Swiss History-Charts by Hanspeter Amstutz

Mit Hanspeter Amstutz wird Geschichte lebendig – ob Sie nun zügig von Chart zu Chart surfen oder bei einigen oder gar allen 102 Charts die Texte zur Erläuterung und Vertiefung lesen. Sie entscheiden. Beides ist möglich. Beides bringt Ihnen die Schweiz in den Kriegsjahren von 1941 bis 1945 als Insel in der Brandung näher.


Warm-up: 12 Thesen zur Schweiz 1941-1945 als Insel in der Brandung

Was bringen Erkenntnisse zur Schweizer Geschichte, wenn sie zwar gelesen, jedoch nicht mit anderen Menschen geteilt und ausgetauscht, diskutiert und debattiert werden? Die 12 Thesen regen das Gespräch in der Familie, mit Freunden, in der Firma an. Wo sind Sie dagegen, wo dafür? Mit welchen Analysen und Argumenten?

  1. Hitlers Nichtangriffspakt mit Stalin war ein verlogener und hinterlistiger Vertrag.
  2. Die deutsche Wehrmacht hat die Widerstandskraft der Roten Armee falsch eingeschätzt.
  3. Die Schweiz verhielt sich während des Krieges völlig neutral.
  4. Wir hatten keine Ahnung von den grauenhaften Judenverfolgungen in den von den deutschen besetzten Ländern.
  5. Das Boot war nicht voll, wie der Bundesrat in seiner Flüchtlingspolitik behauptete.
  6. Ab 1942 war das Réduit so gut ausgebaut, dass der Eintrittspreis für eine Eroberung der Schweiz durch die Wehrmacht zu hoch wurde.
  7. Beschädigte alliierte Bomber landeten in grosser Zahl in Dübendorf.
  8. Die Schweiz blieb zum Glück vor Fliegerangriffen verschont.
  9. Wenige Wochen nach der erfolgreichen Landung der Alliierten in der Normandie gaben die Deutschen den Kampf auf.
  10. Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Krieges. Aber die  amerikanischen Kriegsmateriallieferungen an die Russen trugen einiges zur Wende an der Ostfront bei.
  11. Wir haben es einzig der Stärke der Schweizer Armee zu verdanken, dass unser Land von den Achsenmächten nicht angegriffen wurde.
  12. Hitler starb 1945 den Heldentod, während seine verbrecherischen Regierungsmitglieder ungeschoren davonkamen.


In den Kriegsjahren 1941 und 1942 dehnen die Achsenmächte ihren Einflussbereich gewaltig aus. Europa steht mit Ausnahme von Grossbritannien und den neutralen Staaten völlig unter der Kontrolle von Deutschland und Italien. Die Wehrmacht ist tief in die Sowjetunion eingedrungen. Entsprechend sind die meisten deutschen Divisionen an der Ostfront im Einsatz. Auch in Nordafrika sind die deutschen Truppen bis zum Herbst 1942 auf dem Vormarsch. Sie werden erst auf ägyptischem Boden in der Schlacht von El Alamein anfangs November 1942 entscheidend geschlagen. In vielen besetzten Gebieten üben die Nazis ein Terrorregime aus. Sie verfolgen ihre Feinde mit aller Härte und beginnen, die jüdische Bevölkerung in einem beispiellosen Völkermord systematisch umzubringen. Die Schweizer Presse berichtet ausführlich über die militärischen Ereignisse von allen Fronten. Doch das eidgenössische Presseamt sorgt mit einer mässig strengen Zensur dafür, dass die Achsenmächte in den Berichten nie in einem ungünstigen Licht dastehen.


Hitler glaubte an einen Blitzsieg gegen die Rote Armee. Seine Panzerdivisionen würden schon bald Moskau und Leningrad erreichen. Er glaubte, dem gigantischen Aufmarsch an Truppen und modernem Kriegsmaterial könne die Sowjetunion nicht lange widerstehen. Doch je weiter die Wehrmacht gegen Osten vorstiess, desto zäher wurde der russische Widerstand. Es gelang den Russen, einen Teil ihrer Waffenfabriken rechtzeitig in den sicheren Teil der Sowjetunion östlich von Moskau zu verlegen. Die sowjetische Waffenproduktion ging weiter und das Arsenal an neu ausgehobenen Truppen schien unerschöpflich zu sein. Die eroberten Gebiete der Sowjetunion waren für die Wehrmacht viel zu weitläufig. Als sich der erhoffte Zusammenbruch der Roten Armee nicht rechtzeitig einstellte, gerieten die Deutschen in grosse Schwierigkeiten. Für die Schweiz brachte der deutsche Angriff auf die Sowjetunion eine gewisse Entspannung. Solange die meisten Truppen der Wehrmacht weit weg in Russland kämpften, bestand keine sehr grosse Gefahr für unser Land. – Stalingrad heisst heute Wolgograd, Leningrad heisst heute Sankt Petersburg.


Im Dezember 1941 standen die Deutschen vor Moskau. Doch der Widerstand der Roten Armee verhärtete sich. Stalin blieb in seiner Hauptstadt und setzte alles daran, die Deutschen zu stoppen. Im extrem kalten Winter 1941/42 gelang es der Roten Armee, Moskau zu halten und in einem Gegenangriff die Deutschen im Mittelteil der Front zurückzuwerfen. Die Deutschen konnten zwar die Front stabilisieren, indem sie trotz ungenügender Winterausrüstung ihre Stellungen hielten. Um die deutschen Truppen mit der dringend benötigten Winterausrüstung auszustatten, wurden in Deutschland überall Pelzmäntel und andere Winterartikel gesammelt. Wer ein warmes Kleidungsstück entbehren konnte, brachte es zu einer Sammelstelle.


Die Bilder links zeigen, warum der deutsche Vorstoss ins Stocken geriet. Die Rote Armee verteidigte Moskau mit Erfolg. Auf dem oberen Bild links sieht man schwere Fliegerabwehrkanonen, welche die deutschen Bomber bei ihren Angriffen auf Moskau bekämpften. Nach der Winterkälte folgte im Frühjahr die russische Schlammperiode. Die nicht asphaltierten Verbindungswege waren für Fahrzeuge kaum passierbar. Sie blieben oft im Schlamm stecken. Die Deutschen mussten für ihre geplanten Vorstösse bis zum Frühsommer warten. Hitler verlegte nach der Niederlage vor Moskau den Angriffsschwerpunkt der Wehrmacht in den Süden der Sowjetunion. Die deutschen Panzer stiessen im Sommer 1942 bis weit in das Gebiet des Kaukasus vor und erreichten in einem Nebenangriff die Stadt Stalingrad (heute Wolgograd). Strategisches Ziel waren die Erdölfelder am Kaspischen Meer.


Die deutsche Wehrmacht schien bis Ende 1941 niemand aufhalten zu können. Nacheinander wurden Polen, Frankreich, Holland, Belgien, Dänemark, Norwegen, Jugoslawien, Griechenland und Libyen erobert. Zuerst machte die Wehrmacht auch ungeheure Geländegewinne beim Feldzug gegen die Sowjetunion. Doch die Russen gaben nicht auf und leisteten zähen Widerstand. Im extrem kalten Winter 1941/42 gelang es der Roten Armee, Moskau zu halten und in einem Gegenangriff die Deutschen im Mittelteil der Front zurückzuwerfen. Die Deutschen konnten zwar die Front stabilisieren, indem sie trotz ungenügender Winterausrüstung ihre Stellungen hielten. Im Sommer 1942 griffen die Deutschen im Süden der Sowjetunion wieder an und stiessen bis in den Kaukasus und bis Stalingrad vor. Das strategische Ziel war die Eroberung der Ölfelder am Kaspischen Meer. In Nordafrika gelang es den Deutschen unter General Rommel die Engländer bis nach Ägypten zurückzudrängen. Das grosse Ziel war die deutsche Kontrolle über Ägypten mit dem wichtigen Suezkanal.


Der Einsatz deutscher Truppen in Nordafrika ging eigentlich auf das Versagen der italienischen Armee in Libyen im Jahr 1941 zurück. Als den Italienern eine totale Niederlage gegen die aus Ägypten vorrückenden Engländern drohte, bat Mussolini Hitler um Hilfe. Der Diktator entsprach dem Ansinnen Mussolinis und schickte das deutsche Afrikakorps unter Führung von Panzergeneral Rommel nach Libyen. Das brachte die Wende. Rommel ergriff sofort die Initiative und stiess mit seinen Panzern der libyschen Küste entlang Richtung Ägypten vor. Nach einigen Rückschlägen gelang es dem „Wüstenfuchs“ Rommel, die starke englische Festung Tobruk einzunehmen und viele Engländer gefangen zu nehmen. Nach diesen Erfolgen träumten Hitler und Mussolini von der Eroberung des Suezkanals in Ägypten. Doch die Engländer errichteten eine starke Abwehrstellung westlich von Alexandria und bereiteten sich gründlich auf die erwartete Schlacht vor.


Im Herbst 1942 erreichen die Achsenmächte die grösste Ausdehnung ihres Herrschaftsgebiets. Sie beherrschen den europäischen Kontinent und kämpfen erfolgreich in Nordafrika. Wer sollte sie da noch aufhalten? Doch das Kräfteverhältnis zwischen den Achsenmächten und den Alliierten beginnt sich allmählich zu verschieben. Nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour am 6.Dezember 1941 sind auch die USA in den Krieg eingetreten. Der europäische Krieg ist zu einem Weltkrieg geworden, in welchem die Amerikaner eine entscheidende Rolle spielen werden. Ende 1942 scheitern die Deutschen an ihren überrissenen militärischen Zielen. In Stalingrad sitzt die 6. Armee in der Falle und in El Alamein stoppen die Engländer den deutschen Vormarsch. Die Achsenmächte sind nun nicht mehr imstande, neue grosse Initiativen zu ergreifen. Nach der deutschen Besetzung von Restfrankreich (Hauptstadt Vichy) im November 1942 ist die Schweiz restlos von den feindlichen Achsenmächten eingeschlossen. Ab 1943 ist das Schweizer Réduit aber bereits so gut ausgebaut, dass eine Eroberung der Schweiz nur unter hohen Verlusten möglich gewesen wäre.


In den eroberten Gebieten zeigte das Naziregime seine ganze Brutalität. Gefangene Partisanen (Freiheitskämpfer im eroberten Hinterland) wurden sofort erschossen. Auch gefangen genommene Kommunistenführer erlitten das gleiche Schicksal. Hitler wollte die Sowjetunion unterjochen. Das riesige Land sollte keine weltpolitische Rolle mehr spielen. Deshalb erliess er die Weisung, dass in den eroberten Gebieten Russlands die führenden politischen Kräfte umgebracht werden sollten. Zuständig für die Ausführung dieser Hinrichtungen waren vor allem Mitglieder der SS. Diese Organisation bestand aus fanatischen Anhängern Hitlers. SS-Mitglieder fühlten sich als die neuen Herrenmenschen in Europa (Arier) und waren überzeugt, dass Juden und Russen einer minderwertigen Rasse angehörten. Obwohl die meisten Kriegsverbrechen von SS-Mitgliedern begangen wurden, kam es immer wieder vor, dass auch Soldaten der Wehrmacht Erschiessungen von Gefangenen ausführen mussten.


In den eroberten Gebieten beginnen die Deutschen die Juden systematisch zu verfolgen und sperren sie in städtische Judenviertel (Gettos) ein. Auf den Bildern sieht man, wie Juden aus einem Getto von SS-Soldaten zusammengetrieben und dann am Bahnhof in Güterwagen verladen werden. Der Bub im Vordergrund hat als grosse Ausnahme die Verfolgung überlebt.


Das grösste Verbrechen des Nazi-Regimes war der beispiellos brutale Völkermord an den europäischen Juden. Der perfekt organisierte Massenmord an sechs Millionen Menschen ist das schrecklichste Verbrechen im Verlauf der langen europäischen Geschichte. Das riesige Vernichtungslager Auschwitz Birkenau befand sich im besetzten Polen. Rund 1.3 Millionen Juden aus ganz Osteuropa wurden in dieses KZ transportiert und umgebracht. Bei ihrer Ankunft wurden die Gefangenen nach ihrem Gesundheitszustand in zwei Gruppen sortiert. Wer kräftig genug war, musste zuerst Zwangsarbeit leisten, bevor er ein paar Monate später in die Gaskammer kam. Schwächere Personen wurden gleich bei ihrer Ankunft in den Todestrakt geschickt und ermordet.


Seit Mitte 1939 wurden die Schweizer Zeitungen durch eine spezielle Zensurbehörde des Bundesrats kontrolliert. Das galt auch für die Satirezeitschrift „Nebelspalter“. Die Zensurbehörde agierte in der Regel zurückhaltend. Sie mahnte Redaktoren, wenn sie ein Ereignis nicht „neutral“ kommentiert hatten. Im Extremfall konnte es aber vorkommen, dass eine Zeitungsausgabe beschlagnahmt wurde, wenn die politischen Richtlinien des Bundesrats nicht eingehalten worden waren. Der Bundesrat und die Armeeführung wollten so vermeiden, dass deutschfeindliche Äusserungen unserer Presse Hitler zu einem Angriff auf die Schweiz provozierten. Die Redaktion des Nebelspalters aber wusste sich zu helfen. Mit anschaulichen Zeichnungen und feinen Kommentaren machte sie auf vieles aufmerksam, das man offen nicht sagen durfte. Das grüne Titelblatt zeigt einen Schweizer Redaktor beim Morgenturnen. Das rote Titelblatt hält die ungemütliche Situation der Schweiz im Jahr 1942 fest. Die Redaktion macht zudem darauf aufmerksam, dass zwei Seiten entfernt werden mussten! Meister dieser Satireform war Chefredaktor Carl Böckli, kurz genannt Bö.


Der sanfte Druck des eidgenössischen Presseamts hatte zweifellos Auswirkungen auf die Berichte in den Zeitungen. Die Redaktoren formulierten vorsichtiger und wägten ab, welche Worte dem Presseamt missfallen könnten. Im Allgemeinen gelang es aber vielen Zeitungen, dank geschickter Wortwahl relativ objektiv über die Weltereignisse zu berichten. Man veröffentlichte keine reisserischen Texte und vermied es, die Achsenmächte direkt zu kritisieren. Dennoch waren einzelne Artikel in den Schweizer Zeitungen immer wieder ein Grund für die deutsche Regierung, unser Land scharf zu rügen. Besonders Albert Oeri, Chefredaktor der Basler Nachrichten, und der NZZ-Chefredaktor Willy Bretscher aus Zürich zogen mit ihren mutigen Beiträgen den Zorn des deutschen Propagandaministeriums auf sich. Im Plakat rechts wird die Bevölkerung aufgefordert, in der Öffentlichkeit nicht über militärische Fragen zu diskutieren. Die zahlreichen Spione, die in unserem Land lebten, sollten keine militärische Geheimnisse erfahren.


Es gab kaum eine Radiostation in den von Deutschland besetzten europäischen Gebieten, die einigermassen objektiv über das Kriegsgeschehen berichtete. Umso erstaunlicher war es, dass der Landessender Beromünster (heute Schweizer Radio) über Kurz- und Mittelwelle mit einer wöchentlichen Informationssendung („Weltchronik“) eine zuverlässige Darstellung des Kriegsgeschehens vermittelte. Jeden Freitagabend berichtete Professor Jean Rodolphe von Salis eine Viertelstunde lang über die Ereignisse auf den europäischen Kriegsschauplätzen. Von Salis verstand es, in sachlicher Weise das Kriegsgeschehen so zusammenzufassen, dass selbst unsere Zensur nicht eingriff. Die Nachrichten aus der Schweiz wurden in den besetzten Gebieten von den Widerstandskämpfern als verlässliche Quelle erachtet. Man wusste, dass von Salis im Gegensatz zu den deutschen Propagandasendern die militärische Lage richtig darstellte. So war es im Frühjahr 1944 klar, dass die Invasion in Frankreich unmittelbar bevorstand. Das Bild rechts zeigt den rund 200 m hohen Sendeturm des Mittelwellensenders Beromünster im Kanton Luzern. Von Beromünster aus wurde die Weltchronik weltweit verbreitet.


Die Schweizer Filmwochenschau wurde 1940 vom Bundesrat als Gegengewicht zur starken Propaganda aus Nazi-Deutschland geschaffen. In kurzen Filmbeiträgen sollte unsere Bevölkerung über wichtige politische und kulturelle Ereignisse in einer Schweizer Sichtweise informiert werden. Die Filmwochenschau war Teil der Geistigen Landesverteidigung. Die Kinobetreiber waren während des Weltkriegs verpflichtet, die Kurzfilme der Wochenschau als Vorspann zu den langen Kinofilmen zu zeigen. Die Kurzfilme waren professionell gestaltet und trugen in den Kriegsjahren dazu bei, einen Schweizer Standpunkt in vielen wichtigen Fragen zu finden. Die Filmwochenschau wurde bis 1975 weitergeführt. Doch mit dem Aufkommen des Fernsehens verloren die nicht mehr zeitgemässen Kurzfilme ihre Bedeutung. Die vielen neuen Fernsehsender sorgten für eine breite Information und eine grössere Meinungsvielfalt.


Die Schweizer Landwirtschaft ist aufgrund ihrer beschränkten nutzbaren Anbaufläche nicht imstande, unsere Bevölkerung ausreichend mit Getreide zu versorgen. Wir sind deshalb auf Getreideimporte aus verschiedenen Ländern angewiesen. Nach der Einschliessung der Schweiz im Jahr 1940 waren der Import von Getreide und Rohstoffen sehr stark eingeschränkt. Für den Bundesrat war es klar, dass einschneidende Massnahmen nötig waren, um das Überleben unserer Bevölkerung zu sichern. Mit dem Plan von Professor Wahlen zur Vergrösserung der Anbaufläche und den gut organisierten Rationierungsmassnahmen gelang es, die Grundversorgung unserer Bevölkerung zu sichern.


Die Schweiz versuchte, ihre Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren und sich möglichst selbst zu versorgen. Vor dem Krieg wurde viel Getreide aus Übersee eingeführt. Rund die Hälfte aller Nahrungsmittel und Nahrungsrohstoffe bezog unser Land 1939 aus dem Ausland. Nach dem Plan des ETH-Agronomen Traugott Wahlen (späterer Bundesrat) sollte jeder Quadratmeter Boden für den Anbau landwirtschaftlicher Produkte genutzt werden. Waldflächen wurden gerodet, Fussballplätze umgepflügt und Sumpfland trockengelegt, um die Anbaufläche zu vergrössern. So wurde mitten in der Stadt Zürich beim Bellevue Getreide angepflanzt.


Der schöne Fussballrasen wird umgepflügt und für den Kartoffelanbau vorbereitet. Dennoch ruhte der Fussballbetrieb nicht ganz, da einige Fussballpätze verschont blieben.


Die Aufforderung unserer Behörden, möglichst jede Ecke des Landes für den Anbau von Getreide oder Gemüse zu nützen, fand überall Gehör. Auf ungenutzten Abstellflächen, auf schmalen Flächen zwischen Bahngleisen oder auf steinigen Böden wurden Kartoffeln und Gemüse angepflanzt. Kinder sammelten Beeren und Nüsse im Wald und brachten sie als willkommene kleine Ergänzung des beschränkten Nahrungsangebots nach Hause.


Diese Buben helfen in ihrer Freizeit den Bauern bei der Ernte. Es gilt, alle Kartoffeln in den Kartoffelsack zu legen und keine auf dem Acker liegen zu lassen. Nach jeder Ernte ist es üblich, das Feld nach nicht aufgelesenen Kartoffeln abzusuchen. Das Bild rechts oben zeigt den Sechseläutenplatz vor dem Opernhaus in Zürich. Auch hier werden abwechslungsweise Kartoffeln oder Getreide angepflanzt.


Die Schweiz war stark abhängig von Getreideeinfuhren aus den USA und aus Kanada. Diese Einfuhr ging nach 1942 (Ende von Vichy-Frankreich) stark zurück. Die Steigerung des Anbaus von Getreide und Kartoffeln in den Kriegsjahren war eindrücklich. Dank der Vergrösserung der Felder für den Kartoffelanbau gelang es, das Ziel der Selbstversorgung mit Kartoffeln zu erreichen. Brot war während des Krieges streng rationiert. Um die Brotmenge zu vergrössern, wurden dem Brotteig oft noch Kartoffeln beigemischt.


Für die gerechte Verteilung der Nahrungsmittel wurden monatlich Lebensmittelkarten an die Bevölkerung abgegeben. Wer ein Produkt kaufen wollte, musste zum Kaufbetrag hinzu noch Coupons abgeben. Das System funktionierte recht gut.


Das Plakat von Hans Erni von 1939 fordert zum Bebauen und Bepflanzen von Gärten und Feldern auf. Unsere Bevölkerung litt aber nicht unter Hunger, da die Kartoffeln nie rationiert waren. Pommes frites hingegen gab es selten, da Fett nur beschränkt erhältlich war. Die meisten Nahrungsmittel und viele andere Produkte (z. B. Schuhe) waren nur mit Lebensmittelmarken erhältlich. Wer ein Kilogramm Reis kaufen wollte, musste zwei Coupons zu 500 Gramm an der Kasse abgeben und das Produkt bezahlen. Ohne Coupons erhielt man nichts. Einige Coupons sind noch rechts auf der braunen Lebensmittelkarte zu sehen. Mit dem System der Rationierungsmarken (Coupons) wurde gewährleistet, dass alle genug zu essen hatten und keiner hamstern konnte.


In der Schweiz gab es vor dem Zweiten Weltkrieg noch viele grosse Rietflächen. Diese waren für die Natur zwar wertvoll, für die Landwirtschaft aber wenig ertragreich. Der Plan Wahlen sah vor, grosse Teile der Rietflächen trockenzulegen. Dafür musste zuerst gesorgt werden, dass das Wasser aus den Rietflächen abfliessen konnte. Bäche wurden vertieft und begradigt, unzählige Entwässerungskanäle ausgehoben und Tausende von Tonröhren in den Boden verlegt. Für diese Arbeiten wurden oft internierte Soldaten eingesetzt. So halfen polnische Internierte, die grösste Rietfläche im Kanton Zürich zwischen Gossau und Mönchaltorf trockenzulegen. Das Bild zeigt die Vertiefung des Aabachs bei Mönchaltorf mit zwei Baggern. Diese und andere Baumaschinen wurden aber meist nur bei Grossprojekten eingesetzt. Die meisten Arbeiten wurden aufwändig von Hand mit Schaufel und Pickel ausgeführt. Für den Materialtransport baute man oft kleine Feldbahnen, die Aushubmaterial in Kippwagen wegführten.


Als Ersatz für Kohle wurden oft getrocknete Torfbriketts verwendet. Diese wurden in Rietgebieten aus dem Torf herausgestochen und anschliessend getrocknet. Der Brennwert der Torfbriketts war aber deutlich schlechter als bei der Kohle. Das Bild zeigt Frauen beim Torfstechen im Grossen Moos im Kanton Bern. Bei der Energiegewinnung spielte Holz während des Krieges eine wichtige Rolle. Dieser Rohstoff war bei uns zum Glück in grosser Menge vorhanden. Sogar Dampflokomotiven wurden zeitweise mit Holz geheizt. An manchen Orten entstanden aus den Torfgruben später kleine Weiher. Heute sind diese
meist wertvolle Biotope.


Da die meisten Männer im besten Alter längere Zeit im Aktivdienst waren, mussten die Frauen in vielen Arbeitsbereichen in die Lücke springen. Bauernfrauen pflügten mit Pferdegespannen die Felder und organisierten das Leben auf ihrem Hof. Unterstützt wurden sie oft von den Grosseltern und den Nachbarn. Frauen trugen während des Krieges eine grosse Arbeitslast. So übernahmen sie in Wäschereien das Waschen der Uniformen der Soldaten.


Ohne die stillen Helferinnen hätten wir die Kriegsjahre nicht unbeschadet überstanden. In den Nähstuben der Armee arbeiteten Tausende von Frauen zu einem bescheidenen Lohn. Das Bild strahlt eine Ruhe aus, wir sie heute in dieser Art kaum noch kennen. Es gab keine Hintergrundmusik und kein Handygespräch unterbrach die stille Arbeit der Frauen.


Alle helfen mit, damit die Bevölkerung genug zu essen hat. Die Anbauschlacht nach dem Plan Wahlen setzte voraus, dass jeder freie Flecken Erde für den Anbau von Gemüse oder Getreide vorbereitet wurde. Teilweise wurde auch Wald gerodet, um die Anbaufläche zu vergrössern. Traktoren zum Pflügen gab es nur wenige. Der Ackerbau wurde meist mit Hilfe von Pferden ausgeführt. Das Plakat links ist ein Aufruf an die Jugend in der Romandie, den Bauern bei den Erntearbeiten zu helfen. Die Landwirtschaft war erst teilweise mechanisiert. Das bedeutete, dass viele Arbeiten auf Wiesen und Feldern in aufwändiger Handarbeit ausgeführt werden mussten.


Das staatliche Programm der Anbauschlacht war auch ein Teil der Geistigen Landesverteidigung. Es stärkte die Moral der Bevölkerung, dass man gemeinsam die bestehenden Schwierigkeiten meisten werde. Wichtig war es, auch der städtischen Bevölkerung vor Augen zu führen, wofür man in der ganzen Schweiz kämpfte. Der Aufruf auf dem Siebnertram am Paradeplatz zeigt sehr schön, dass man dafür jedes Werbemittel nutzte.


Metall war während des ganzen Kriegs Mangelware. Das wenige Eisenerz vom Gonzen bei Sargans reichte nicht weit und Eisen aus dem Ruhrgebiet war nur schwer erhältlich. Aus diesem Grund fanden immer wieder Metallsammlungen statt. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, nicht mehr verwendete Metallgegenstände an einer Sammelstelle abzugeben. Das Metall wurde als Schrott in den Eisengiessereien eingeschmolzen. Daneben wurde darauf geachtet, dass Eisen sparsam verwendet wurde. So waren die Masten der 1944 elektrifizierten Bahnlinie von Effretikon nach Hinwil aus Holz.


Schon im Mittelalter wurde am Gonzen bei Sargans Eisenerz abgebaut und in unserem Land verarbeitet. Die Erzlager im Gonzen haben eine Mächtigkeit von 0.5m bis 2.2m und bestehen in erster Linie aus Roteisenstein. Dieser enthält gut 50-60 % Eisen. Die gesamten Erzvorräte werden auf 5.5 Millionen Tonnen geschätzt. Davon sind bis zur Einstellung des Bergwerkbetriebs im Jahr 1966 knapp die Hälfte abgebaut worden. Während des Weltkriegs wurde der Abbau stark forciert. 380 Bergarbeiter förderten 1942 118 000 Tonnen Eisenerz. Nach dem Krieg sank die geförderte Erzmenge wieder auf 18 000 Tonnen pro Jahr. Für unsere Industrie reichte das geförderte Erz vom Gonzen bei weitem nicht. Aber wir waren froh, dass wir wenigstens einen Teil unseres
Eisenbedarfs so decken konnten.


Das Bergwerk im Gonzen ob Sargans (Kanton St. Gallen) weist noch heute eine eindrückliche Infrastruktur auf. Es gibt rund 90 km Stollen und grössere Tunnels mit vielen Transportgleisen. Das Bergwerk ist heute ein Museum und kann besichtigt werden. 1966 war die Erzförderung im Gonzen nicht mehr konkurrenzfähig, sodass der Betrieb eingestellt werden musste.


Die Mobilität war stark eingeschränkt. Auf dem Betriebsnetz der SBB gab es einen ausgedünnten Kriegsfahrplan. Damit Kohle gespart werden konnte, fuhren auf dampfbetriebenen Nebenbahnlinien nur wenige Züge. Nur selten waren Autos auf den Strassen anzutreffen, da das Benzin streng rationiert war. Unternehmer behalfen sich mit Holzvergasern, die seitlich oder hinten am Heck eines Fahrzeugs montiert waren. Mit dem durch das spezielle Verbrennen von Holz entstandene Gas wurden die Motoren angetrieben.


Nur wenige Privatpersonen besassen vor dem Krieg bereits ein Auto. Doch es gab einige Gewerbetreibende, die über einen Lieferwagen oder einen Lastwagen verfügten. Die Fahrer mussten allerdings sehr sparsam mit dem wenigen Benzin umgehen, das ihnen zur Verfügung stand. Wer keinen Holzvergaser hatte, war in einer schwierigen Lage. Auf dem Bild rechts sieht man einen Lieferwagen, dem offenbar das Benzin ausgegangen ist. Durch den Benzinmangel kam die Pferdekraft wieder zu Ehren. Pferde zogen Pflüge, transportierten Güter zum Bahnhof oder arbeiteten im Wald. Die Bilder links zeigen Pferde, die gefällte Baumstämme über den Waldboden ziehen. Diese Arbeit nennt man „Holzrücken“.


Die wirtschaftliche Abhängigkeit unseres Landes von den Achsenmächten bleibt ein umstrittenes Kapitel unserer Landesgeschichte. Wie waren auf Deutschland und Italien angewiesen, um Rohstoffe zu erhalten. Dafür hatten wir den Achsenmächten hochwertige Industrieprodukte zu liefern. Darunter waren auch Rüstungsgüter für die Wehrmacht. Ab Ende 1942 war die Schweiz von den Achsenmächten vollständig eingekreist, sodass wir uns mit ihnen im wirtschaftlichen Bereich arrangieren mussten. Die kleine Lücke am Genfersee zum vorher unbesetzten Vichy-Frankreich war definitiv geschlossen worden. Die Schweiz erhielt von den Achsenmächten Eisen, Kohle und etwas Getreide. Als Gegenleistung lieferten wir den Nachbarn Präzisionsinstrumente für den militärischen Bereich sowie leistungsfähige Fliegerabwehrgeschütze. Die Flabkanonen von Bührle Oerlikon waren begehrt und selbst auf japanischen Kriegsschiffen vorzufinden. Die Schweizer Rüstungsindustrie stellte die Lieferung ihrer Produkte an die Achsenmächte erst ein, als die Alliierten Frankreich schon weitgehend befreit hatten.


Bis 1942 gab es die Möglichkeit, über das unbesetzte Frankreich bescheidene Lieferungen aus dem Hafen von Marseille zu erhalten. Einmal pro Woche kam ein Güterzug aus Marseille, der bescheidene Menge lebenswichtiger Güter mitführte, in Genf an. Nach der Besetzung von Restfrankreich durch die Deutschen fiel dieser Zug aus.


1938 waren die Importe aus Übersee noch leicht höher als die Einfuhren aus Deutschland. Ab 1941 übersteigen die Importe aus Deutschland die Einfuhren aus Übersee deutlich. Dazu kommen die bis 1943 stets etwa gleich hohen Importe aus Italien (fein punktiert). Wir sind in den Kriegsjahren stark von den Achsenmächten abhängig. Die Einfuhren aus neutralen Staaten sind in Grafik grob punktiert dargestellt. Dennoch kann man aus der Grafik auch ablesen, dass wir fast während des ganzen Kriegs dank unserer Schweizer Hochseeflotte Güter aus den USA und anderen Ländern in Übersee einführen konnten. Die Entwicklung des Handels mit Grossbritannien spiegelt das Kriegsgeschehen. Es ist ab Mitte 1940 kaum noch möglich, Güter aus England einzuführen. 1945 bricht der Handel mit Deutschand fast völlig zusammen. Wir beziehen nun die meisten Güter aus Übersee.


Die Bilanz der Exporte zeigt, das wir fast während des ganzen Kriegs viele Güter nach Deutschland lieferten. Darunter waren Waffen und Präzisionsinstrumente. Die Ausfuhr von Gütern nach England ist ab Mitte 1940 kaum noch möglich. Der Export von Gütern in die USA bleibt relativ konstant hoch und verdoppelt sich 1945. Für den Transport der Güter nach Übersee wurden 14 unter Schweizer Flagge fahrende Hochseeschiffe eingesetzt. Die Waren wurden in spanischen, portugiesischen sowie südfranzösischen Häfen ausgeladen und auf dem Landweg in die Schweiz transportiert. Eine Einfuhr von Waren aus den USA über Rotterdam mit Weitertransport auf dem Rhein war während des Kriegs nicht möglich.


Die Schweizer Flüchtlingspolitik in den Kriegsjahren ist ein eher unerfreuliches Kapitel unserer Geschichte. Wir haben zwar viele Verfolgte aufgenommen, doch wir hätten mehr tun können. Das Boot war 1942 nicht voll, wie Bundesrat von Steiger behauptet hatte. Immerhin weisen die Zahlen zu den aufgenommenen Flüchtlingen darauf hin, dass nicht alles schief gelaufen ist. Auch die mutige Rettungstat des Schweizer Gesandten Carl Lutz in Budapest zugunsten verfolgter Juden darf hervorgehoben werden.


Deutsche Juden hatten keine gewöhnlichen Pässe. Sie erhielten den „Judenpass“ mit einem grossen J, damit man sie an der Grenze sofort als Juden erkennen würde. Ab 1942 wurden die Judenverfolgungen in Deutschland und in den besetzten Gebieten immer brutaler. Juden wurden wie Vieh in Güterwagen verfrachtet und zu den Todeslagern transportiert. Manche starben schon während des Transports. Der Bundesrat war 1942 zweifellos im Bild, was den zurückgewiesenen jüdischen Flüchtlingen in den Konzentrationslagern blühte. Es gab bereits Berichte über die Todeslager im besetzten Polen und andernorts. Umso unverständlicher war die harte Asylpolitik unserer Regierung.


Im Sommer 1942 verfügte der Bundesrat völlig unnötig eine Verschärfung der Einreisebestimmungen. Viele Juden wurden damals an der Grenze zurückgewiesen. Familien mit Kindern wurden hingegen in unser Land hereingelassen. So kam es vor, dass kurz vor der Einreisekontrolle wildfremde Menschen versuchten, eine Familie zu bilden. Im eindrücklichen Spielfilm „Das Boot ist voll“ von Markus Imhof aus dem Jahre 1981 wird gezeigt, wie verzweifelt die Lage für die Flüchtlinge damals war. Matthias Gnädinger spielt dabei eine seiner besten Rollen. Das Boot Schweiz war überhaupt nicht voll, wie behauptet wurde.


Niemand musste bei uns Hunger leiden. Kartoffeln waren stets unbeschränkt in den Läden erhältlich. Heftige Proteste von mutigen Männern und Frauen führten dazu, dass der Bundesrat seine Einreisebestimmungen wieder etwas lockerte.


Kinder bis zum Alter von 14 Jahren wurden an der Grenze nicht zurückgewiesen und durften bei uns bleiben. Auch ganze Familien hatten ein Bleiberecht. Jüdische Familien in der Schweiz nahmen viele Flüchtlinge auf. Aber auch in der Schweizer Bevölkerung war vielerorts die Hilfsbereitschaft gross. 1942 wussten nur wenige in der Schweiz, was in Deutschland mit den Juden geschah. Unsere Presse unterstand der Zensur und durfte keine Berichte veröffentlichen, die Deutschland in ein ganz schlechtes Licht stellte. Erst allmählich sickerte durch, dass ein Völkermord im Gange war. Nicht zu entschuldigen ist aber die harte Haltung des Bundesrats im Jahr 1942.


An der Grenze entschied sich oft das Schicksal vieler Menschen. Wer bei uns aufgenommen wurde, hatte es geschafft. Die couragierte „Flüchtlingsmutter“ Gertrud Kurz organisierte eine private Flüchtlingshilfe. Sie sorgte für die Unterbringung von Flüchtlingen und setzte sich für die Aufnahme von schwer bedrohten Menschen aus unseren Nachbarländern ein. Täglich erhielt sie bis zu dreissig Briefe, in denen sie um Hilfe für Flüchtlinge gebeten wurde. In den Briefen erfuhr sie viel über das Schicksal der Verfolgten. Als der Bundesrat 1942 die Grenzen für Flüchtlinge eine Weile lang weitgehend schloss, suchte die Gertrud Kurz Bundesrat von Steiger auf. Sie schilderte dem Bundesrat die Schicksale der verfolgten Menschen und forderte eine Korrektur der Flüchtlingspolitik. Sie schaffte es mit ihrem Engagement, dass die strengen Bestimmungen wieder gelockert wurden. Gertrud Kurz ist grossartiges Beispiel, wie Menschen mit einem grossen Herzen und viel Mut auch in schweren Zeiten in der Politik etwas bewegen können.


Grenzkantone wie Schaffhausen und Thurgau waren mit dem Flüchtlingselend direkt konfrontiert. Wer es schaffte, bei einem Zollamt hereingelassen zu werden oder nachts über die grüne Grenze unser Land erreichte, war noch lange nicht sicher, dass er bei uns aufgenommen wurde. Erfüllten Flüchtlinge die Aufnahmekriterien nicht, mussten sie die Koffer wieder packen und unser Land verlassen.


In der Schweiz gab es Tausende von polnischen Soldaten, die 1940 beim Zusammenbruch Frankreichs in unser Land geflohen waren. Sie hatten in den Reihen der französischen Armee gekämpft und konnten sich nur durch eine Flucht in die Schweiz vor der Gefangennahme durch die Deutschen retten. Sie lebten meist in abgesonderten Barackensiedlungen auf dem Land. Tagsüber waren sie bei der Trockenlegung von Feuchtgebieten und in der Landwirtschaft im Einsatz. Sie waren keine Gefangenen, aber sie mussten sich an strenge Regeln halten.


Die Polen, die auf mühsamen Umwegen nach der Besetzung ihres Landes durch die Deutschen nach Frankreich und schliesslich in die Schweiz gelangt waren, konnten bei unserer Bevölkerung auf viel Sympathie zählen. Unsere Behörden wollten aber, dass die Beziehungen zwischen Polen und Schweizern begrenzt waren. Die polnischen Soldaten mussten deshalb ziemlich abgeschottet in Lagern leben. Vermutlich wollte man den Deutschen zeigen, dass man zu den Polen auf Distanz ging und ihren Freiheitswillen einschränkte. Die Polen mussten bei uns hart arbeiten und ihr Leben war militärisch streng organisiert. Aber sie waren keine Gefangenen, sondern Internierte. Trotz aller Abschottung verliebten sich einige polnische Soldaten in hübsche Schweizerinnen und blieben nach dem Krieg bei uns. Die andern durften 1945 in ihr Heimatland zurückkehren.


1944 kämpften Partisanen in Norditalien gegen die deutschen Besatzer und die Anhänger Mussolinis. Es kam zu heftigen Kämpfen zwischen den verfeindeten Parteien. Als die italienische Bevölkerung immer mehr zwischen die Fronten geriet, bot die Schweiz ihre Hilfe an. In der Zeit der Wirren in Norditalien erlaubte der Bundesrat die Aufnahme von Kindern aus den umkämpften Regionen. Die Kinder konnten mehrere Wochen oder Monate in der sicheren Schweiz verbringen.


Als 1944 die Nazis in Ungarn einmarschierten, war es mit der Sicherheit für die im Land lebenden Juden vorbei. Die jüdischen Organisationen und der Schweizer Gesandte in Budapest, Carl Lutz, hatten aber mit der neuen Situation gerechnet. Sie unternahmen alles, um möglichst vielen Juden vor dem Tod in einem Konzentrationslager zu retten. Carl Lutz nutzte seine guten Kontakte zu deutschen Stellen. Er hatte vor seiner Tätigkeit in Palästina verschiedenen deutschen Bürgern geholfen, als sie in Schwierigkeiten waren. Mit einem Trick gelang es ihm, Tausende von Schutzbriefen für die Auswanderung von Juden nach Palästina auszustellen. Er scheute sich nicht, sogar direkten Kontakt mit dem berüchtigten Naziführer Adolf Eichmann aufzunehmen. Die Nazis liessen es am Ende zu, dass einige Zehntausend Juden mit diesen Schutzbriefen Ungarn verlassen konnten. Der Bundesrat erachtete die Rettungsaktion von Carl Lutz als private Angelegenheit. Die Schweiz wollte sich nicht durch eine gewagte humanitäre Aktion exponieren. Die Angst vor einer scharfen deutschen Reaktion verhinderte eine offizielle Unterstützung für Carl Lutz. Nach dem Krieg wurde Carl Lutz vom jüdischen Staat geehrt. Er wurde auf die „Liste der Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen. Doch in Bern wurde seine erfolgreiche Rettungstat erst spät gewürdigt. Es war ein weiteres unerfreuliches Kapitel der offiziellen Schweizer Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg.


Der Zustrom der Flüchtlinge in die Schweiz hing von der politischen Entwicklung in Europa ab. Überall dort, wo die deutsche Wehrmacht einmarschiert war, begannen die Judenverfolgungen. Zuerst kamen Flüchtlinge aus Österreich, dann aus Belgien und Holland. Später baten Verfolgte aus Vichy-Frankreich, Norditalien und Ungarn in der Schweiz um Aufnahme. Von den grossen Judenverfolgungen ab 1939 in Polen und ab 1941 in der Sowjetunion war die Flüchtlingspolitik in der Schweiz kaum betroffen, da die Länder zu weit von uns entfernt waren. 1942 kam es zu einer Verschärfung der Rassengesetze in Deutschland. Wer einen jüdischen Elternteil hatte, galt als Jude. Damit war das Todesurteil für viele Menschen gesprochen.


Bis 1942 kamen relativ viele Flüchtlinge in die Schweiz. Einige blieben nur vorübergehend, wie beispielsweise Kinder aus Kriegsgebieten. Sie verbrachten ein paar Wochen Ferien zu ihrer Erholung in der Schweiz. Schon vor dem Krieg waren berühmte Schauspieler aus Deutschland in die Schweiz eingewandert, weil sie in Deutschland ein Berufsverbot bekommen hatten. Am Schauspielhaus in Zürich gastierten deutsche Künstlerinnen und Künstler wie beispielsweise Therese Giese.


Wir haben bis zum Ende des Krieges 115 000 Flüchtlinge definitiv in unserem Land aufgenommen. Das ist eine eindrückliche Zahl, und dennoch hätten wir noch gut Platz für die rund 20 000 abgewiesenen Menschen gehabt. Die Anzahl der Rückweisungen ist jedoch umstritten. Von 10 000 bis gar 100 000 Abgewiesenen ist in einigen Quellen die Rede. Die links unten aufgeführte Zahl von 300 000 Aufgenommenen enthält auch Flüchtlinge und Ferienkinder, die nur vorübergehend bei uns blieben.


Die Schweizer Satirezeitschrift „Nebelspalter“ kommentierte das Weltgeschehen und die Schweizer Politik stets sehr aufmerksam. Die Redaktion musste allerdings vorsichtig sein, da während des Kriegs eine Pressezensur bestand. Man wollte nicht riskieren, dass eine Ausgabe der Zeitschrift von den Zensurbehörden beschlagnahmt wurde. Die abgebildete Karikatur über die Schweizer Flüchtlingspolitik ist sehr zurückhaltend gestaltet. Doch sie zeigt, dass die harte Haltung des Bundesrats hinterfragt wurde.


Mit der Schlacht um Stalingrad verlor die Deutsche Wehrmacht definitiv den Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit. Von nun an waren es meist die sowjetischen Truppen, welche die Angriffshandlungen bestimmten. Mit der Landung der Amerikaner und Engländer in Italien standen die Achsenmächte auch im Süden Europas unter erheblichem Druck. Die Alliierten nützten nun italienische Flugplätze für ihre nächtlichen Bomberangriffe gegen süddeutsche Städte. Dabei flogen sie in grosser Höhe über die Schweiz und verletzten unseren Luftraum. Beschädigte alliierte Bomber, welche über Süddeutschland ihre Bomben abgeworfen hatten, landeten damals in grosser Zahl auf unseren Flugplätzen.


Ende 1942 kommt der deutsche Vormarsch in der Sowjetunion endgültig zum Stillstand. Auch in Nordafrika stoppen die Briten Rommels Panzer bei El Alamein (Ägypten). An Weihnachten 1942 haben die Russen eine ganze deutsche Armee in Stalingrad und Umgebung eingeschlossen. Hitler ordnet an, mit einem Gegenangriff die deutschen Truppen zu befreien. Eine Panzerdivision unter General Hoth soll von Süden her den Ring der Russen um Stalingrad aufsprengen und in die umkämpfte Stadt vorstossen. Dort sind 300 000 Mann unter General Paulus bei bitterer Kälte im breiten Kessel eingeschlossen. Göring verspricht, er werde die 6. Armee aus der Luft mit Munition und Lebensmitteln versorgen. Doch die Hilfeleistungen sind völlig ungenügend, da der harte russische Winter der Luftwaffe schwer zu schaffen macht.


Die Wehrmacht war im Sommer 1942 bis in die Nähe der Ölfelder am Kaspischen Meer vorgestossen. Doch es gelang nicht, das grosse strategische Ziel zu erreichen. Eine Gebirgsjägergruppe bestieg dafür den Kaukasus und errichtete auf dessen höchstem Punkt eine nutzlose Hakenkreuzflagge. Die Skizze zeigt den erfolgreichen Zangenangriff der Roten Armee um Stalingrad vom 19. November. Innert kurzer Zeit war die 6. Armee von General Paulus im Kessel von Stalingrad eingeschlossen. Einen Ausbruch der 6. Armee aus der Stadt lehnte Hitler ab. Vielmehr war er entschlossen, die Stadt vollständig zu erobern. Der wuchtige Gegenangriff von Panzergeneral Hoth sollte der Schlacht eine Wende geben. Doch der deutsche Entlastungsangriff scheiterte, weil die Russen am 21. Dezember weiter westlich einen zweiten grossen Angriff Richtung Schwarzes Meer auslösten. Dieser drohte, den ganzen Südflügel der Wehrmacht vom übrigen Heer abzuschneiden. Hoth musste seine Panzer nach Westen führen, um den zweiten russischen Angriff abzuwehren. Damit war das Schicksal der 6. Armee besiegelt.


Am 1. Februar 1943 kapitulieren die letzten deutschen Truppen der 300 000 Mann starken 6. Armee von General Paulus im Kessel von Stalingrad. Rund 100 000 Deutsche kommen in russische Gefangenschaft. Die meisten von ihnen überleben die Leiden der Gefangenschaft nicht. Nach 1945 können im Ganzen nur noch etwa 5000 Mann aus der 6. Armee in ihre Heimat zurückkehren. Mit dieser Niederlage ist der Mythos von der unbesiegbaren deutschen Wehrmacht widerlegt. Auch in der Schweiz nimmt man dies mit einem Aufatmen zur Kenntnis.


Nach der gescheiterten gewaltigen Panzerschlacht im Frontabschnitt bei Kursk 1943 bemühen sich die Deutschen verzweifelt, die Dampfwalze der Roten Armee abzuwehren. Aber die Übermacht ist zu gross, sodass sich die Russen 1944 der Reichsgrenze nähern. Stalin fordert von den Alliierten die Eröffnung einer zweiten Front gegen Deutschland. Alle warten gespannt auf die Invasion der Amerikaner und Engländer in Frankreich.


Nach der Befreiung von Süditalien durch die Amerikaner und Engländer stehen den Alliierten italienische Flugplätze für Angriffsaktionen zur Verfügung. Von Süditalien aus greifen ab 1943 alliierte Bomber Ziele in Süddeutschland an. Dabei überfliegen sie in grosser Höhe die Schweiz. Um tagsüber den Bombern zu zeigen, dass sie sich über Schweizer Gebiet befinden, werden auf viele Hausdächer und Fabriken grosse Schweizerkreuze gemalt.


Die Fliegerabwehr wurde im Verlauf der Kriegsjahre stark ausgebaut. Bei der Verletzung unseres Luftraums durch alliierte Bomber traten die Flabbatterien in Aktion. Dies war ein Teil unseres Neutralitätsschutzes. Es ist aber kein Geheimnis, dass die Kanoniere meist absichtlich daneben zielten, um die amerikanischen Bomber möglichst ungeschoren zu lassen. Die abgebildeten 20mm-Geschütze waren zudem nicht geeignet, um Bomber in grosser Höhe zu bekämpfen. Dazu brauchte es die schweren 7.5cm- Flabkanonen.


Die schwere Flab war für die Bekämpfung hoch fliegender Bomber vorgesehen. Die eidgenössische Militärkommission des Nationalrats ist mitverantwortlich bei der Beschaffung neuer Waffen. Sie prüft die Vorschläge aus dem Militärdepartement des Bundesrats und trifft mit ihren Empfehlungen Vorentscheide zugunsten von kostspieligen Beschaffungsaufträgen durch das Parlament. Die Mitglieder der Kommission wollen sich an Ort und Stelle über die Wirkung neuer Waffen informieren. Hier sind sie auf Besuch bei einer Flabbatterie. Diese technisch hochgerüsteten Einheiten verfügen über moderne Zielgeräte mit Telemetern und anderen optischen Instrumenten.


Die meisten Angriffe der alliierten Bomber erfolgten in der Nacht. Bei Dunkelheit war es für die deutsche Fliegerabwehr schwieriger, die Bomber abzuschiessen. Für die alliierten Bomber war es anspruchsvoll, nachts den Weg zu ihren Zielen in Deutschland zu finden. Die Deutschen übten einen gewissen Druck aus, dass die Schweiz ihre Städte verdunkelten. So konnten die US-Bomber sich nur noch schwer orientieren, wo sie sich genau befanden. Die beiden Bilder zeigen die Stadt Zürich mit und ohne Verdunkelungsmassnahmen anlässlich einer Übung. Bei der verdunkelten Stadt erkennt man nur noch die Gleise, die zum Hauptbahnhof führen und drei Flab-Scheinwerfer in Oerlikon. Die Flabscheinwerfer wurden eingesetzt, um die Bomber anzuleuchten und dann mit den Flabkanonen zu bekämpfen. Beim Verdunkeln wurden Läden geschlossen, Storen heruntergelassen oder lichtundurchlässige Vorhänge gezogen. Die Verdunkelung in Dörfern und Städten wurde durch die Polizei oder durch Beamte kontrolliert.


Zur Überwachung des Luftraums zählte man auf die Frauen des FHD (Frauenhilfsdienst). Sie wurden eingesetzt für die Fliegerbeobachtung im Gelände und von Terrassen aus. In den Telefonzentralen nahmen sie Meldungen über Flugbewegungen entgegen. In den Einsatzzentralen der Luftwaffe überbrachten sie Meldezettel und sorgten für eine optische Darstellung der Flugrouten auf einer übersichtlichen Karte.


Am 1. April 1944 näherte sich am helllichten Tag eine amerikanische Bomberstaffel von Stein am Rhein her der Stadt Schaffhausen. Offensichtlich verwechselte der Staffelführer die Stadt Schaffhausen mit einer deutschen Stadt (Angriffsziel war Tuttlingen). Die Bomber warfen ihre tödliche Last über der Altstadt und dem Bahnhofsgebiet von Schaffhausen ab. Kurz nach dem Angriff entschuldigte sich der amerikanische Aussenminister Cordell Hull für den tragischen Irrtum und noch während des Krieges leistete die amerikanische Regierung eine finanzielle Wiedergutmachung.


Die zuerst abgeworfenen Sprengbomben rissen die Häuser auf. Die nachfolgenden Brandbomben setzten sie danach in Brand. Die Wirkung war verheerend. 40 Menschen verloren ihr Leben, 270 Personen wurden teils schwer verletzt und 450 Menschen fanden ihre Wohnungen zerstört vor. Untersuchungen ergaben, dass viele amerikanische Piloten die auf vielen Hausdächern aufgemalten Schweizerkreuze gar nicht als Wappen erkannten. Dennoch ist es schwer verständlich, dass der Staffelführer der Bomberformation nicht über die Lage der Stadt Schaffhausen nördlich des Rheins im Bild war. Schweizer Städte und Dörfer wurden bei insgesamt 70 Bombenangriffen getroffen. Dazu zählen die Bombardements von Stein am Rhein, Rafz sowie Quartiere in Zürich und Basel.


Alliierte Bomber werden mit Zeichen aus dem Cockpit der Schweizer Me 109 zum Landen aufgefordert. Das Bild zeigt vor der Wolkendecke den Zürichsee und die Piste des Flugplatzes Dübendorf. Der vordere Liberator- Bomber B 24 ist von einem Flab-Treffer beschädigt worden (in Deutschland oder in der Schweiz). Er wird versuchen, in Dübendorf zu landen.


Nicht immer gelang es den meist zehnköpfigen Bomberbesatzungen, die Piste in Dübendorf noch rechtzeitig zu erreichen. Aus schwer beschädigten Maschinen sprangen die Besatzungsmitglieder mit dem Fallschirm ab. Oft liessen sie ihren Bomber – manchmal noch mit dem Autopiloten im Kreis fliegend – relativ gezielt abstürzen. Rund um Dübendorf gibt es viele Absturzstellen, die meist mit einem Gedenkstein markiert sind. Für die Bevölkerung war eine Notlandung ein besonderes Ereignis, das viele aufwühlte. Auf dem Bild wird eine B-17 bestaunt.


Gegen Ende des Krieges waren in Dübendorf unzählige Fliegende Festungen abgestellt. Der Standardtyp der US Air Force war die Boeing B-17. Diese Maschine hatte vier Neunzylinder Sternmotoren und erreichte eine maximale Geschwindigkeit von 485km/h. Ihre Reichweite betrug bei mittlerer Beladung knapp 3000 km und sie konnte bis auf eine Höhe von knapp 12 000m steigen. Den Namen „Fliegende Festung“ erhielt sich durch ihre Bewaffnung mit 13 Maschinengewehren.


In der Regel zählte eine Bomberbesatzung einer Fliegenden Festung zehn Besatzungsmitglieder (hier sind es nur neun). Das Ganze sieht amerikanisch-lässig aus. Die Wirklichkeit war aber weniger angenehm. Die Verluste bei Bombereinsätzen waren recht hoch. Die Männer wussten, was ihnen bei einem Nachtangriff über Deutschland blühen konnte. Nach ihrer Landung auf einem Schweizer Flugplatz wurden die Besatzungsmitglieder interniert. Meist wurden sie schon vor Kriegsende wieder den Alliierten übergeben.


Die Landung der Alliierten in der Normandie war das Grossereignis, auf welches die Menschen in den von den Deutschen besetzten Ländern Europas lange gewartet hatten. Dank der materiellen und zahlenmässigen Überlegenheit der amerikanischen und britischen Truppen gelang es, die Deutschen bis zum Herbst 1944 weitgehend aus Frankreich zu verdrängen. Zu Beginn des letzten Kriegsjahrs setzte die Alliierten an allen drei Fronten (Osten, Westen, Süden) zur grossen Schlussoffensive an. Die Amerikaner überquerten den Rhein und die Russen rückten gegen Berlin vor. Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende. Die deutsche Wehrmacht hatte bedingungslos kapituliert.


Die Achsenmächte wurden im Frühjahr 1944 an zwei Fronten von ihren Gegnern hart bedrängt. In Russland waren weitaus am meisten deutsche Truppen im Einsatz. Die Ostfront wurde daher als erste Front bezeichnet. Seit der Landung der Engländer und Amerikaner in Süditalien, hatte die deutsche Wehrmacht die Kontrolle über Italien übernommen. Längere Zeit war die Südfront ziemlich stabil, da die Alliierten die deutsche Verteidigungslinie südlich von Neapel nicht durchbrechen konnten. Stalin forderte schon 1943 die Errichtung einer zweiten Front in Frankreich, damit Druck von der Roten Armee genommen würde. Erst im Juni 1944 waren die Alliierten ausreichend vorbereitet, um die Invasion in Frankreich beginnen zu können.


In ganz Europa wurde anfangs 1944 spekuliert, wo in Frankreich die Amerikaner und Engländer die „Festung Europa“ angreifen würden. Viele glaubten, die Landung würde an der schmalsten Stelle des Ärmelkanals bei Calais erfolgen. Doch die Alliierten hatten sich für die Normandie entschieden. Die teils 40m hohen Kreidefelsen boten den alliierten Truppen Schutz, sobald sie unten an den Felsen angekommen waren. Das Erklimmen der Felsen hingegen war dann eine grosse Herausforderung für die gelandeten Soldaten. Bei hohem Wellengang war eine Landung undenkbar, da die Landungsboote an den Felsen oder den künstlich angelegten Strandhindernissen zerschellt wären.


Ziel der Operation Overlord war die Kreideküste der Normandie. An fünf Strandabschnitten sollten Landungsboote bis zum Strand fahren und die Soldaten im seichten Wasser absetzen. Zur Unterstützung der Infanteristen war vorgesehen, die Küste vorher mit den Geschützen der schweren Kriegsschiffe unter Feuer zu nehmen Nach der Landung mussten die Infanteristen mit Seilen und anderen Hilfsmitteln die Felswände hochsteigen und versuchen, die Bunker am Rand der Felsen zu knacken. Auf der Karte sind die Strandabschnitte mit den Kreidefelsen deutlich hellbraun markiert. Bei den Flussmündungen hat es flache Bereiche, wo etwas später das schwere Kriegsgerät wie Panzer und Lastwagen ausgeladen wurde. Weitere wichtige Operationen sollten schon in der Nacht vor der Landung der Truppen stattfinden. Die Flugzeuge auf der Karte markieren die Bombenangriffe und den Einsatz von Fallschirmjägern.


Die eigentliche Operation begann im Morgengrauen des 6. Juni. Die riesigen Schiffsgeschütze der alliierten Kreuzer und Schlachtschiffer feuerten ein gewaltiges Bombardement von Granaten gegen die Bunker des Atlantikwalls. Man hoffte, einen Teil der deutschen Geschütze so zerstören zu können. Danach fuhren Landungsboote mit den Infanteristen der ersten Welle auf die französische Küste zu.


Über 4000 Landungsboote fahren von ihren Mutterschiffen aus in Richtung französische Küste. Die Mehrheit der Boote kommt aber direkt von englischen Häfen. Der Wellengang ist nicht zu hoch, sodass sie die Fahrt über den Ärmelkanal wagen können. Ab halb acht Uhr erreichen die Boote die Küste der Normandie.


Nach dem Öffnen der Landungsklappen müssen die Soldaten mit ihren schweren Packungen versuchen, möglichst rasch durchs untiefe Wasser zu kommen. Am Strand werfen sich zwei Soldaten auf dem Bild in den Sand und beginnen auf die Verteidiger hoch oben bei den Bunkern zu schiessen. Einigermassen sicher sind sie aber erst unter der Felswand.


Schon am Abend des 6. Juni hatten die Engländer einen zusammenhängenden Brückenkopf gebildet und die Amerikaner trotz hoher Verluste am Omaha-Abschnitt ebenfalls sicher Fuss gefasst (braun markiert). Nachdem auch die ersten schweren Panzer in flacheren Strandabschnitten an Land gegangen waren, gelang es den Alliierten innerhalb einer Woche ihr Landungsgebiet bis zur grünen Linie auszuweiten. 20 Tage nach Operationsbeginn besetzten sie Avranches, was einen Rückstand auf ihren Zeitplan bedeutete. Dennoch stand es schlecht für die Deutschen, da es ihnen nicht gelungen war, die Alliierten schon an der Küste zu stoppen.


Die Amerikaner überliessen nichts dem Zufall. Ihre materielle Überlegenheit war so gross, das der Sieg über Deutschland nur noch eine Frage der Zeit war. Die Schweizer Regierung distanzierte sich nun deutlich vom Nazi-Regime und versuchte, die traditionell guten Beziehungen zu den Engländern und Amerikanern wieder aufzunehmen.


Da die Luftherrschaft der Alliierten total war, mussten sich die deutschen Panzer tagsüber dauernd vor den alliierten Luftangriffen in Acht nehmen. Besonders gefährlich waren die die Mustang-Jäger. Diese bis 700 km/h schnellen Kampfflugzeuge konnten für viele Zwecke eingesetzt werden. Im Kampf gegen deutsche Jagdflugzeuge erwiesen sich die Mustangs als überlegen. Erst die in der Schlussphase des Krieges eingesetzten deutschen Düsenjäger konnten sie in Schwierigkeiten bringen. Auf dem Bild sieht man eine Mustang-Staffel, welche einem Bomberverband Geleitschutz gibt. Die Mustangs verfügten über grosse Zusatztanks (je zwei unter den Flügeln angehängt), welche die Reichweite der Jäger stark vergrösserten. Zwischen 1942 und 1948 wurden fast 16 000 Maschinen dieses Typs gebaut.


Mit dem Einzug des französischen Generals de Gaulle und der freien französischen Streitkräfte in Paris ist Frankreich wieder auferstanden. Der Jubel der Bevölkerung von Paris ist grenzenlos. De Gaulle war 1940 war nach dem Zusammenbruch Frankreichs nach England geflüchtet. Dort übernahm er die Spitze der Regierung des freien Frankreich. Während Jahren bereitete er sich mit Hilfe der Alliierten auf die Invasion von 1944 und die Rückeroberung von Frankreich vor.


An der einwöchigen Konferenz von Jalta auf der Krim anfangs Februar 1945 einigten sich die „drei Grossen“ auf die Zukunft für Europa. Deutschland sollte nach der Kapitulation in vier Besatzungszonen aufgeteilt werden. Osteuropa wurde dem russischen Machtbereich zugeordnet, allerdings unter der Bedingung, dass freie Wahlen in den Ländern des späteren Ostblocks stattfinden müssten. Diese Vertragsbedingung haben die Russen nach 1945 jedoch nicht eingehalten. Roosevelt, der an einer Krebserkrankung litt, setzte sich für die Schaffung einer neuen Friedensorganisation ein. Die Vereinigten Nationen (UNO) mit Sitz in New York sollten künftig alle Konflikte zwischen zerstrittenen Ländern durch das gemeinsame Handeln der Grossmächte entschärfen. Roosevelt und Churchill drängten in Jalta darauf, den Weltkrieg auch im Fernen Osten bald zu einem Ende zu bringen. Weil sie mit einem erbitterten Widerstand der mit Deutschland verbündeten Japaner rechneten, glaubten sie, den Krieg im Fernen Osten nur mit Hilfe der Sowjetunion schneller beenden zu können. Nachdem die Westmächte Stalins fragwürdige Forderungen gegenüber Osteuropa akzeptiert hatten, willigte der Diktator ein, Japan im Sommer 1945 den Krieg zu erklären.


Mit grosser Spannung wurde der Vormarsch der Alliierten Richtung Rhein in der Schweiz mitverfolgt. Am 7. März 1945 gelang es den Amerikanern, eine nicht gesprengte Brücke bei Remagen (Nähe von Bonn) in ihren Besitz zu nehmen. Sofort fuhren die ersten Panzer auf das andere Rheinufer und bildeten dort einen Brückenkopf. Ein paar Wochen später brach die überstrapazierte Brücke zusammen und wurde durch eine Pontonbrücke ersetzt. Im Hintergrund ist die eingestürzte Brücke zu sehen.


Hitlers Herrschaft ist am Ende. Da nützt es auch nichts mehr, wenn noch Pensionierte und Jugendliche für sinnlose Heldentaten in den letzten Kriegstagen ausgezeichnet werden. Manch ein Jugendlicher verliert in den letzten Tagen des Weltkriegs beim Kampf gegen die anrückenden Panzer sein Leben. Am 30. April 1945 nimmt sich Hitler in Berlin kurz vor dem Eintreffen der Russen vor der Reichskanzlei durch Selbstmord das Leben. Er entzieht sich der Verantwortung und hinterlässt ein Deutschland in Trümmern.


Im April 1945 tobte der Krieg an vielen Stellen nahe der Schweizer Grenze. Auch im Süden waren die Alliierten auf der Verfolgung der sich zurückziehenden Deutschen. Nachdem das faschistische Regime im April 1945 zusammengebrochen war, versuchte Mussolini Richtung Norden in den Alpenraum zu fliehen. Doch er wurde von Partisanen auf der Flucht erkannt und nach kurzem Prozess am 28. April erschossen. Auf dem farbigen Bild erkennt man die siegreichen Amerikaner direkt an der Schweizer Grenze bei Münster im Kanton Graubünden. Sie werden von der Bevölkerung freundlich begrüsst. Das untere Bild zeigt ein provisorisches Auffanglager in Schleitheim. Darin halten sich Bewohner aus der deutschen Nachbarschaft und geflohene Zwangsarbeiter auf. Sie haben sich vor den rheinaufwärts vorrückenden Franzosen auf Schaffhauser Gebiet in Sicherheit gebracht, um nicht indirekt in die Kämpfe verwickelt zu werden.


In den letzten Kriegstagen versuchten ganze deutsche Kompagnien und viele Flüchtlinge Schutz in unserem Land. Die Grenzen waren jetzt wieder durchlässiger als mitten im Krieg. Die Armee hat seit Beginn des Jahres 1945 ihre Stellungen im Reduit zugunsten einer stärkeren Grenzbefestigung teilweise aufgegeben. Es gilt, allfällige Grenzverletzungen durch sich zurückziehende deutsche Truppen zu verhindern.


Die Vorstösse der Alliierten in West und Ost sind nicht mehr aufzuhalten. Amerikanische Sherman-Panzer fahren durch völlig zerstörte deutsche Städte, die durch alliierte Bombenangriffe in Trümmern liegen. Bei Torgau an der Elbe treffen amerikanische und sowjetische Truppen aufeinander und feiern gemeinsam ihren Sieg. In Norddeutschland sind es die Briten, die bis an die Ostsee vorstossen. Die Franzosen stürmen im Südschwarzwald entlang der Schweizer Grenze bis zum Bodensee vor.


Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht wird im Hauptquartier von General Eisenhower in Reims auf den 8. Mai 1945 festgelegt. Einen Tag später wird die Kapitulationsunterzeichnung im Hauptquartier der Roten Armee Berlin wiederholt. In Berlin hatte eine der letzten Schlachten getobt. Die Nazis kämpften fanatisch bis zum bitteren Ende. Noch steht eine riesige Nazistandarte zuoberst auf dem Brandenburger Tor. Doch schon bald wird dieses hässliche Zeichen einer besiegten Diktatur von Soldaten der Roten Armee heruntergerissen und durch eine sowjetische Fahne ersetzt. Die Zerstörungen rund um das Brandenburger Tor sind symbolisch für die totale Niederlage der Deutschen.


Am 8. Mai 1945 tritt die Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Ein furchtbarer Krieg ist in Europa zu Ende. In der Schweiz atmet man auf und ist dankbar, vom Krieg verschont geblieben zu sein. Die Wirtschaft des Landes ist intakt und die Zukunftsaussichten für die junge Generation sind gut. Das Ende des Aktivdienstes der Schweizer Armee wird erst 19. August 1945 in Bern gefeiert.


Die Erleichterung über das Kriegsende in Europa ist riesig. In der Schweiz verkünden Extrablätter und das Radio die frohe Kunde vom definitiven Sieg der Alliierten. In Deutschland sind die Menschen fassungslos über das Elend, das über ihr Land hereingebrochen ist. Sie wissen, dass sie für den Krieg verantwortlich sind und von den Siegern nicht viel Gutes erwarten können. Aber sie sind froh, überlebt zu haben. Ihre Wohnungen sind zerstört. Die ersten Nächte nach der Kapitulation der Wehrmacht verbringen viele Stadtbewohner unter freiem Himmel auf der Strasse oder in einem Keller.


Für die Engländer sind die entbehrungsreichen Zeiten der Kriegsjahre vorbei. Sie sind stolz, dem nationalsozialistischen Deutschland erfolgreich Widerstand geleistet und mit einem gewaltigen Sieg Europa vor einer finsteren Zukunft bewahrt zu haben. Die grosse Figur des britischen Siegeswillens ist ihr Premierminister Winston Churchill. Er hat in den dunkelsten Stunden des Vereinigten Königreichs mit seiner unbeugsamen Haltung den Briten im Abwehrkampf gegen die Nazis den Rücken gestärkt. Sein V-Zeichen steht für „Victory“ und erinnert die Briten am Tag des grossen Sieges über Hitler an ihren erfolgreichen Kampf für die Freiheit in Europa. Der Jubel der Londoner ist riesig, als der gefeierte Premierminister im offenen Auto ein Bad in der Menge nimmt.


In der Schweiz läuteten bei Kriegsende alle Kirchenglocken. Wir waren erleichtert und dankbar, dass wir so glimpflich davongekommen waren. Der Bundesrat wollte aus eher unklaren Gründen eigentlich nur eine bescheidene Friedensfeier zulassen. Doch die Freude der Bevölkerung über das Kriegsende war so gross, dass es zu spontanen Feiern mit Freudentänzen gekommen ist. Auf dem Bild rechts wird das Extrablatt mit der Friedensnachricht dem Zeitungsverkäufer fast aus der Hand gerissen. Die Fahne im Hintergrund mit dem Sternenbanner unterstreicht die Bewunderung, die man damals vor allem in der Romandie für die Befreier aus Amerika hatte.


Diese Studenten in Lausanne sind am Tag der deutschen Kapitulation kaum mehr zu halten. Sie zeigen das V-Zeichen der Engländer und halten eine amerikanische Flagge hoch. Sie hoffen, dass sie in einem friedlichen Europa leben können, in welchem demokratische Kräfte die Zukunft der Länder bestimmen werden.


Ganz ohne Ressentiments gegen die Deutschen ging es auch in der Schweiz nicht. Es war die Kriegsmaschinerie der Nazis, welche für grosse Entbehrungen während der Kriegsjahre verantwortlich war. Dieser Groll, der sich in unserer Bevölkerung teils bis zur Ablehnung alles Deutschen steigerte, kam an einigen Orten auch am 8. Mai zum Ausdruck. An der Zürcher Bahnhofstrasse versammelten sich zahlreiche Personen vor dem deutschen Verkehrsbüro und drohten es zu stürmen. Das Büro wurde beschädigt und es musste schliesslich geschlossen werden. Der Schriftzug „Deutschland“ wurde mit einem schwarzen Tuch abgedeckt.


Der 8. Mai ist ein schöner Frühlingstag. Er passt zum Stimmungsbild des Friedens und des Neuanfangs in Europa. Schon um elf Uhr läuten die Glocken aller Kirchen im Kanton Zürich eine halbe Stunde lang. Um acht Uhr abends werden sie im ganzen Land eine Viertelstunde lang erneut läuten. Die Kinder haben schulfrei. Vielen Familien nützen den Tag für einen Ausflug oder einen Spaziergang in der Natur. Am Abend finden schweizweit lokale Friedensgottesdienste statt. Das Bild zeigt eine friedliche Menschenmenge auf der Münsterbrücke in Zürich. Dahinter sieht man das Fraumünster, in welchem die offizielle Friedensfeier der Stadt Zürich stattfinden wird.


Die Friedensfeier im Fraumünster ist ein Gottesdienst der Dankbarkeit. Alle wissen, was in unseren kriegsversehrten Nachbarländern passiert ist und wie sehr wir dankbar sein dürfen, vom Krieg verschont worden zu sein. Es ist auch der Moment, in dem wir froh sind, dass die Einschränkungen der Kriegswirtschaft bald zu Ende sein werden.


Der herrliche 8. Mai wird von unzähligen Familien mit ihren Kindern gefeiert. Die Freude über das Kriegsende ist gross. Diese Schweizer Familie scheint die Briten zu bewundern. Ob die Kleinen wissen, dass sie heute einen historischen Tag erleben? Für die Schweizer Kinder sieht das Leben 1945 hoffnungsvoll aus. Sie leben in einem intakten Land und ihr Vater ist nicht in Kriegsgefangenschaft oder gar tot.


Die Zukunft Deutschlands sieht sehr düster aus. Das Land ist weitgehend zerstört und die Kriegsschuld liegt ganz bei den Deutschen. Die Alliierten sind entschlossen, Deutschland ins Agrarzeitalter zurückzuführen. Unbeschädigte Einrichtungen ganzer Fabriken werden demontiert und in die Siegerstaaten abtransportiert. Deutschland scheint keine Zukunft mehr zu haben. In Deutschland wird deshalb das Jahr 1945 oft als Stunde null bezeichnet. Trotz der belastenden Schuldfrage sind viele Schweizer Familien bereit, deutschen Familien in ihrer Not zu helfen. So nehmen manche Schweizer Familien deutsche Kinder für ein paar Wochen Ferien in der Schweiz auf. Die Wut über die Nazis soll nicht an den Kindern ausgelassen werden.


Die Menschen in den zerstörten deutschen Städten haben fast ihr ganzes Hab und Gut verloren. Die Häuser sind nur noch Ruinen oder Schutthalden. Auf dem Bild transportieren drei Berliner Stadtbewohner die wenigen Habseligkeiten ihres zerbombten Hauses zu einer Bleibe für die nächste Nacht. Die meisten Familien richten sich in Kellerwohnungen ein. Diese haben teilweise die Bombennächte überstanden und geben den Menschen wenigstens ein Dach über dem Kopf. Das Wichtigste ist die Suche nach Nahrung. Oft bekommt man Essbares nur noch auf dem teuren Schwarzmarkt.


Die Gegenüberstellung der Lebenssituation von Deutschland und der Schweiz im Sommer 1945 zeigt die krassen Unterschiede. In Deutschland sind die Nahrungsmittel sehr knapp und teuer. Die Bewohner tauschen oft Waren gegen Nahrungsmittel oder brauchen ihr Erspartes für den Kauf von Esswaren auf dem Schwarzmarkt. Intakte Wohnungen gibt es fast nur noch in Dörfern, wo keine Bomben gefallen sind. Die medizinische Versorgung ist miserabel, was zu einer stark erhöhten Kindersterblichkeit führt. Die Bilder aus der Schweiz zeigen einen Migros-Verkaufswagen, der mit vollen Regalen auf einem Dorfplatz Halt macht. Die Bevölkerung kann sich zu günstigen Preisen eine Reihe guter Produkte kaufen. Wir haben keine Wohnungsnot und unsere medizinische Versorgung ist auf einem für die damalige Zeit hohen Stand.


Unsere Industrie nimmt nach einem etwas zögerlichem Beginn schon bald ihre volle Produktion auf. Wir können viele Güter nach Übersee exportieren, wo in den USA eine grosse Nachfrage nach Schweizer Produkten besteht. Sulzer Dieselmotoren sind für den Antrieb von Schiffen weltweit gefragt. Auch andere Industriezweige profitieren davon, dass die intakten Schweizer Betriebe bei manchen Produkten in die Lücke springen können. Die SBB erteilt der Lokomotivfabrik in Winterthur für den Bau von modernen Schnellzugslokomotiven des Typs Re 4/4 einen Grossauftrag.


Am 19. August 1945 wird eine Feier zum Ende des Aktivdienstes in der Schweiz durchgeführt. Die Fahnen der Armee werden zurückgegeben und General Guisan wird von Bundespräsident von Steiger ehrenvoll verabschiedet. General Guisan hat in den Monaten nach Kriegsende bis zur Abschlussfeier einen ausführlichen Bericht über seine Sicht des Aktivdienstes geschrieben. Zweifellos gibt es ein paar dunkle Flecken in der Geschichte unseres Landes während des Zweiten Weltkriegs. So ist eine Kritik an der Flüchtlingspolitik, an den Waffenlieferungen an die Achsenmächte und wohl auch an den schwer fassbaren Geldwäschergeschäften durchaus angebracht. Die vom Bundesrat nachträglich bestellten Berichte von Edgar Bonjour und der Bergier-Kommission haben diese dunklen Flecken genau ausgeleuchtet. Doch eine allgemeine Verunglimpfung von Bevölkerung, Armee und Regierung wird der Grundhaltung der Schweiz im Zweiten Weltkrieg überhaupt nicht gerecht. Vielmehr gilt es festzuhalten, dass die Opferbereitschaft der Bevölkerung gross, der Widerstandswille stark und die schweizerische Politik den schwierigen Umständen entsprechend meist angemessen war. Man darf aus heutiger Sicht den Frauen und Männern der Aktivdienst-Generation bescheinigen, dass sie für das Überleben unseres Landes Grosses geleistet haben. Dafür haben sie unseren Dank verdient.


Tipp

Nr. 1: Das Schweizer Wirtschaftswunder. Aufschwung in den 1950er-Jahren. 96 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.

Nr. 2: Die Erfolgsgeschichte der Gotthardbahn. Vom Gotthardtunnel von 1882 bis zum Basistunnel 2016. 99 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.

Nr. 3: Soziale Frage in der Schweiz. Im 19. und 20. Jahrhundert. 89 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.

Nr. 4: Start der modernen Schweiz – politisch, wirtschaftlich, technisch. Im 19. Jahrhundert. 103 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.

Nr. 5: Ein Höhenflug mit abruptem Fall. Aufregende 1920er-Jahre und schwierige 1930er-Jahre. 154 Charts mit Erläuterungen. Und 24 Thesen.

Nr. 6: Zum Widerstand entschlossen. Die bedrohte Schweiz in den Kriegsjahren 1939 und 1940. 117 Charts mit Erläuterungen. Und 24 Thesen.

Nr. 7: Die Schweiz als Insel in der Brandung. Unser Land in den Kriegsjahren 1942 bis 1945. 102 Charts mit Erläuterungen. Und 12 Thesen.


Kurzporträt Hanspeter Amstutz
Ehemaliger Sekundarlehrer mit langjähriger Berufserfahrung. Mitgestalter in der Zürcher Schulpolitik als Kantons- und Bildungsrat. Aktuell tätig als Referent zu historischen Themen, in der Lehrerfortbildung im Bereich Geschichte sowie als Autor für zwei Schulblogs. Kontakt: famamstutz@bluewin.ch

Ein grosses Anliegen von Hanspeter Amstutz ist es, Meilensteine unserer Schweizer Geschichte in Vorträgen lebendig werden zu lassen. Anfragen für öffentliche Präsentationen nimmt er über seine Mailadresse entgegen.


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