Firmeninhaber, CEO … wo stehen Schweizer Berufsweltmeister ein Jahr nach dem Titelgewinn?

Alle haben sie eines gemeinsam. Alle gewannen sie bei den Berufsweltmeisterschaften «WordSkills» 2024 in Lyon einen Weltmeistertitel: Michael Bieri bei den Zimmerleuten, Philippe Dourassov in Cyber Security, Cedric Lang bei den Landmaschinenmechanikern, Michael Ryter bei den Gipser-Trockenbauern und Carmen Többen in der Disziplin Hotel Reception.

Weltmeister werden ist die eine Herausforderung, Berufsweltmeister sein die etwas andere. Wie erleben dies die jungen Champions, und wo stehen sie persönlich und beruflich ein Jahr nach der Goldmedaille? 2025 ist allen wiederum eines gemeinsam: Zielgerichtet arbeiten sie an ihrer Weiterentwicklung. Unterschiedlich sind die Wege.

SICHTWEISENSCHWEIZ.CH hat bei den Weltmeistern ein Jahr nach dem Titelgewinn nachgefragt. Lesen Sie das Interview mit dem Waadtländer Cyber Security-Weltmeister Philippe Dourassov und die Porträts weiterer Weltmeister mit deren Erfahrungen und Erkenntnissen.



Interview mit Philippe Dourassov, Schweizer Berufsweltmeister in Cyber Security

Weltmeister im Zweierteam: Philippe Dourassov (links) mit Edward Booth


Seit einem Jahr sind Sie Weltmeister in Cyber Security: Wie gehen Sie mit dem Weltmeistertitel um – beruflich und persönlich?

Philipp Dourassov: «Dieser Titel hat mir viele Türen geöffnet und ein wichtiges Netzwerk für meine berufliche Laufbahn ermöglicht. Am wichtigsten ist mir jedoch die berufliche Arbeit, die mich zu dieser Medaille geführt hat. Dieser Titel erinnert mich jeden Tag daran, dass mit genügend Anstrengung und Beharrlichkeit nichts unmöglich ist.»

«In der Cybersicherheit ist es wichtig, eine gute Integrität zu bewahren, da das Wissen sowohl für Gutes als auch für Schlechtes verwendet werden kann.»

Philippe Dourassov, Berufsweltmeister 2024, CEO Haicker 2025
Weltmeister werden ist schwer, Weltmeister sein noch schwerer. Wie sehen Sie das als Weltmeister?

«Als Weltmeister erhalte ich viel Aufmerksamkeit. Es ist mir wichtig, die Werte zu vermitteln, die mich bis hierhergebracht haben und die es künftig anderen ermöglichen werden, ihre Ziele zu erreichen. Es ist wichtig, an die zukünftige Generation junger Talente zu denken und ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie für ihren Aufstieg benötigen. In der Cybersicherheit ist es wichtig, eine gute Integrität zu bewahren, da das Wissen, das man erhält, sowohl für Gutes als auch für Schlechtes verwendet werden kann. Ich denke, Neugier ist eine Stärke, aber man muss sie kontrollieren können und die Privatsphäre und Geheimnisse respektieren. So können wir der Gesellschaft wirklich helfen und zur Sicherheit der Schweiz beitragen. Und ich denke, dass es meine Pflicht ist, diese Werte so vielen Menschen wie möglich zu vermitteln.»

An den WorldSkills misst sich die Weltklasse mit Spitzenleistungen. Sie traten als Zweierteam zusammen mit Edward Booth an. Was hat in Ihrem Wettkampf den entscheidenden Unterschied zwischen Gold und Silber, zwischen WM-Titel und «zweitem Sieger» ausgemacht?

«Ich denke, dass alle Teilnehmer gut waren und gut trainiert haben, aber ich glaube, dass das Duo, das Edward und ich bildeten, einzigartig war. Wir kannten uns schon vor unserer Auswahl und unsere Freundschaft, unser Zusammenhalt, unser Vertrauen und unser Wissen übereinander ermöglichten es uns, über die blosse Zusammenarbeit hinauszugehen und während des Wettbewerbs eine gewisse Symbiose zu erreichen. Wir ergänzten uns sehr gut in unseren Rollen, kommunizierten sehr gut über unsere Strategien und konnten uns gegenseitig leicht bei unseren jeweiligen Aufgaben helfen. Ich denke, unsere Teamarbeit war das, was uns zum Sieg verholfen hat.»

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

«Der Grund, warum es diesen Wettbewerb gibt, ist, dass die Computersicherheit ein Problem ist, das noch nicht gelöst ist. Deshalb möchte ich noch einen Schritt weiter gehen und ein Programm bauen, das Webanwendungen schützen kann. So ähnlich wie ein Antivirusprogramm, nur für Webseiten. Das ist ein ehrgeiziges Projekt, aber ich denke, wenn das beste Team zusammenstellt, ist es möglich.» Philippe Dourassov führt 2025 das Unternehmen Haicker als CEO.

SICHTWEISENSCHWEIZ.CH dankt Philippe Dourassov für das Interview.


In der Folge werden weitere junge Berufsweltmeister mit ihren Kernaussagen ein Jahr nach ihrem Titelgewinn porträtiert.


Weltmeister bei den Zimmerleuten: Michael Bieri
Michael Bieri: 2024 Weltmeister, 2025 Ambassador, Rekrutenschule und dann Weiterbildung in der Vorarbeiterschule

Statements 2025 von Michael Bieri, Santschi Holzbau, Uetendorf BE

«Beruflich: Im Betrieb habe ich die Möglichkeit, anspruchsvollere Arbeiten auszuführen und mehr Verantwortung zu übernehmen. Persönlich: Ich bin unter anderem als Ambassador tätig und durfte mit meiner Erfahrung die angehenden SwissSkills-Kandidaten im Vorbereitungskurs (Schiften) unterstützen.»

«Weltmeister werden ist schwer, es braucht viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Als Weltmeister ist dann die Schwierigkeit, den Anforderungen gerecht zu werden, da ich trotz Weltmeistertitel noch viel lernen muss.»

«Der Unterschied im Wettkampf um den Weltmeistertitel lag klar in der Präzision, Training, Freude und Leidenschaft. Massgebend waren auch die Zeiteinteilung und die mentale Stärke.»

«Der nächste Schritt ist die RS, danach werde ich mich weiterbilden, also die Vorarbeiterschule starten.»


Weltmeister bei den Landmaschinenmechanikern: Cedric Lang
Cedric Lang: 2024 Weltmeister, 2025 Ambassador, ETH-Student Maschinenbau, Firmeninhaber

Statements 2025 von Cedric Lang, Firmeninhaber Longus Crafts GmbH

«Für mich persönlich waren die WorldSkills eine riesige Erfahrung. Der Sieg bestätigt mich darin, den richtigen Weg in meinem Leben eingeschlagen zu haben. Durch die WorldSkills konnte ich ein grosses Netzwerk mit hervorragenden Kontakten aufbauen. Nicht nur der Weltmeistertitel an sich, sondern vor allem die Erfahrungen, Eindrücke und das Gelernte eröffnen mir im Alltag und Studium viele Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen.»

«Für die WorldSkills habe ich mich ein halbes Jahr lang intensiv vorbereitet und trainiert. Diese Zeit war anstrengend, aber vor allem sehr lehrreich – sowohl fachlich als auch mental. Nach dem Sieg zurück in den Alltag zu finden, fiel mir persönlich nicht schwer, da ich direkt im Anschluss ein Maschinenbaustudium an der ETH Zürich begonnen habe. Da jeder Teilnehmer nur einmal an den WorldSkills teilnehmen kann, muss ich nicht als Titelverteidiger antreten, sondern kann nun Kandidaten für die nächsten Wettkämpfe trainieren, was mir viel Freude bereitet. Ein gewisser Druck bzw. eine gewisse Leistungserwartung ist dennoch spürbar vom Umfeld, womit ich persönlich aber gut umgehen kann. Für mich war die Vorbereitung und das Training also schwieriger, als jetzt Weltmeister zu sein.»

«Da ich die Bewertungen meiner Mitstreiter nicht einsehen konnte, weiss ich nicht genau, wo die Punktedifferenz entstand. Daher ist es schwierig, diese Kleinigkeiten zu nennen. Ein zentraler Punkt war wahrscheinlich meine mentale Einstellung, um im Wettkampf meine maximale Leistung abzurufen und in fordernden Situationen einen klaren Kopf zu bewahren. In einem solchen Wettkampf kommt es genau auf diese Situationen an, um das «Bisschen» besser zu sein. Natürlich kommt es auch auf etwas Glück an, dass einem die gestellten Aufgaben liegen.»

«Momentan studiere ich Maschinenbau an der ETH Zürich. Nach meinem Studium möchte ich an zukunftsorientierten Projekten mitarbeiten, um das Gelernte aus meiner Lehre und meinem Studium anzuwenden. Des Weiteren habe ich vor einem Jahr meine eigene Firma (Longus Crafts GmbH) gegründet, die ich weiter ausbauen möchte. Mein Ziel ist es, immer Neues zu lernen und mich mit Themen zu beschäftigen, die mich interessieren.»


Weltmeister bei den Gipser-Trockenbauern: Michael Ryter
Michael Ryter: 2024 Weltmeister, 2025 Start mit der Vorarbeiterschule

Statements 2025 von Michael Ryter, Franz Reinhardt AG, Grüt und Uster ZH

«Bei der Arbeit werde ich zwischendurch auf den Titel angesprochen. Ebenfalls steht nun auf den Autos meines Arbeitgebers: Wir bilden auch Weltmeister aus. Das führt zusätzlich dazu, dass mal jemand nachfragt, was es damit auf sich hat. Von diesem einmaligen Erlebnis erzähle ich gerne. Persönlich war es ein unvergessliches Erlebnis, auf welches ich gerne zurückblicke.»

«Es ist korrekt, dass es schwer ist, Weltmeister zu werden. Ich habe mir allerdings nicht zu hohe Ziele für den Wettkampf gesetzt, obwohl es natürlich für jeden Teilnehmenden ein Traum ist, zu gewinnen. Als ich dann Weltmeister war, brauchte ich einen Moment, dies zu begreifen. Es zu sein ist aber nicht schwer, man muss es auch einfach in Ruhe geniessen können.»

«Der Unterschied zwischen dem Podium und den anderen Platzierungen ist aus meiner Sicht, dass ich als Schweizer sehr genau gearbeitet habe. Da ich auch selbstkritisch bin, hatte ich, nachdem mir kleine Fehler unterlaufen sind, nicht mehr mit dem Sieg gerechnet und mich deshalb auf die Teilnahme als Ziel fokussiert. Bei der Teilnahme an diesem Wettkampf war es mir auch sehr wichtig, als Schweizer meinen Berufsstolz zu vertreten. Ebenfalls ist es sehr wichtig, mental stark zu sein, um den Wettkampf fokussiert und konzentriert zu bestreiten.»

«Im August 2025 beginne ich die Vorarbeiterschule.»


Weltmeisterin in der Disziplin Hotel Reception: Carmen Többen
Carmen Többen: 2024 Weltmeisterin, 2025 Reisen, Sprachaufenthalt, Start Hotelfachschule

Statements 2025 von Carmen Többen, Hotelfachschule Luzern SHL

«Ich freue mich immer noch sehr darüber. Am Anfang war etwas Chaos mit Interviews, verschiedenen Apéros und einem grossen Foto-Plakat der UBS beim Paradeplatz in Zürich. Dies hat sich aber dann ziemlich schnell gelegt. Ende Januar 2025 habe ich meine Position als Front Office Supervisor im Baur au Lac in Zürich gekündigt und bin während drei Monaten durch Asien gereist. Momentan mache ich einen Sprachaufenthalt in Frankreich. Ich freue mich, nun auch etwas Zeit für anderes zu haben. Daher war der Weltmeistertitel in den letzten Monaten nicht mehr so ein grosses Thema für mich. Sobald ich zurück im Hotellerie-Alltag bin, werden die Berufswettbewerbe sicherlich wieder öfters Thema sein.»

«Beruflich haben mir die Wettbewerbe ein unglaubliches internationales Netzwerk in meiner Branche gegeben, auf welches ich immer zurückgreifen kann. Während meiner Reise durch Asien habe ich die Teilnehmer von Hong Kong und Singapur besucht. Ich freue mich sehr, dass aus meinen «Gegnern» gute Freunde geworden sind.»

«Ja, der Weltmeistertitel bringt auch Erwartungen mit sich. «Ah, sie ist Weltmeisterin, sie muss das ja wissen/sie muss das ja können». Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst und hatte bereits gewisse Momente, wo ich Druck verspürt habe, diesem Titel gerecht werden zu müssen. Auf der anderen Seite macht mich der Titel natürlich auch stolz und gibt mir Selbstvertrauen. Ich weiss, wie viel Arbeit und Zeit ich hineingesteckt habe.»

«Mein Coach, Egidio Marcato, sagte immer, ich sei keine Sprinterin, sondern eine Marathonläuferin. Ich habe Ausdauer und kann lange konzentriert bleiben. Bei einem Wettkampf, der vier Tage dauert ist dies natürlich enorm hilfreich. Und ganz wichtig ist auch, dass man Spass daran hat und es geniessen kann. Das spiegelt sich in der Arbeit wider und die Juroren merken es auch.»

«Ende Sommer 2025 werde ich mit der Hotelfachschule in Luzern (SHL) starten. Diese dauert drei Jahre. Gerne würde ich auch Arbeitserfahrung im Ausland sammeln. Konkrete Pläne für danach habe ich noch nicht, aber ich bin offen für alles, was kommt.»


SICHTWEISENSCHWEIZ.CH dankt den Champions Michael Bieri (Zimmerleute), Cedric Lang (Landmaschinenmechaniker), Michael Ryter (Gipser-Trockenbauer) und Carmen Többen (Hotel Reception) für ihre Statements – und ihr vorbildliches Engagement zugunsten der dualen Berufsbildung in der Schweiz. SwissSkills gebührt Dank für die umsichtige Koordination der Interviews mit den Champions.


Kurzporträt SwissSkills
SwissSkills fördert die Durchführung und Weiterentwicklung von Berufsmeisterschaften in der Schweiz und ermöglicht jungen Berufsleuten die Teilnahme an internationalen Berufsmeisterschaften (WorldSkills, EuroSkills). SwissSkills zielt auf die Exzellenz der Berufsausübung, ermöglicht insbesondere Jugendlichen das vielfältige Erleben von Berufen und hilft das Image der Berufslehre in der Schweiz zu fördern und deren Ansehen zu stärken.


Die nächsten Berufsweltmeisterschaften finden 2026 in Shanghai und 2028 in Japan statt. 2029 kommen die Europameisterschaften nach Genf. Vom 17. bis 21. September 2025 finden die SwissSkills in Bern statt.

Bildnachweis: Alle Fotos © SwissSkills / Stefan Wermuth

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