Bange Frage in unserem Land: Kommt die Schweiz nach Österreich und Tschechien als nächste dran?


Mit den technisch verbesserten Radios der Dreissigerjahre war es möglich, Hitlers Stimme im hintersten Winkel des Deutschen Reichs noch zu hören. Seine Reden wurden meist vom Deutschen Rundfunk übertragen. Damit sich jede deutsche Familie ein Radio leisten konnte, wurde ein günstiges und qualitativ überzeugendes Modell produziert. Die Herstellerfirmen mussten sich an staatliche Vorgaben halten und hatten das Gerät zum vorgeschriebenen Preis von 75 Reichsmark (heutiger Verkaufswert etwa 400 Franken) zu verkaufen. Der erste Volksempfänger wurde im August 1933 an der 10. Deutschen Funkausstellung in Berlin vorgestellt. Im Gegensatz zu den Modellen der Zwanzigerjahre verfügte das neue Radio nun einen Lautsprecher und keine Kopfhörer mehr wie bisher. Mit dem neuen Radio konnten bei günstigen Bedingungen auch ausländische Sender empfangen werden. Später wurde das Abhören von fremden Sendern inDeutschland bei Todesstrafe verboten.


Nach einer anfänglichen Bewunderung für Hitlers Politik in deutschfreundlichen Kreisen der Schweiz kippte diese Zustimmung spätestens ab 1938 in ihr Gegenteil. Bei allen grossen Parteien erkannte man die Gefahr, die uns von Norden drohte. Die Frage einer Stärkung der Landesverteidigung bekam Priorität. In dieser Bedrohungslage rückte die Schweizer Bevölkerung näher zusammen. Ausdruck dieser Geschlossenheit war die Landesausstellung von 1939 in Zürich. Die „Landi“, wie sie liebevoll bezeichnet wurde, war eine eindrücklich Manifestation des Schweizer Widerstands und ein Bekenntnis zu gelebten Schweizer Werten.


Ab 1938 hat die Schweiz nur noch drei Nachbarländer. Österreich wurde dem Deutschen Reich „angeschlossen“. Italien und Deutschland sind seit 1936 im Bündnis mit dem Namen „Achse“ zusammengeschlossen. Beide Länder sind faschistische Diktaturen, wo ein Führer die Politik weitgehend dominiert. 1939 verfügt Deutschland bereits über mehrere Panzerdivisionen. Diese sind ein gefährliches Instrument in der Hand eines Diktators wie Hitler. Im Bild unten sind Mussolinis Schwarzhemden zu sehen. Sie haben eine ähnliche Funktion wie die SA und die SS in Deutschland. Frankreich ist eine Demokratie. Aber die Parteien sind untereinander völlig zerstritten und der Wille, Deutschland die Stirn zu bieten, ist bei den regierenden Sozialisten wenig ausgeprägt. Die Friedenssehnsucht ist grösser. Das Bild links oben zeigt das zerstrittene französische Parlament, das Hitler verächtlich als „Schwatzbude“ bezeichnet.


Alle drei grossen Parteien auf dem Bild sowie die CVP (ohne Plakat) sagten ja zur Armee und setzen sich für die Unabhängigkeit unseres Landes ein. Die Sozialdemokraten sehen sich als „Bürger im Wehrkleid“, die ihre Familien verteidigen wollen. Ihr Bekenntnis zur Schweizer Armee ist eindeutig, da sie gesehen haben, was ihren Genossen im Deutschen Reich unter Hitler Schlimmes widerfahren ist. Die SVP (damals BGB) betont die wichtige Rolle der Schweizer Landwirtschaft für die Versorgung unseres Landes mit Grundnahrungsmitteln. Die Freisinnigen scheuen sich nicht, auf ihrem Plakat den mutigen Tell als Vorbild für eine wehrhafte Schweiz ins Zentrum zu stellen. Helden sind offensichtlich wieder gefragt.


Im Volk stiessen die Nazis im Allgemeinen auf heftige Ablehnung. Nur die Frontisten wünschten sich eine Schweiz, die sich Deutschland anschliessen sollte. Ihr Schlachtruf „Kampf Heil!“ tönte jedoch nicht gerade schweizerisch. Die verschiedenen deutschfreundlichen Parteien unseres Landes führen in ihrem Parteinamen den Zusatz „Front“ (z. B. Nationale Front). Unter den Studenten und einigen Industriellen gab es aber zahlreiche Bewunderer von Nazi-Deutschland. Bei den Schweizer Arbeitern hingegen kamen die Nazis gar nicht gut an. Man hatte gesehen, wie brutal Hitler mit den deutschen Arbeiterführern umgegangen war. Die Fotografie rechts zeigt eine Veranstaltung einer Nazi-Gruppe in der Tonhalle in Zürich.


In der akuten Bedrohungslage von 1939 rückte die Schweizer Bevölkerung näher zusammen. Ausdruck dieser Geschlossenheit war die Landesausstellung in Zürich. Die „Landi“, wie sie liebevoll bezeichnet wurde, war eine eindrückliche Manifestation des Schweizer Widerstands und ein Bekenntnis zu gelebten Schweizer Werten. Als im Mai 1939 die Tore der Landesaustellung in Zürich öffneten, war die Kriegsgefahr bereits ziemlich gross. Hitler war alles zuzutrauen. Die “Landi“ machte den Widerstandsgeist und die Liebe zur Schweizer Heimat für alle sichtbar. Wir wollten frei bleiben und unsere Schweizer Werte wie direkte Demokratie und Meinungsfreiheit verteidigen. In einer grossartigen Ausstellung gelang es, Schweizer Tradition und damalige Moderne auf eindrückliche Weise zu verbinden. Das Plakat zeigt die modernen Ausstellungshallen in Wollishofen, in denen die Schweizer Industrie ihre Spitzenleistungen präsentiert.


Gemütlichkeit kam an der „Landi“ nicht zu kurz. So konnte man ein Boot besteigen und auf dem Schifflibach durch das Ausstellungsgelände fahren. Vom Schifflibach aus, der auch mitten durch die Hallen der Elektrotechnik führte, konnte man die neusten Generatoren der Schweizer Elektroindustrie bewundern. Die Elektrotechnik gehörte 1939 zu den führenden Industriezweigen unseres Landes. Die Schweiz war 1939 europaweit voraus bei der Elektrifizierung ihrer Bahnen und nützte bereits einen grossen Teil der zur Verfügung stehenden Wasserkraft für die Gewinnung von Elektrizität.


Mit der berühmten Landiloki von 1939 war die damals stärkste Lokomotive der Welt an der Landi ausgestellt. Die Schweiz war mächtig stolz auf diese 12000 PS starke Maschine mit der technischen Bezeichnung Ae 8/14. Die 14-achsige Lokomotive war eher mühsam im Unterhalt und machte viel Lärm, aber sie war wegweisend für spätere Lokomotiven bezüglich des Designs. Sie blieb ein Einzelexemplar, das überall bestaunt wurde. Die Maschine ist heute im Verkehrshaus in Luzern ausgestellt. Der doppelte Rote Pfeil war ein Symbol für einen modernen, schnellen Zug. Aber auch er und ähnliche Fahrzeuge waren technisch anfällig und wurden nur in einer kleinen Serie hergestellt.


Verschiedene Gebäude wie hier der Pavillon der PTT (Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe) wirkten durch einfache Strukturen sehr modern. Die Ausstellung vermittelte Leistungsstolz und Fortschrittsglaube.


Die Begehung des Höhenwegs hatte für die Besucher der Landi etwas Feierliches. Die Fahnen symbolisieren die föderalistische Struktur der Schweiz (starker Gegensatz zu einem Zentralstaat wie dem Deutschen Reich). Man war überzeugt, dass die Schweizer Demokratie am besten in der direkten Mitsprache in den Gemeinden zur Geltung kommt. Vieles lässt sich am Wohnort besser regeln, wenn die Direktbetroffenen für die Gestaltung eines Gemeinwesens die Verantwortung übernehmen. Das Gleiche gilt auch für die Ebene der Kantone gegenüber dem Bund. Was auf Kantonsebene gelöst werden kann, soll nicht an den Bund delegiert werden (Subsidiaritätsprinzip). Gemeinden, Kantone und der Bund haben ihre spezifischen Aufgaben. Diese klare Aufteilung ist ein Teil des Erfolgsrezepts unserer Schweizer Demokratie.


Eine Fahrt in einem Boot auf dem Schifflibach gehörte zu den schönsten Erlebnissen an der Landi. Musik machten die Schülerinnen selber und das Singen von Schweizer Liedern gehörte dazu. Fast alle Schulklassen im Kanton Zürich und in weiten Teilen der Schweiz besuchten die Landi. Die farbige Zeichnung links ist ein prämiertes Werk einer Schülerin beim Landi-Zeichnungswettbewerb. Es zeigt, welcher Eindruck der Höhenweg und der Schifflibach hinterlassen haben.


Der erst kürzlich verstorbene Künstler Hans Erni hat für die Landi ein riesiges, farbenprächtiges Wandbild über die Schweiz als Touristenland gemalt. Traditionelle Bräuche wie etwa die Kuhkämpfe im Wallis sind ebenso dargestellt wie der neue Rote Pfeil der SBB oder die modernen Turbinen der Kraftwerke. Die Bilder illustrieren die grossartige Vielfalt unseres Landes mit seinen vier Sprachkulturen und der Schönheit der Schweizer Landschaft. Vieles ist etwas clichéhaft, aber sehr anschaulich dargestellt. Ein Stück weit ist das Gemälde auch eine ideale Tourismuswerbung. Im Herzen Europas bietet unser Land den Touristen auf kleinstem Raum eine herrliche Alpenlandschaft und einen Reichtum des kulturellen Lebens.


Eine Fahrt mit der Seilbahn über den See war ein weiteres Erlebnis. Für viele war dies aber zu teuer. Mit dem Schiff kostete die Überfahrt deutlich weniger. Mit dem Bau einer Seilbahn über das untere Zürichseebecken in kürzester Zeit konnten unsere Seilbahnfirmen eindrücklich zeigen, wozu sie fähig waren. Nach der Ausstellung musste die Seilbahn wieder abgebrochen werden.


Mit einem im Seilbahnmast eingebauten Lift ging es zur oberen Plattform. Von dort aus konnte die Fahrt mit der Seilbahnkabine beginnen. Die Gondeln waren eher klein, damit Gewicht gespart werden konnte. Sie wurden später an die Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg verkauft.


Wir nähern uns dem rechten Zürichseeufer beim Zürichhorn in Riesbach. Hier befindet sich der traditionelle Teil der Landi mit dem Landidörfli und dem Restaurant Fischerstube. In der riesigen Festhalle (weisse Festhütte in der Bildmitte) finden zahlreiche Grossveranstaltungen statt, welche die kulturelle Vielfalt der Schweiz zeigen. Der Gegensatz zur modernen Schweiz am linken Seeufer ist auffällig. Das bäuerliche Element dominiert. Statt der Industriehallen finden sich klassische Riegelbauten mit dörflichem Charakter. Doch der Gestalter des Plakats konnte es nicht unterlassen, die moderne Zeit von 1939 durch den Überflug einer Maschine der Swissair in Erinnerung zu rufen.


Die Bilder zeigen Originalfotos vom Ausstellungsgelände in Riesbach. Während der Zeit der Ausstellung waren täglich Jodler-, Gesangs- und Musikvereine aus allen Landesteilen bei Auftritten in der Festhalle zu hören. Ebenso gepflegt wurden das Schwingen als typischer Schweizer Sport. Mit Teddy Stauffer und seiner Band wurde auch eine moderne Jazzformation engagiert. Berühmt wurde damals die 20-jährige Trudi Gerster, die den Kindern in ihrer bekannt lebendigen Art die berühmten Märchen erzählte.


Farbige Plakate und begeisterte Berichte der Besucher machten die Landi rasch bekannt. Da der Besucherstrom nicht abreissen wollte, wurde die Ausstellung nach einem kurzen Unterbruch bei der Kriegsmobilmachung verlängert. Das Werbeplakat rechts oben stammt vom berühmten Künstler Alois Cariget, dem Schöpfer des Schellen-Ursli. Die beiden Stühle links aus Aluminium verkörpern den klassischen Landistil. Der Stuhl ganz links mit je sieben Lochreihen ist das Original, der Stuhl rechts daneben mit nur je sechs Lochreihen ist eine Nachbildung. Hans Coray hat das Original entworfen: Der Schalenstuhl gilt als Schweizer Design-Klassiker und gehört zu den meistverkauften Freilandstühlen des 20. Jahrhunderts.


Der Druck von aussen liess die Schweizer Bevölkerung zusammenrücken. Es gab einheitliche Werte, die kaum von jemandem infrage gestellt wurden. Was als typisch schweizerisch galt, war allen klar. Man spricht deshalb auch vom „Landigeist“. Die Darstellung passt zu den damals vertretenen Ansichten der geistigen Landesverteidigung. Diese wurde von namhaften Persönlichkeiten mit Vorträgen im ganzen Land gefördert, um den Wehrwillen unserer Bevölkerung zu stärken. Aus heutiger Sicht könnte man manche der damaligen Vorstellungen als leicht rassistisch, nationalistisch und etwas frauenfeindlich bezeichnen. Einige Schriftsteller kritisierten später die Enge der Ansichten von 1939 als „Blut und Boden-Werte“. Gemeint ist der Stolz der Schweizer auf ihre Schlachten in der Gründerzeit der Alten Eidgenossenschaft.


Frauen waren vorwiegend in sozialen Berufen und in dienender Funktion tätig. Primarlehrerin oder Kindergärtnerin waren Berufe, in denen sich Frauen entfalten konnten. Andere Aufstiegsmöglichkeiten gab es kaum oder nur nach harten persönlichen Kämpfen. So war es vielerorts üblich, dass eine Sekundarlehrerin nur dann gewählt wurde, wenn sie nicht verheiratet war. Bei einer Verheiratung musste sie sich meist mit einer Vikariatsstelle zufrieden geben. Das Idealbild einer Frau von 1939 entsprach einer fürsorglichen Mutter mit mehreren Kindern. Sie sorgte primär für die Erziehung der Kinder und führte den Haushalt.


Der Blick auf den Escher-Wyss-Platz in Zürich nahe der Limmat zeigt, dass in Zürich noch altmodische Trams fuhren und wenig Verkehr herrschte. Lichtsignale waren nicht nötig.


Hitlers Salamitaktik findet mit dem Überfall der Wehrmacht auf Polen ihr Ende. England und Frankreich haben genug von Hitlers aggressiver Politik und erklären dem Diktator den Krieg. Doch die beiden Länder sind nicht fähig, dem verbündeten Polen wirksame Unterstützung zu leisten. Sie verharren in ihren Abwehrstellungen und müssen zusehen, wie Polen eine verheerende Niederlage erleidet. Die Schweiz ist vom Überfall auf Polen nicht überrascht. Schon zwei Tage vor Kriegsbeginn hat sie General Henri Guisan zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt. Guisan versucht, mit der Armeestellung von 1939 eine wirksame Verteidigungslinie gegen Norden aufzubauen. Die Truppen üben täglich den Ernstkampf und bauen ihre Stellungen aus. Doch die Bewaffnung der Armee ist kaum ausreichend, um einem Panzerangriff widerstehen zu können.


Mit dem Abschluss des Nichtangriffspakts zwischen Hitler und Stalin war allen klar, dass Polen das nächste Opfer der Nazis würde. Die Meldung vom Abschluss wirkte wie ein Schock. Polen würde bei einem Angriff von zwei Seiten in die Zange genommen. Da Frankreich und England den Polen im Falle eines deutschen Angriffs ihre Unterstützung zusicherten, musste mit einem grossen Krieg gerechnet werden. Hitler war offensichtlich nicht mehr zu stoppen. Aus heutiger Sicht ist es fast unvorstellbar, dass sich die beiden Erzfeinde Hitler und Stalin zu einem Vertrag durchringen konnten. Aber beiden erhofften sich davon für ihre Länder klare Vorteile. Hitler hat den Nichtangriffspackt dann 1941 mit dem überraschenden Angriff auf die Sowjetunion ohne Vorwarnung gebrochen.


Am 31. August 1939 standen rund 2400 deutsche Panzer und 2000 Flugzeuge für den Angriff auf Polen bereit. Die Polen waren kriegstechnisch und zahlenmässig der Deutschen Wehrmacht klar unterlegen.


Mit dem lügenhaften Satz „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!“, erklärte Hitler im Reichstag unter dem tosenden Beifall der Abgeordneten den Polen am 1. September 1939 den Krieg. Er behauptete, polnische Soldaten hätten einen deutschen Radiosender auf deutschem Boden angegriffen. Doch das Ganze war ein übler Theatercoup der Deutschen. Man hatte einige Sträflinge in polnische Uniformen gesteckt und sie gezwungen, den eigenen Radiosender anzugreifen. Kurz nach dem Angriff auf Polen erhielt Hitler die Kriegserklärungen von England und Frankreich. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen.


Am 1. September begannen die Deutschen den kombinierten Angriff mit Panzern und Flugzeugen. Polen hatte keine Chance, da es trotz der Tapferkeit seiner Soldaten der Wucht des deutschen Angriffs wenig entgegensetzen konnte. Als sich der Erfolg der Deutschen abzeichnete, griff auch die Rote Armee in den Kampf ein. Von zwei Seiten in die Zange genommen, standen die Polen auf verlorenem Posten. Die Polen hofften vergeblich auf einen Entlastungsangriff der Franzosen gegen die Deutschen. Die Alliierten (Engländer und Franzosen) waren militärisch nicht gerüstet, um einen Angriffskrieg gegen Deutschland führen zu können.


Der rasche deutsche Erfolg liess die Fachleute staunen. Man sprach von einem „Blitzkrieg“, der durch sehr schnelle Militäroperationen auffiel. Die deutschen Panzerverbände waren gut organisiert und die Panzer mit Funk miteinander verbunden. Geleitet wurden die Angriffe von einem Kommandopanzer aus, wie er im Vordergrund mit auffälliger Funkantenne zu sehen ist. Den Panzerangriffen voraus gingen Bombardemente durch Stuka-Bomber. Diese stiessen im Sturzflug und heulender Sirene auf polnische Stellungen nieder und verbreiteten Angst und Schrecken. Auf dem farbigen Bild ist am Boden auch ein Transportflugzeug des Typs Ju 52 zu sehen.


Nach drei Wochen war Polen in einem Blitzkrieg besiegt. Nur Warschau leistete noch zwei Wochen lang Widerstand. Erbarmungslos bombardierte die Luftwaffe die polnische Hauptstadt, bis sie nur noch ein Trümmerfeld war. Einigen polnischen Einheiten gelang die Flucht nach Schweden und nach Rumänien. Diese Truppen schlugen sich zum Teil bis Frankreich durch und waren bereit, in den Reihen der Franzosen weiter gegen die Deutschen zu kämpfen. Zum Bild: Beim Vorstoss der Deutschen trafen diese schon bald auf die Truppen der Roten Armee. Man begrüsste sich gegenseitig und beglückte sich zum Sieg über die Polen. Das besiegte Land wurde so zwischen der Sowjetunion und dem Deutschen Reich aufgeteilt, wie es vertraglich vereinbart worden war. Es war eine Katastrophe für die Polen. Das Land war untergegangen und existierte nicht mehr. Deutsche und Russen behandelten das besiegte polnische Volk wie Barbaren. Die Deutschen begannen mit der Ermordung der polnischen Juden und die Rote Armee erschoss Tausende von polnischen Offizieren.


Zwei Tage vor Kriegsbeginn wurde der Waadtländer Oberstkorpskommandant Henri Guisan von der Vereinigten Bundesversammlung zum General gewählt. Er wurde deutlich dem deutschfreundlichen Ulrich Wille (Sohn des Generals aus dem Ersten Weltkrieg) vorgezogen. Die Wahl von Guisan war ein Glücksfall für die Schweiz. Er genoss hohes Ansehen in allen Landesteilen, da er mehrsprachig und eine Integrationsfigur war. Die Deutschen hatten wenig Freude an ihm, während die französische Armeeführung gute Kontakte zu Guisan pflegte. Auf dem Bild verharrt er in Achtungsstellung auf der Treppe des Bundeshauses, während die Militärmusik die Landeshymne spielt. Er ist flankiert von Mitgliedern des Bundesrats (links von ihm Bundesrat Etter).


Nachdem am 28. August 1939 bereits 80 000 Mann der Grenzschutztruppen eingerückt waren, machten sich am 1. September 410 000 Mann der Kampftruppen auf den Weg zu ihren geheimen Einsatzorten. Bei der ersten Mobilmachung vom 1. September wurden etwas mehr als eine halbe Million Wehrmänner aufgeboten. Bei der zweiten grossen Mobilmachung vom 10. Mai 1940 waren es sogar 700 000 Mann, was einem Fünftel der damaligen Schweizer Bevölkerung entsprach. Das Bild links zeigt die eindrückliche Soldatenmenge am 1. September in einem grossen Bahnhof (vermutlich der alte Bahnhof Bern). Die Illustration stammt aus dem vierbändigen Kinderbuch „Alois“, das die Biografie eines SBB-Kondukteurs schildert. Auf dem Bild rechts sieht man offenkundig, dass die Armee in der damaligen Bevölkerung grossen Rückhalt geniesst.


Nachdem die Kompagnien sich an ihrem Einsatzort provisorisch eingerichtet hatten, begann ein geregelter strenger Dienstbetrieb. Vor der täglichen Arbeit versammelte sich jede Kompagnie in der Morgenfrühe, um vom Hauptmann über den Tagesablauf (Tagesbefehl) orientiert zu werden. Nach Abschluss der Tagesarbeit, die bis weit in die Nacht hinein dauern konnte, kam die Kompagnie auf einem grösseren Platz wieder zusammen. Bei diesem Hauptverlesen zog der kommandierende Hauptmann oft eine kurze Bilanz zur Tagesarbeit. Wenn es die Situation erlaubte, gab es für die Truppe nach dem abendlichen Hauptverlesen einen kurzen freien Ausgang im Dorf.


Die Schweizer Armee war beim Kriegseintritt in vielen Bereichen nur ungenügend ausgerüstet. Die Bilder täuschen über den wahren Zustand, denn viele Waffen waren veraltet oder nur in geringer Anzahl vorhanden. Die Schweizer Armee war in erster Linie ein Infanterieheer. Dieses verfügte über zahlreiche Maschinengewehre, die zum Teil noch aus dem Ersten Weltkrieg stammten. Wir besassen zu Beginn des Krieges nur zwanzig leichte Panzer, nur wenige Fliegerabwehrkanonen und eine teilweise veraltete Artillerie. Immerhin verfügten wir bei der gezogenen Artillerie über eine grössere Anzahl an modernen schwedischen Geschützen. Grosse Schwachstelle war die völlig ungenügende Panzerabwehr. Die Luftwaffe verfügte teilweise über moderne Maschinen. 80 hochmoderne Messerschmitt 109 bildeten das Rückgrat der Luftüberwachung. Diese Jagdflugzeuge wurden mehrmals in Kämpfe mit deutschen Flugzeugen über Schweizer Gebiet verwickelt. Im Gebirge leisteten Zug-und Trainpferde gute Dienste. Sie erwiesen sich als beweglich in schwierigen Lagen und sicherten den Transport von Waffen und Munition. Die Kavallerie hingegen war nicht geeignet, um in einem Krieg gegen Panzer eingesetzt zu werden.


Zu Beginn des Krieges war unsere Fliegerabwehr noch sehr schwach. Unsere eigene Rüstungsindustrie war aber imstand, im Verlauf des Krieges die Flab mit leistungsfähigen Flabgeschützen zu beliefern.


General Guisan richtete 1939 die Armee in erster Linie gegen Norden aus. Von Frankreich ging keine Gefahr aus und Italien hielt sich eher zurück. Die unbedingt zu haltende Armeestellung verlief auf folgender Linie: Juraketten – Limmat – Zürichsee – Linthebene – Walensee – Sargans. Die Ostschweiz mit Winterthur wurde mit relativ wenigen Truppen verteidigt (Verzögerungstaktik und geplanter Rückzug auf die Armeestellung). Am schwierigsten zu verteidigen war die Limmatstellung (Teil der Armeestellung). Hier konzentrierte Guisan viel Artillerie und liess unzählige Bunker bauen. Die Rheingrenze wurde von schwachen Grenzschutztruppen verteidigt. Diese wären wohl schon am ersten Tag eines deutschen Angriffs auf verlorenem Posten gestanden. Ein Rückzug ins Gebirge war 1939 noch keine ernsthafte Option. In einem geheimen Abkommen zwischen General Guisan und der französischen Armeeführung sicherten die Franzosen den Schweizern im Falle eines deutschen Angriffs auf unser Land sofortige militärische Hilfe zu. Am Gempen (BL) waren bereits Artilleriestellungen für die französischen Geschütze ausgehoben worden.


Die stark befestigte Maginot-Linie war eine Abwehrstellung von Basel bis fast nach Sedan. In die Tiefe gestaffelte Bunker mit unzähligen Geschützen und unterirdischen Verbindungen bildeten ein gigantisches Festungswerk. Die Maginotlinie endete bei Sedan. Zwischen Frankreich und Belgien gab es keine fest ausgebaute Verteidigungslinie. Die Maginot-Linie konnte deshalb nördlich (durch Belgien) und südlich (durch die Schweiz) mit Panzerdivisionen umgangen werden.


Im Winterhalbjahr war die Armee damit beschäftigt, die Armeestellung mit allen Mitteln auszubauen. Vor allem im stark gefährdeten Abschnitt des Limmattals wurden unzählige Bunkeranlagen gebaut, um einen Panzerangriff abwehren zu können. Die Armeeführung unter General Guisan genoss viel Vertrauen in der Bevölkerung. Guisan verstand es, mit seiner umgänglichen Art das Land über Partei- und Sprachgrenzen hinaus für das Anliegen einer starken Landesverteidigung zu gewinnen. Dieses Ziel unterstützten auch die Frauen, welche zusätzliche Arbeiten zu Hause und auf den Bauernhöfen übernahmen.


Der Polenfeldzug lehrte die Schweizer Armeeführung, dass riesige Anstrengungen zum Aufhalten der deutschen Panzer unternommen werden mussten. Betonierte Betonpyramiden in mehreren Reihen über ganze Talabschnitte sollten die Panzer stoppen. Aufgelaufene Panzer hätte man mit den wenigen zur Verfügung stehenden Panzerabwehrwaffen (Infanteriekanonen) bekämpfen wollen. Die Chance für dieses Vorhaben standen nicht sehr gut. Noch heute findet man als Zeitzeugen in Grenznähe und entlang der Armeestellung betonierte Panzersperren aus den Kriegsjahren.


Entlang der Armeestellung wurden überall massive Bunker unterschiedlicher Grösse gebaut. Die meisten waren mit einem oder zwei Maschinengewehren ausgerüstet. Diese sollten die Angreifer daran hindern, die grossen Flüsse (Rhein, Aare, Limmat) zu überqueren oder den wichtigen Stützpunkt Basel kampflos einzunehmen. Nur wenige Bunker waren mit Tankbüchsen zur Abwehr von Panzern ausgerüstet. Die meisten Bunker waren gut getarnt. Einige sahen von Weitem wie Gartenhäuschen aus oder waren zum Schutz vor der Entdeckung durch Flieger mit einer Grasdecke versehen. Die Artillerie war in Stellungen einige Kilometer hinter der Verteidigungslinie positioniert. In der Nähe von Koblenz (AG) waren in der kleinen Festung Reuenthal zwei 7.5cm Kanonen installiert. Die Ausrüstung der Armee mit Kanonen war 1939 aber insgesamt ungenügend.


Die Armeestellung verlief mitten durch die Stadt Zürich. Entlang der Limmat gab es Stacheldrahthindernisse und kleine Bunker. Das Bild zeigt die Verteidigungseinrichtungen beim Hotel Storchen gegenüber dem Rathaus. Bei einem deutschen Angriff wären wohl grosse Teile der Stadt Zürich völlig zerstört worden.


Guisans Auftritte bei der Truppe genossen hohe Aufmerksamkeit. Ein Besuch des Generals war eine grosse Ehre und eine Bewährungsprobe für die besuchten Regimenter oder Bataillone. Guisan liess sich die Übungsanlage erklären und beobachtete dann den Ablauf eines eingeübten Angriffs. Begleitet wurde er von Mitgliedern seines persönlichen Stabs, die sich Notizen machten. Bei der nachfolgenden Besprechung lobte der General, was ihm gefallen hatte und kritisierte die Schwachpunkte.


Inspektionen des Generals waren ein Grossereignis, das die Bevölkerung ganzer Dörfer auf die Beine brachte. Mit den Inspektionen wollte Guisan die Wehrbereitschaft der Armee stärken und der Bevölkerung Zuversicht vermitteln. Zu den Auftritten des Guisans gehörte es auch, dass ein Militärspiel auftrat und den General nach der Inspektion mit einem rassigen Militärmarsch verabschiedete. Für die lokale Presse waren die Auftritte des Generals ein Ereignis, über das in Wort und Bild im Lokalblatt berichtet wurde. Aber auch Wochenblätter wie die Schweizer Familie oder die Schweizer Illustrierte versäumten es nicht, den General mit Grossaufnahmen beim Kontakt mit der Bevölkerung ins richtige Licht zu rücken.


Guisan war menschlich überzeugend, da er sich für die Menschen wirklich interessierte. Mit seinem französisch gefärbten Deutsch kam er auch in der Deutschschweiz gut an. Guisan beantwortete viele Briefe, die an ihn gerichtet waren, persönlich und bewilligte auch Urlaubsgesuche von Bauern, die in der Erntezeit auf dem Hof arbeiten wollten. Die persönlichen Kontakte mit der Bevölkerung und die wohlwollenden Presseberichte über den General führten zu einer grossen Popularität des Schweizer Oberbefehlshabers. In vielen Wohnstuben, Schulzimmern und Restaurants hing sein Portrait an der Wand. Guisan verkörperte mit seinem Engagement den Schweizer Widerstandswillen. Guisan war der richtige Mann am richtigen Ort. Er musste aber nie beweisen, dass sein Abwehrkonzept einem deutschen Angriff hätte standhalten können.


Guisans militärische Qualitäten wurden nie auf die Probe gestellt, da die Schweiz zum Glück vom Krieg verschont blieb. In der Armeeführung setzte sich Guisan 1940 gegen den deutschfreundlichen Generalstabschef Labhart durch und ersetzte diesen durch den loyalen Jakob Huber. Lesenswerte Biografien zu General Guisan haben der Historiker Willi Gautschi und Redaktor Markus Somm geschrieben. Guisan wird von beiden im Grossen und Ganzen als positive Persönlichkeit gesehen und als der richtige Mann für eine grosse historische Aufgabe betrachtet. Einzig bei der Frage der Aufnahme von Flüchtlingen hätten die Historiker vom General eine grosszügigere Haltung erwartet.


Zeitweise waren bis zu einer halben Million Männer im Wehrdienst. Auf den Bauernhöfen organisierten die Bäuerinnen die ganze Arbeit. Jugendliche halfen bei den Erntearbeiten mit und hatten deutlich weniger Freizeit als in Friedenszeiten. In den Fabriken nahmen Pensionierte und viele Frauen die Plätze der abwesenden Männer ein. Alle packten an, da man nur so die Herausforderungen meistern konnte.


Haushaltarbeiten waren aufwändig und fast nur Aufgabe der Frauen. Es gab keine automatischen Waschmaschinen. Die Wäsche mussten grösstenteils von Hand gewaschen werden. Beim Kochen musste oft improvisiert werden, da längst nicht mehr alle Lebensmittel in ausreichender Menge vorhanden waren. Den Kleidern galt es Sorge zu tragen, da die Auswahl an Textilien beschränkt war. Abends, wenn die kleinen Kinder bereits im Bett waren, holte die Mutter ihr Strickzeug hervor und strickte an einem Pullover oder flickte zerrissene Hosenbeine. Kleine Reparaturen im Haus erledigten viele Hausfrauen oft gleich selber. Entsprechend lang war der Arbeitstag für die Hausfrauen.


Bei Kriegsbeginn wurden die meisten Lebensmittel rationiert. Damit wollte man eine gerechte Verteilung der Lebensmittel auf die Bevölkerung erreichen. Wer 100 Gramm Butter kaufen wollte, musste neben dem Kaufbetrag einen Coupon von der monatlich zugestellten Lebensmittelkarte abgeben. Tauschmöglichkeiten bei den Lebensmittelkarten waren durchaus möglich. So konnte ein Raucher seine Coupons für Schokolade gegen Tabakcoupons eines Kollegen eintauschen.


Nur wenige Produkte konnten weiterhin ohne Lebensmittelcoupons gekauft werden. Dazu gehörten die Kartoffeln, die nie rationiert waren. Salzkartoffeln und „Gschwellti“ konnte man unbeschränkt geniessen. Wer hingegen Pommes frites zubereiten wollte, brauchte Fett und dieses war rationiert. Niemand musste bei uns während des Krieges Hunger leiden. Aber es gab auch kaum Personen mit starkem Übergewicht.


Mit der kalten Jahreszeit im Winter 1939/40 wurde der schon monatelange Militärdienst härter. Die Truppe musste sich auf den Krieg im Winter einstellen. Mut machten uns die Finnen, die mit ihrer klugen Taktik die in ihr Land eingefallenen Russen mit Erfolg bekämpften und ihnen schwere Niederlagen zufügten. Ein kleines Land hatte also durchaus eine Chance, gegen eine Grossmacht erfolgreich Widerstand zu leisten. Links oben ist ein Soldat mit einem LMG (leichtes Maschinengewehr) bei einer Schiessscharte eines Bunkers zu sehen. Hier wird der Abwehrkampf geübt. Rechts ist eine Gruppenübung mit einem leichten Maschinengewehr (ganz vorn) im Gang. Die Gruppe bereitet sich auf ihren Gegenangriff vor. Unten ist der Transport einer leichten 20mm Infanteriekanone festgehalten. Diese Waffe war aber gegen moderne Panzer nur von ungenügender Wirkung.


Die lange Dienstzeit war oft monoton und sorgte für Verdruss. Guisan förderte den militärischen Sport, um den militärischen Alltag zu durchbrechen. In den Divisionen wurden Langlaufmeisterschaften und Staffelrennen durchgeführt. Die besten Teams aus den Divisionen durften dann an der Armeemeisterschaft um den Schweizer Armeemeister kämpfen. Waffenläufe wie der berühmte „Frauenfelder“ dienten der Fitness der Truppe. Wer mit dem Gewehr am Rücken den 42km langen Frauenfelder Waffenlauf schaffte, galt als tüchtiger Wehrsportler.


Da in den Wintermonaten 1939/40 auf den europäischen Kriegsschauplätzen eher wenig los war, konnte ein Teil der Truppen nach Hause entlassen werden. Alle freuten sich riesig, wenn sie in den Urlaub fahren und dem strengen Militärdienst für eine Weile entfliehen konnten. Für Soldaten, die über Weihnachten im Militär bleiben mussten, stellte die Armee grosse Weihnachtspakete bereit. Jeder Wehrmann erhielt an Weihnachten eines dieser Pakete. Für diese Geschenkaktion stellten sich unzählige freiwillige Helferinnen im ganzen Land zur Verfügung.


Pakete und Briefe beförderte die militärisch organisierte Feldpost gratis. Die Säcke mit der schmutzigen Wäsche wurden von den Soldaten meist nach zwei oder drei Wochen nach Haue geschickt. Die Angehörigen zuhause schickten dann die gewaschene Wäsche, oft zusammen mit einer Süssigkeit oder anderen Esswaren, wieder zurück an den Absender. Die Unterstützung der Frauen zuhause für die Soldaten im Feld war ein wichtiger Teil der Landesverteidigung.


Die Grenze am Rhein musste Tag und Nacht bei jeder Witterung bewacht werden. Die Wachen wurden in der Regel alle zwei Stunden abgelöst. Der Wachsoldat auf dem Bild trägt zum Schutz vor der Kälte eine Armeeplane über dem Rücken. Im Winter 1939/40 standen sich deutsche und französische Truppen an der Grenze gegenüber, ohne dass es zu grösseren Kampfhandlungen kam („Drôle de guerre“, «Sitzkrieg», «seltsamer Krieg»). Aber alle wussten, dass die Deutschen bei günstiger Gelegenheit mit aller Kraft angreifen würden. Und eine Möglichkeit bestand darin, dass die Deutschen die französischen Stellungen am Rhein durch einen Angriff über die Schweiz umgehen würden. Wir standen unter ständigem Druck.


Am 10. Mai 1940 begann mit dem deutschen Angriff gegen Frankreich, Belgien und die Niederlande die zweite Phase des Zweiten Weltkriegs. Der Angriff war von den Westmächten erwartet worden, doch die Wucht des Vorstosses der deutschen Panzerverbände überraschte die französische Militärführung völlig. Innert weniger Tage stiessen die deutschen Panzerdivisionen zur Kanalküste vor und schlossen dort bei Dünkirchen englische und französische Truppen ein. Nur dank einer improvisierten Rettungsaktion konnte der grösste Teil dieser Einheiten nach England übergeführt werden. Die französische Armee war entscheidend geschlagen. Die Deutschen marschierten in Paris ein und stiessen bis zur Schweizer Grenze vor. Nach der bedingungslosen Kapitulation Frankreichs stand die Schweizer Militärführung vor einem Scherbenhaufen. Die gut ausgebaute Armeestellung war wertlos geworden, weil die ganze Jurafront praktisch offen dalag. Die Deutschen hätten ohne nennenswerten Widerstand von Westen her in die Schweiz einmarschieren können. In der Schweizer Bevölkerung herrschte Niedergeschlagenheit, da im Juni 1940 weder der Bundesrat noch der General einen Ausweg aus der gefährlichen Situation aufzeigten.


Am 10. Mai 1940 begannen die Deutschen mit einem konzentrierten Angriff auf Frankreich, Belgien und die Niederlande. Den Hauptangriff führten die Panzerdivisionen der Generäle Guderian und Rommel durch. Sie hatten den Auftrag, durch die bewaldeten Ardennen möglichst verdeckt vorzustossen und drei Tage später die Maas zu überqueren. In einem eher zweitrangigen Angriff stiessen andere deutsche Panzer direkt Richtung Belgien vor. Der Vorstoss kam schnell voran, da deutsche Fallschirmtruppen das hochmoderne Artilleriefort Eben Emael in einem Handstreich ausschalteten und die belgische Armee rasch kapitulierte. Wie von den Deutschen erwartet, kamen die Franzosen den Belgiern mit einer starken Armee zu Hilfe. Zusammen mit den Engländern wollten sie die Deutschen vor der Hauptstadt Brüssel aufhalten. Die Franzosen ahnten nicht, dass sie dadurch in eine Falle geraten waren. In einem weiteren Angriff griffen die Deutschen die Niederlande an. Diese kapitulierten, nachdem die deutsche Luftwaffe Rotterdam schwer bombardiert hatte. Der deutsche Täuschungsangriff gegen die Schweiz diente dazu, französische Streitkräfte in grosser Zahl an der Grenze bei Basel zu binden.


Das präzise Zusammenspiel von Panzerdivisionen und Luftwaffe machten einen grossen Teil des Erfolgs der Wehrmacht aus. Gegen Frankreich wurden rund 3000 Panzer eingesetzt. Diese waren zwar nicht besonders gross, aber schnell und beweglich. Sie waren mit Funk in ihren Kampfverbänden untereinander verbunden und operierten als eigenständige Einheiten. Was machten die schweren französischen Panzer? Die Franzosen besassen eine sehr grosse Anzahl an Panzern. Doch diese waren grösstenteils der Infanterie zugeteilt und operierten nur in wenigen Fällen als eigenständige Panzer-Kampfverbände. Die schweren Panzer waren zu langsam und verfügten über keine Funkverbindungen. Die Schlagkraft der französischen Panzer war dadurch begrenzt. Hinzu kam, dass im allgemeinen Chaos des schnellen deutschen Vorstosses der Nachschub an Treibstoff für die französischen Panzer überhaupt nicht klappte.


Der kühne Plan mit dem Vorstoss durch die als unpassierbar geltenden Ardennen hatte der hervorragende Stratege von Manstein ausgearbeitet. Die Franzosen hatten wie im Ersten Weltkrieg den Hauptangriff durch Belgien erwartet und niemals mit einem Vorstoss durch die Ardennen gerechnet. Entsprechend schwach waren dort die französischen Abwehrstellungen und teilweise fehlten auch die Wachen. Gut getarnt im Wald konnten die deutschen Panzer in drei Tagen unbehelligt bis an die Maas vorstossen. Die Franzosen und Engländer konzentrierten sich auf die Abwehr des deutschen Angriffs gegen Brüssel. Doch jener Vorstoss war nur ein Nebenschauplatz in der deutschen Angriffsstrategie.


Nach drei Tagen erreichen die deutschen Panzerverbände von Rommel und Guderian die Maas. Dort eröffnen sie aus allen Rohren aus ihren Panzern das Feuer auf die gegnerischen Abwehrstellungen am Maasufer. Gleichzeitig greift die Deutsche Luftwaffe in den Kampf ein. Mit ihrem schweren Bombardement zerstört sie einen Tiel der französischen Stellungen. Die Franzosen werden durch diesen konzentrierten Angriff in Panik versetzt und fliehen ins Hinterland. Innert weniger Stunden gelingt den deutschen der Übergang über die Maas. Sie bauen Pontonbrücken und überqueren mit ihren Panzern den gestauten Fluss. Dann geht der Vorstoss der Panzer weiter in Richtung Atlantikküste. Die seitlichen französischen Gegenangriffe scheitern, weil sie miserabel organisiert sind und mit zu wenigen Panzern ausgeführt werden. Schon eine Woche nach Überquerung der Maas erreichen die deutschen Panzerverbände von Guderian und Rommel die Atlantikküste bei Dünkirchen. Jetzt sind die den Belgiern zu Hilfe geeilten Engländer und Franzosen völlig eingeschlossen. Da die Deutschen kurz vor Dünkirchen auf Befehl Hitlers unerwartet stoppen, gelingt es der englischen Flotte und vielen kleinen privaten Schiffen, den grössten Teil der Eingeschlossenen über den Ärmelkanal nach England zu retten.


Nach der Überquerung der Maas kommt der deutsche Hauptvorstoss rasch voran. Die deutschen Panzer sind nicht mehr aufzuhalten. Die wenigen französischen Gegenangriffe scheitern alle. Erst jetzt erkennt die französische Militärführung, dass ihre Truppen in Belgien in eine böse Falle geraten sind. Durch den deutschen Panzervorstoss sind die französischen Soldaten völlig von Frankreich abgeschnitten. Was sollen sie nun tun? Auch der (orange) Nebenangriff der Deutschen auf Brüssel ist erfolgreich. Die belgische Armee kapituliert rasch. Die Engländer können dem Druck nicht länger standhalten und ziehen sich zurück. Zum Bild rechts oben: Schon nach wenigen Stunden haben deutsche Sappeure tragfähige Pontonbrücken erstellt. Kampfpanzer sind schon am andern Ufer. Ein Kettenfahrzeug der Sanität folgt ihnen über die Brücke.


Im Winter 1939/40 hatte die Armee einen tieferen Mannschaftsbestand, da auf den europäischen Kriegsschauplätzen wenig los war. Beim grossen Angriff der Deutschen am 10. Mai 1940 gegen den Westen wurde die Armee wieder voll mobilisiert. Über 400 000 Wehrmänner und viele Hilfsdienstleistende rückten am 10. Mai wieder zu ihren Stellungen ein. Diese waren besser ausgebaut als zu Beginn des Weltkriegs. Auf dem Bild links studieren zwei Soldaten das Mobilmachungsplakat. Auf dem Bild rechts ist ein Bunker am Zürcher Rheinufer bei Schaffhausen zu sehen. Der Kanton Schaffhausen wäre im Ernstfall nicht verteidigt worden.


Die Schweizer Armee war ganz auf einen Angriff der Deutschen von Norden her ausgerichtet. Die Franzosen gingen davon aus, dass die Wehrmacht bei einem Angriff auf Frankreich die stark befestigte Maginot-Linie allenfalls südlich umgehen würde. General Guisan rechnete am 14. Mai fast stündlich mit einem deutschen Angriff auf die Schweiz. Täuschende deutsche Truppenbewegungen im Schwarzwald, die vom Schweizer Geheimdienst gemeldet wurden, gaben Grund zur Annahme, dass es bald losgehen würde. Auch die Franzosen gingen davon aus, dass sie bald in Richtung Schweizer Jura losmarschieren würden. In einem geheimen Abkommen zwischen General Guisan und der französischen Armeeführung hatten die Franzosen den Schweizern im Falle eines deutschen Angriffs auf unser Land sofortige militärische Hilfe zugesichert. Am Gempen (BL) waren bereits Artilleriestellungen für die französischen Geschütze ausgehoben worden.


Die raffinierten Täuschungsmanöver der deutschen Wehrmacht im Schwarzwald sorgten für grosse Nervosität in der ganzen Schweiz. Wenige deutsche Panzer und andere Fahrzeuge, die mehrmals hin und her fuhren, machten ziemlich viel Lärm. Am deutschen Rheinufer wurden Gummiboote deponiert, welche Vorbereitungen für das Übersetzen des Flusses durch deutsche Truppen vortäuschten. Diese Beobachtungen hatten zu Falschmeldungen des Schweizer Nachrichtendienstes geführt. Die Bevölkerung in den Grenzgebieten wurde sehr nervös. Viele reiche Leute packten ihre Koffer und flohen mit ihren Autos in Richtung Innerschweiz. Das gab böses Blut bei den Soldaten, die in ihren Stellungen den deutschen Angriff erwarteten.


Nach Abschluss des Sichelschnitts beginnt der deutsche Angriff auf ganz Frankreich. Die deutschen Panzerverbände stossen nun direkt gegen Süden vor und erreichen die französische Hauptstadt, die zur offenen Stadt erklärt worden ist. Ein weiterer Panzervorstoss geht in Richtung Schweizer Grenze. Auch die Maginotlinie wird schliesslich noch durchbrochen. Die französische Armee ist schwer geschlagen und kann den Zusammenbruch nur noch etwas hinauszögern. Am 14. Juni marschieren deutsche Truppen über die Champs Elysées. Wenig später übernimmt ein deutscher Kommandant das Zepter in der Stadt und lässt an wichtigen Gebäuden Hakenkreuzfahnen aufhängen.


Die Panzerdivision von General Guderian stösst im Rücken der Maginot-Linie in Richtung Schweizer Grenze vor. Mitte Juni erreichen die deutschen Panzer unsere Landesgrenze im Jura. Auf dem Bild sehen wir einen Schweizer Wachposten an der Grenze. Ein deutscher General schaut zum Fotografen, der auf Schweizer Gebiet steht. In diesen Tagen überschreiten 43 000 Mann zweier französischer Divisionen, darunter 15 000 Polen, die Schweizer Grenze, um der Gefangenschaft zu entgehen. Die Franzosen werden bei uns kurze Zeit interniert, die Polen bleiben während des ganzen Kriegs in der Schweiz. Die Polen werden auf Internierungslager in der ganzen Schweiz verteilt. Sie arbeiten auf den Feldern und helfen mit, Rietgebiete zu entwässern.


Am 22. Juni kapituliert Frankreich bedingungslos. Im Wald von Compiègne, dort wo die Deutschen 1918 ihre damalige Kapitulation in einem Eisenbahnwagen unterschreiben mussten, liess Hitler die gleiche Szene mit ungekehrten Vorzeichen wiederholen. Diesmal mussten die Franzosen die Kapitulation unterschreiben. Hitler tanzte vor Freude und genoss den grossen Triumph mit seinen Generälen. Frankreich wurde zum grösseren Teil von der Wehrmacht besetzt. Die ganze französische Atlantikküste war nun unter deutscher Kontrolle. Nur ein Teil des Landes mit Vichy als Zentrum blieb vorerst noch frei von deutschen Truppen. Aber dieses Restfrankreich war ganz von Deutschland abhängig. Es existierte nur, damit sich die französische Kriegsflotte unter der Vichy-Regierung neutral verhielt und die französischen Kolonien nicht auf der Seite der Alliierten in den Krieg traten. Immerhin war es der Schweiz so möglich, bis 1942 noch Güter aus Marseille über das unbesetzte Frankreich in die Schweiz zu transportieren. Nach der Besetzung von Vichy-Frankreich durch die Deutschen war auch diese kleine Öffnung zum Mittelmeer für unser Land geschlossen.


Am 28. Juni 1940 machte Hitler in der Morgenfrühe einen Blitzbesuch in Paris. Er schaute sich die berühmten Bauwerke an und gab seinem Lieblingsarchitekten Anweisungen, wie er das neue Berlin als Welthauptstadt gestalten solle. In Berlin sollte alles noch grösser und eindrücklicher werden. Links neben Hitler ist Albert Speer zu sehen. Auch das Grab von Napoleon hat Hitler bei seinem nur wenige Stunden dauernden Aufenthalt in Paris besucht.


Der Zusammenbruch Frankreichs wirkte wie ein Schock auf die ganze Schweiz. Die Wehrmacht schien unbesiegbar zu sein. Die Stimmung im Land Ende Juni 1940 war katastrophal. Neben Wut und Verzweiflung gab es Leute, die offen von einer Anpassung an Deutschland sprachen. Einige kauften sich bereits Hakenkreuzfahnen, um beim Einmarsch der Deutschen auf der richtigen Seite zu stehen. Wo sollte das noch hinführen? Viele befürchteten einen handstreichartigen Überfall auf unser Land. Vielleicht würde die Schweiz schon bald ein Gau (Landesteil) des Deutschen Reiches sein.

General Guisan und Bundesrat Pilet-Golaz verstanden sich nicht sehr gut. General Guisan trat nicht mehr öffentlich auf und schwieg. Viele Schweizer nahmen deswegen sein Bild von der Wand und gaben die Hoffnung auf, dass die Schweiz ihre Unabhängigkeit bewahren konnte. Bundespräsident Pilet-Golaz stiftete mit einer Radiorede, in welcher er davon sprach, man müsse sich in Europa der deutschen Vorherrschaft anpassen, eine heillose Verwirrung. Die bange Frage lautete: Gibt der Bundesrat jetzt auf und wird er Verhandlungen mit den Deutschen führen? Das Schweigen von Guisan im Juni 1940 wurde von der Bevölkerung als Kapitulation vor den Deutschen verstanden. Und Pilet-Golaz galt bei vielen als ein Verräter schweizerischer Interessen.

Innerhalb der Armee gab es grössere Auseinandersetzungen über das Verhältnis zu Deutschland. Der Chef des Generalstabs, Korpskommandant Labhardt, war eher deutschfreundlich eingestellt. Guisan gefiel das nicht. Schon im März 1940 hatte er Labhardt von diesem Posten abgesetzt und ihm ein anderes Kommando gegeben. Nachfolger wurde der loyale und wenig deutschfreundliche Jakob Huber. Damit war der Weg frei für eine neue Verteidigungsstrategie.


Von den Luftkämpfen zwischen deutschen und schweizerischen Jagdflugzeugen ist im Allgemeinen wenig bekannt. In diesem Kapitel wird auf die aktive Rolle der Schweizer Luftwaffe beim Schutz unseres Luftraums eingegangen. Ausführlich behandelt wird dabei der dramatische Luftkampf vom 8. Juni 1940 über dem Jura.


Bei Bomberangriffen gegen Frankreich verletzten deutsche Heinckel-Bomber oft unseren Luftraum, um die Distanz bis zum Einsatzort zu verkürzen. Es kam aber auch vor, dass die deutschen Besatzungen die Orientierung verloren und unabsichtlich Schweizer Gebiet überflogen. Unsere Luftwaffe hatte zusammen mit der Fliegerabwehr (Flab) den Auftrag, fremde Flugzeuge abzufangen und sie zur Landung zu zwingen. Dabei kam es meist zu Luftkämpfen, da die Deutschen nicht bereit waren, den Schweizer Aufforderungen zu folgen. Im Mai und Juni 1940 wurden mehrere deutsche Maschinen bei Luftkämpfen so schwer beschädigt, dass sie auf Schweizer Gebiet notlanden mussten.


Für die Luftraumverteidigung besass die Schweizer Luftwaffe neben älteren Modellen 80 hochmoderne Messerschmitt 109 E. Diese noch rechtzeitig in Deutschland gekauften Maschinen waren in Dübendorf und auf kleinen Feldflugplätzen stationiert. Die Flugzeuge wurden sorgfältig gewartet und nach jedem Einsatz genau überprüft. Die Piloten mussten sich auf ihre Mechaniker verlassen können. Die Revision eines Jagdflugzeugs war Präzisionsarbeit und zeitintensiv. Im Juni 1940 war es üblich, dass die Flugstaffeln in Doppelpatrouillen operierten. Die Piloten mussten sich einem harten Training unterziehen. Dazu gehörte auch das Ausführen von Rollen (Loopings), bei denen das Körpergewicht des Piloten auf ein Mehrfaches anwuchs. Auch Flüge in grosser Höhe mit Sauerstoffmasken waren Standard in der Ausbildung.


Die Pilotenausbildung umfasste Theorie und Praxis. Einsätze wurden vorbesprochen und nützliche Tipps für den Kampf mit dem Gegner gehörten dazu. Hier wird auf einem Plakat im Theorieraum den Piloten in Erinnerung gerufen, dass im Luftkampf nicht zu früh auf den Gegner geschossen werden darf. „Nahe heranfliegen, erst dann feuern!“ fordert das Plakat die Piloten auf. Der angreifende Schweizer Flieger wirkt nicht gerade zimperlich.


Die Unschärfe des Bildes vom Alarmstart lässt vermuten, dass der Einsatz ein Ernstfall ist. Die meisten Schweizer Flugplätze hatten Graspisten. Dübendorf hingegen besass eine Betonpiste. Die Me 109E besass einen leistungsstarken V12- Motor, erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 570km/h und konnte bis auf eine Höhe von 10 500m steigen.


Blick ins enge Cockpit eines modernen Jagdflugzeugs von 1940. Zur Ausrüstung gehörte auch eine Sauerstoffmaske, da die Maschine in 10 Km Höhe operieren konnte. Die Me 109 war sehr wendig und eines der schnellsten Flugzeuge im 2. Weltkrieg.


Im Mai 1940 verlor die deutsche Luftwaffe mehrere Maschinen beim Überflug über Schweizer Gebiet. Die Maschinen waren von Schweizer Jagdflugzeugen abgeschossen oder schwer beschädigt worden. Luftmarschall Herrmann Göring war erzürnt über die Abschüsse deutscher Maschinen im Schweizer Luftraum. So etwas wollte sich der Chef der erfolgreichen deutschen Luftwaffe nicht bieten lassen. Er wollte der Schweizer Luftwaffe eine gehörige Lektion erteilen. Er stellte eine Spezialstaffel mit 32 Maschinen für eine Provokation und Strafaktion gegen die Schweiz zusammen.


Am 8. Juni 1940 drangen 32 deutsche Me 110 in den Schweizer Luftraum ein und begannen, über dem Jura in drei Kreisen übereinander ununterbrochen Runden zu fliegen. Die zweimotorigen Maschinen der Deutschen sollten die Schweizer Jagdflugzeuge provozieren und sie in eine Falle locken. Die Me 110 waren schneller als die Me 109 der Schweizer, aber die deutschen Maschinen waren dafür schwerfälliger. Die Provokation wirkte. Nach kurzer Zeit erschienen fünf Schweizer Doppelpatrouillen über dem Jura und näherten sich den kreisenden deutschen Maschinen. Die meisten Schweizer Flugzeuge waren von einem Feldflugplatz bei Biel gestartet. Die Piloten waren aufgebracht, weil am Morgen ein unbewaffnetes Beobachtungsflugzeug von einem deutschen Flieger abgeschossen worden war. Der Schweizer Pilot hatte dabei sein Leben verloren.


Die Taktik der Deutschen war klar: Auf drei Ebenen hoch über dem Jura drehten die deutschen Maschinen ihre Runden. Sobald sich ein Schweizer Flugzeug näherte, löste sich eine Me 110 aus dem Kreisflug, um als Lockvogel die Schweizer Maschine in den Kreis der deutschen Maschinen zu lotsen. Dann stiess von oben eine Me 110 auf den Schweizer herunter, um ihn abzuschiessen. Doch die deutsche Taktik schlug fehl. Die Schweizer flogen zwar in den Kreis hinein und feuerten dabei konzentriert auf die deutschen Maschinen. Doch gewarnt vom zweiten Flugzeug der Doppelpatrouille, ging die Schweizer Me 109 rechtzeitig in den Sturzflug, um dem Angreifer von oben zu entkommen. Beim Sturzflug führten die Schweizer mehrere Rollen aus. Diesem Manöver konnten die schweren Me 110 nicht folgen, sodass die Schweizer Maschinen entkamen. Dann stiegen die Schweizer Maschinen wieder in grosse Höhen und griffen erneut an.


Immer wieder griffen die Schweizer zu zweit an und verfolgten die schwerfälligen Me 110 auf einer ihrer Kreisbahnen. Dann stiessen sie mit ihren wendigen Me109 in die Tiefe und flogen einen Looping. Diese Aktionen wiederholten sich mehrmals. Das Ganze dürfte etwa eine halbe Stunde gedauert haben. Am Ende büsste die deutsche Luftwaffe drei Maschinen ein und musste die Strafaktion erfolglos abbrechen. Andere Me 110 wiesen schwere Schäden auf. Alle zehn Schweizer Me 110 konnten zu ihren Feldflugplätzen zurückkehren. Die Maschinen hatten oft mehrere Einschüsse im Rumpf, aber sie blieben flugtüchtig. Ein Schweizer Pilot hatte viel Glück. Im Kampf wurde er in der Lunge und am Oberschenkel schwer getroffen. Er verlor viel Blut. Mit knapper Not gelang es ihm, seine Maschine über einen Wald zu steuern und auf einem Feldflugplatz zu landen. Dann verlor er das Bewusstsein. Er wurde sofort ins Spital gebracht und gerettet.


Eine der schwer beschädigten deutschen Me 110 ging auf Schweizer Gebiet nieder. Bundesrat und Armeeführung waren über diesen Sieg der Luftwaffe im Jura alles andere als erfreut. Man fürchtete den Zorn Görings, der diese Blamage als Vorwand für einen Angriff auf die Schweiz nehmen konnte. Aber Hitler hatte offenbar andere Pläne für die Schweiz. Unser Land war für ihn wichtiger als Waffenlieferant und als Garant für eine sichere Eisenbahnverbindung nach Italien. Der Bundesrat ordnete eine strenge Pressezensur an. Kein Journalist erfuhr etwas von den siegreichen Luftkämpfen im Jura. Der General verlegte die modernen Flugstaffeln ins Landesinnere und verzichtete teilweise auf den Neutralitätsschutz im Mittelland. Damit wollte man die Deutschen beruhigen.


Am 25. Juli 1940 bestellt General Guisan alle höheren Offiziere der Schweizer Armee zu einem Rapport auf das historische Rütli. Dort verkündet er seine neue Verteidigungsstrategie. Die Schweizer Armee wird sich in den Alpenraum zurückziehen und diesen unter Nutzung des günstigen Geländes unter allen Umständen verteidigen. Der Strategiewechsel von der Armeestellung zum Réduit ist heute nicht unumstritten. Man hätte das ganze Schweizer Mittelland mit dem Grossteil der Schweizer Bevölkerung den Deutschen preisgegeben. Mit dem heutigen Wissen über den Terror der deutschen SS in besetzten Gebieten, erscheint Guisans Strategie riskant. Doch aus damaliger Sicht war Guisans Entscheidung wohl alternativlos, um die Schweizer Unabhängigkeit bewahren zu können. Die Strategie des hohen Eintrittspreises mit gleichzeitigem Angebot für offene Bahnverbindungen durch die Alpen ging auf. Die Deutschen scheuten davor zurück, einen Angriff auf die Schweiz auszuführen.


Guisan hatte nach der Kapitulation Frankreichs einen inneren Kampf ausgefochten. Für ihn war klar, dass es unmöglich war, mit den schwachen Kräften der Schweizer Armee das ganze Land zu verteidigen. Er entschloss sich zu einer neuen, kühnen Strategie. Diese wollte er den hohen Offizieren an einem historischen Ort bekanntgeben: Auf dem Rütli.


Für den 25. Juli 1940 bot der General 485 hohe Offiziere nach Luzern auf. Das Ziel für den Ort des Generalrapports war absolut geheim. Die Offiziere bestiegen den Dampfer „Stadt Luzern“ und waren gespannt, wohin die Fahrt ging. Die Versammlung so vieler hoher Offiziere auf einem Dampfer war ein erhebliches Risiko. Zwei Polizisten hatten das Schiff zuvor auf Bomben durchsucht und während der Überfahrt kreisten zwei Me 109 über dem Vierwaldstättersee.


Es gibt nur wenige Bilder vom Rütli-Rapport des Generals. In seiner frei gehaltenen Rede an historischer Stätte erinnerte der General an den Ursprung der Schweiz und den Freiheitswillen unserer Vorfahren. Dann gab der General den Offizieren seinen spektakulären Plan bekannt. Die Armee werde sich in den Alpenraum zurückziehen und diesen bis aufs Letzte verteidigen. Dafür würde das Mittelland mit den grossen Städten und der Industrie dem Angreifer preisgegeben. Das Bild rechts ist eine farbige Zeichnung aufgrund einer Fotografie.


Es gibt nur wenige Bilder vom Rütli-Rapport des Generals. In seiner frei gehaltenen Rede an historischer Stätte erinnerte der General an den Ursprung der Schweiz und den Freiheitswillen unserer Vorfahren. Dann gab der General den Offizieren seinen spektakulären Plan bekannt. Die Armee werde sich in den Alpenraum zurückziehen und diesen bis aufs Letzte verteidigen. Dafür würde das Mittelland mit den grossen Städten und der Industrie dem Angreifer preisgegeben. Das Bild rechts ist eine farbige Zeichnung aufgrund einer Fotografie.


Der Alpenraum wird durch die drei Festungen Saint Maurice im Wallis, Gotthard im Zentrum und Sargans im Osten gesichert. Guisan glaubt daran, so über längere Zeit eine Rundumverteidigung durchhalten zu können. Für Operationen deutscher Panzerverbände ist der Alpenraum völlig ungeeignet. Das erhöht die Chancen der Schweizer Armee. Die Alpenbahnen sieht Guisan als Trumpf in unseren Händen.


Schon auf der Rückfahrt nach Luzern spürt Guisan die Zustimmung für seinen Plan. Vielleicht raucht er auf dem Bild gar eine Zigarette, was er vor der Öffentlichkeit sonst möglichst vermied. Die Öffentlichkeit und die Armee sollte an den Bundesfeiern des 1. August über den Reduit-Plan ins Bild gesetzt werden. Réduit: se réduire bedeutet reduzieren oder verkleinern.


Wichtiges Symbol für die Stärke des Réduits war die Gotthardfestung. Die Festung war erst teilweise ausgebaut, aber sie bot bereits einen guten Schutz. Die Bekanntgabe des Réduits-Plans wurde von der Bevölkerung als Zeichen aufgefasst, dass der General und die Armee den Widerstand nicht aufgaben. Der Preis für das Reduit war allerdings sehr hoch. Der grösste Teil der Schweizer Bevölkerung würde bei einem Angriff der Deutschen den Nazis wehrlos ausgesetzt. Aber das Réduit war die einzige Chance, um einen Teil unserer Unabhängigkeit bewahren zu können. Auf dem Bild sind ein Munitionsaufzug, ein Schlafkantonnement und ein grösserer Raum innerhalb der Festung zu sehen.


Die Gotthard- und die Simplonlinie waren ein Pfand in unserer Hand. Solange die Deutschen uns in Ruhe liessen, waren wir bereit, Waffentransporte nach Italien über die beiden Linien zuzulassen. Das war für die Deutschen von grosser Bedeutung. Bei einem Angriff auf unser Land wären die beiden Eisenbahnstrecken durch unsere eigenen Truppen vollständig zerstört und unbenützbar gemacht worden. Das wussten die Deutschen.


Im Laufe der Kriegsjahre wurden die Festungen immer mehr ausgebaut und mit modernen Kanonen versehen. Schon Ende 1942 war das Réduit so stark, dass es die Deutschen nur unter hohen Verlusten hätten einnehmen können. Guisan und der Bundesrat rechneten deshalb mit einer Strategie des hohen Eintrittspreises, welche die Deutschen von einem Angriff abhalten würde. Daneben spielte aber auch die Bereitschaft unseres Landes, Deutschland Rüstungsgüter zu liefern, eine grosse Rolle.


Ab Sommer 1940 begann der Bezug des Réduits. Viele Truppen machten sich zu Fuss auf den Weg, da die Armee Benzin sparen musste und nicht über genug Fahrzeuge verfügte. Wie man auf den Bildern sieht, ist ein Teil der Ausrüstung im Jahr 1940 ziemlich veraltet.


Nur ein Teil der Soldaten hielt sich in den Festungen auf. Es war nicht einfach, bis zu 400 000 Mann im Alpenraum einzuquartieren. In eisigen Wintern behalfen sich die Soldaten auch mit einem Schneebiwak, um die Nächte unbeschadet überstehen zu können.


Der unterirdische Raum ist das geheime Bundesratszimmer irgendwo in einer Alpenfestung. Der achte Stuhl ist für den Bundeskanzler reserviert, der an den Sitzungen das Protokoll führte. Von hier aus hätte die Landesregierung im Ernstfall die Regierungsgeschäfte weitergeführt. Eine einfache grosse Schulwandkarte der Schweiz dient den Bundesräten als geografische Orientierung und wohl auch als Wandschmuck.


Frauen waren als Fahrerinnen, bei der Fliegerbeobachtung, als Sanitätspersonal und in Telefonzentralen häufig im Einsatz. Die meisten Frauen verrichteten doppelte Arbeit zuhause, wenn die Männer im Aktivdienst waren. Dies galt ganz besonders für die Bäuerinnen.


Zum Glück für unser Land wandte sich Hitler ganz dem Vorhaben zu, England zu erobern. Die Schweiz interessierte ihn wenig. Von August bis Oktober 1940 flogen Tag und Nacht deutsche Bomberflotten Richtung England und richteten schwere Schäden an. Aber die Verluste der Luftwaffe waren so hoch, dass Hitler die Invasion Englands abbrechen musste. Der starke Mann des britischen Widerstands war Premierminister Winston Churchill.


Hätte England aufgegeben, wäre unser Schicksal besiegelt gewesen. Vom erfolgreichen Kampf der Briten gegen Nazi-Deutschland hing für uns sehr viel ab. Churchill gelang es, auch die Opposition für den Kampf gegen Hitler zu überzeugen. So ist direkt neben ihm in der ersten Reihe auch der Labourführer Clement Attlee zu sehen. Er war Mitglied des britischen Kriegskabinetts. Diese Geschlossenheit der Briten im Kampf gegen Deutschland war nötig, um gegen den zu Land übermächtigen Gegner bestehen zu können. Sie vertrauten auf ihre Seestreitkräfte und die Royal Air Force, welche eine Invasion der Insel rechtzeitig abwehren sollten. Dennoch war die Lage für die Briten zeitweise kritisch, als deutsche Unterseeboote den Nachschub aus den britischen Kolonien und aus den USA durch die Versenkung unzähliger Transportschiffe schwer beeinträchtigten.


Die Briten wollten trotz der nächtlichen Bombardements ihr Leben so normal wie möglich führen. Um vor den Bomben sicher zu sein, schliefen manche Engländer in einer Station der Londoner Untergrundbahn. Trotz anfänglicher Erfolge gelang es der Luftwaffe von Hermann Göring nicht, die Royal Air Force wirklich zu besiegen. Um die Verluste bei den Heinkel-Bombern und den begleitenden Jagdflugzeugen zu reduzieren, verlegten sich die Deutschen schliesslich auf Nachtangriffe. Die Briten hatten ihre Luftabwehr hervorragend organisiert. Geschulte Beobachterinnen und Beobachter in ganz England meldeten die Positionen der anfliegenden feindlichen Bomber an eine regionale Einsatzzentrale. Dort wurden die Meldungen auf einer grossen Übersichtskarte visualisiert und danach die Einsatzbefehle an die Jagdstaffeln naher Flugplätze übermittelt. Auf diese Weise waren die britischen Jäger meist zur Stelle, um die deutschen Bomberverbände im richtigen Moment abfangen zu können. In den Luftkämpfen erwiesen sich die britischen Piloten als äusserst mutig und effektiv. Sie schossen deutlich mehr Flugzeuge als ihre Gegner ab. Die Karikatur zeigt den verärgerten Hitler, der mit Luftmarschall Göring hart ins Gericht geht.


Trotz ständiger Fliegerangriffe ging das Leben in London weiter seinen Gang. Die Briten waren nicht zu erschüttern. Hitlers Zorn über den Widerstandswillen der Briten war so gross, dass er verkündete, er werde die englischen Städte „ausradieren“. So zerstörte die deutsche Luftwaffe in mehreren Terrorangriffen die Industriestadt Coventry. Diese Terrorangriffe gegen die Zivilbevölkerung sollten sich später für Deutschland rächen. Die Alliierten zerstörten die deutschen Städte ab 1943 ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.


Im August 1940 hatte die Operationsabteilung der Wehrmacht (Generalstab) einen Angriffsplan gegen die Schweiz ausgearbeitet. Unter dem Decknamen „Tannenbaum“ hätte die Wehrmacht mit 20 Divisionen von der Westgrenze durch den nur schwach befestigten Jura ins Mittelland vorstossen und dieses besetzen sollen. Die Italiener wären für die Besetzung des Tessins und des Kantons Graubünden verantwortlich gewesen. Ziel der Operation Tannenbaum war es, die Schweizer Armee zu überrumpeln und den Truppen den Rückzug ins Réduit zu verunmöglichen (Das Reduit war im August 1940 grösstenteils noch nicht von der Armee bezogen worden). Für den schnellen Vorstoss sollten im Raum Solothurn und in der Linthebene auch Fallschirmjäger eingesetzt werden. Die Operation wurde unter anderem abgesagt, weil Hitler fast alle Kräfte für eine Invasion Grossbritanniens zur Verfügung haben wollte. Die Truppen übten an der französischen Kanalküste bereits das Erstürmen der Kreidefelsen. Zudem war den Deutschen eine intakte Schweiz nützlicher als gesprengte Bahnlinien und zerstörte Industrieanlagen.


Deutsche Fallschirmjäger waren bei ihren Einsätzen in Holland, Belgien und Norwegen sehr erfolgreich gewesen. Sie landeten an Fallschirmen oder in Lastenseglern bei Dunkelheit. So war es ihnen gelungen, das modernste Fort Europas, die Festung Eben Emael in Belgien, durch einen Überraschungscoup einzunehmen. Erst nach der verlustreichen Invasion Kretas 1941 verloren sie ihre militärische Bedeutung. Die Fallschirmjäger waren mit einer Maschinenpistole ausgerüstet. Auf dem Bild sind die Transportmaschinen für die Fallschirmjäger zu sehen. Es sind dreimotorige JU 52, die in ganz Europa in grosser Zahl im Einsatz waren. Diese Fallschirmjäger wären bei einem Angriff auf die Schweiz zum Einsatz gekommen. Ihre Aufgabe wäre es gewesen, wichtige Brücken über die grossen Flüsse zu sichern, damit unsere Armee sie nicht sprengen konnte. Zu recht traf General Guisan schon bald Vorbereitungen, um Brücken und Flugplätze vor Luftlandetruppen zu schützen. Diese Objekte wurden nun Tag und Nacht streng bewacht.

Die Armee verstärkte ab 1940 den Ausbau der bestehenden Festungen im Alpenraum. Ab 1941 wurden auch der Bau neuer Festungsanlagen an den verschiedenen Zugängen zum Alpenraum in Angriff genommen. Die vorliegenden Bilder zeigen die neue Réduit-Festung „Waldbrand“ im Felsen des Niederhorns auf der rechten Seite des Thunersees. Diese Festung war für fahrbare Geschütze mit Zugmaschinen konzipiert. Deshalb sind der Festungseingang und die Hauptverbindungen zwischen den Geschützstellungen so breit, dass die Kanonen innerhalb der Anlage verschoben werden konnten. In der Festung waren Stellungen für acht moderne 10.5cm Artilleriegeschütze vorhanden. Der Hauptstollen der Festung ist 400m lang. Dieselmotoren für den Notstrom, Frischluftgebläse zur Entfernung der giftigen Munitionsgase, einen Trinkwassertank mit 100 000 Liter Wasser, eine Festungsküche, eine unterirdische Kantine und vieles mehr gehörten zu dieser Festung, die mehrere Wochen lang in einem Kampf autark sein musste. Die breite Treppe ist ein unterirdischer Verbindungsweg zum einem 90m höher gelegenen zweiten Festungswerk. Links und rechts des Thunersee wurden mehrere Festungswerke gebaut. Diese hatten den Auftrag, den Eingang in den Alpenraum bei Thun mit schwerem Geschützfeuer zu sperren. Die Festung „Waldbrand“ war ab 1942 kriegsbereit, wurde aber danach noch weiter ausgebaut.


Der gemeinsame Aufruf von Armeeführung und Bundesrat stammt zwar aus dem Jahr 1942. Er passt aber zum wiedererwachten Widerstandswillen, der nach der Bekanntgabe des Réduit-Konzepts in den führenden Kreisen unseres Landes vorhanden war. Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus einem neun Punkte umfassenden Weisungsplakat für die Bevölkerung im Fall eines deutschen Angriffs. Die Sätze im Aufruf sind aus heutiger Sicht ziemlich drastisch formuliert. Es ist ein Klartext, der zeigen soll, dass die Armeeführung und die Schweizer Regierung zum Kampf entschlossen sind. – In Punkt sieben (oben nicht aufgeführt) heisst es: „Die Bevölkerung hat grundsätzlich an Ort und Stelle zu verbleiben. Anderslautende Weisungen sind falsch.“ Dieser Punkt weist indirekt auf die höchst problematische Situation hin, dass im Fall eines deutschen Angriffs das Mittelland in die Hand unserer Feinde fallen würde. Diese Situation wäre zweifellos mit viel brutaler Repression der Nazis gegenüber unserer Zivilbevölkerung verbunden gewesen. Mit dem Réduit-Konzept hätte die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung einen hohen Preis bezahlen müssen, falls es tatsächlich zum Kampf gegen die Achsenmächte gekommen wäre. Doch der manifestierte Schweizer Widerstandwillen verfehlte offensichtlich seine Wirkung nicht. Um die ab 1942 starke Schweizer Igelverteidigung zu durchbrechen, hätten die Achsenmächte hohe Verluste in Kauf nehmen müssen und wichtige wirtschaftliche Vorteile verspielt. Die Rechnung mit dem Réduit-Konzept ist für uns aufgegangen. Aber wir müssen es eingestehen: Es hätte für unsere Bevölkerung auch furchtbar enden können. Dass wir verschont blieben, war auch ein gnädiges Schicksal.


Tipp

Nr. 1: Das Schweizer Wirtschaftswunder. Aufschwung in den 1950er-Jahren. 96 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.

Nr. 2: Die Erfolgsgeschichte der Gotthardbahn. Vom Gotthardtunnel von 1882 bis zum Basistunnel 2016. 99 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.

Nr. 3: Soziale Frage in der Schweiz. Im 19. und 20. Jahrhundert. 89 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.

Nr. 4: Start der modernen Schweiz – politisch, wirtschaftlich, technisch. Im 19. Jahrhundert. 103 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.

Nr. 5: Ein Höhenflug mit abruptem Fall. Aufregende 1920er-Jahre und schwierige 1930er-Jahre. 154 Charts mit Erläuterungen. Und 24 Thesen.

Nr. 6: Zum Widerstand entschlossen. Die bedrohte Schweiz in den Kriegsjahren 1939 und 1940. 117 Charts mit Erläuterungen. Und 24 Thesen.

Weiteres demnächst.


Kurzporträt Hanspeter Amstutz
Ehemaliger Sekundarlehrer mit langjähriger Berufserfahrung. Mitgestalter in der Zürcher Schulpolitik als Kantons- und Bildungsrat. Aktuell tätig als Referent zu historischen Themen, in der Lehrerfortbildung im Bereich Geschichte sowie als Autor für zwei Schulblogs. Kontakt: famamstutz@bluewin.ch

Ein grosses Anliegen von Hanspeter Amstutz ist es, Meilensteine unserer Schweizer Geschichte in Vorträgen lebendig werden zu lassen. Anfragen für öffentliche Präsentationen nimmt er über seine Mailadresse entgegen.


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