Public Relations wird heute fast nur noch lauwarm, abgehangen und austauschbar produziert. Kein anderer Meister der PR verbindet die Leistungen der Public Relations mit dem festen Willen zum hervorragenden Erfolg von Personen und Persönlichkeiten, Unternehmen und Organisationen in der Schweiz und in Europa wie er: Klaus Stöhlker.
Einem Geniestreich gleich bringt er die PR in ihrer Exzellenz nach vorne und legt eine dreiteilige Geschichte zur PR in der Schweiz vor: (1) Mit PR stürmen und Compliance verteidigen: Aufstieg der PR zur Elite-Funktion, (2) PR verschaffen Menschen Macht, (3) Der Weg der PR zum Genie verlangt Meisterhandwerk.
Mit seiner vitalen und versierten Denkschrift macht Klaus Stöhlker seinem Ruf und seiner Statur alle Ehre – sachverständig, scharfsinnig, schlüssig. Lesen Sie Teil 3 der Artikelserie.
Eine ganze Woche im Dezember 2025 brauchten die Menschen, um sich vom TV-Entertainer Thomas Gottschalk zu verabschieden, der ihre einsamen Abende während Jahrzehnten mit Blödeleien erträglicher gemacht hatte. Für viele war es eine Katastrophe.
Schon einen Tag später kam es zur wirklichen Katastrophe, welche die Fundamente Europas erschütterte. US-Präsident Donald Trump, Enkel eines deutschen Gemüsehändlers, löste mit seiner neuen Sicherheitsstrategie (National Security Strategy 2025) die engen Beziehungen der USA zu Europa.
Das Band einer gut 100-jährigen Freundschaft zwischen den USA und Europa, das in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zweimal von den Amerikanern gerettet werden musste, wurde von Donald Trump durchschnitten.
Zu Ende gingen 100 Jahre, wo man gemeinsam für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gekämpft hatte. Neu sind die US-Botschafter in Europa angewiesen, in ihren Ländern wichtige Geschäftsmöglichkeiten ausfindig zu machen.
Donald Trump sagte den Europäern, und die Schweiz nahm er nicht davon aus, sie würden aufgrund ihrer Einwanderungspolitik einen «Verlust der nationalen Identität erleiden». In 20 Jahren werde man Europa nicht wiedererkennen, wenn die jetzigen Trends andauern. Es bestehe die reale Gefahr für den Untergang der europäischen Zivilisation.
Diese rhetorische Atombombe detonierte vor den Feiertagen über Europa – und Europa verstummte.
Mit einem rhetorischen Donnerschlag riss der US-Präsident die USA und Europa auseinander. Die ehemalige Kolonie Grossbritanniens «rules the waves now». Sie nimmt für sich in Anspruch, den Gang der Weltgeschichte im 21. Jahrhundert zu bestimmen.
Von den europäischen Regierungen war kaum etwas zu vernehmen, so gross war der Schock, dass ihr bisher bester Verbündeter sie in den Dreck stampfte.
Die Macht der Kommunikation, ein nahezu perfekter PR-Auftritt der Spitzen der amerikanischen Regierung, machte den Europäern deutlich, dass Widerspruch zwecklos war.
Was eine Zeitenwende für Europa war, wurde in Medien als «Kalte Dusche» oder gleich gar nicht beschrieben.
In der Schweiz rührten sich weder der Bundesrat noch die Parteien oder einzelne Politiker, ganz so, als würde die Schweiz nicht zu Europa gehören. Niemand wagte einen Widerspruch, während in Deutschland die AfD, in der Slowakei und Ungarn die Staatschefs Robert Fico und Viktor Orban Zustimmung verlauten liessen.
Allein aufgrund seines Amtes und der Kraft seiner Worte machte sich Donald Trump zum neuen Weltherrscher. Russland, bis vor kurzem noch Gegner, wurde zur Partnernation aufgewertet, China verwarnt, es solle seine Grenzen nicht überschreiten.
Kein Zweifel, Donald Trump ist ein grosser Kommunikator. Seine Gabe, die Menschen in seinen Bann zu ziehen, führte zum Niedergang der US-Demokraten. Hillary Clinton, die Trump besiegen wollte, sprach von seinen Wählern als den «deplorables», den Bedauernswerten. Dass man damit keine Stimmen gewinnt, fiel ihr nicht ein.
Ein Schweizer Secondo hat begriffen, wie man heute siegreich auftritt: Gianni Infantino, der in der Schweiz höchst unbeliebte Präsident des Welt-Fussballverbandes FIFA. Er bringt seinem Freund Donald einen vergoldeten Pokal mit, den Preis für dessen Ernennung zum FIFA-Friedenspreisträger. Das Objekt wird wunderbar in die grosse Festhalle passen, die der Präsident soeben neben dem Weissen Haus errichten lässt.
Das ist die Kommunikation der Mächtigen. Untereinander kann es keinen übertriebenen Glanz geben. Sie wissen, dass ihre Positionen fragil sind, sie jederzeit abgewählt werden können oder, schlimmer noch, in die Verbannung geschickt werden.
Für einfache Menschen mag dies bizarr sein. Doch werden sie mit solchen Auftritten der Mächtigen nur noch kleiner und unbedeutender. Sie wagen keine Fragen mehr zu stellen. Sie demonstrieren, wie in der Schweiz üblich, meist friedlich und schweigsam. Das ist Demokratie, oder?
An diesen aktuellen Beispielen über die Kommunikation der Macht will ich im 3. Teil der Folge über moderne Public Relations auf das PR-Meisterhandwerk eingehen.
Ich beschränke mich auf Massnahmen, die jederzeit von jedermann verwendet werden können. Dies eingedenk einer über 500jährigen europäischen Geschichte, wo Public Relations unter verschiedenen Namen immer eine grosse Rolle spielte.
In der italienischen Renaissance waren Leonardo da Vinci, eigentlich ein Ingenieur, der Waffen produzierte, Michelangelo und Raffael Auftragsmaler, welche die Kirchen und Paläste der Päpste und der italienischen Fürsten ausmalten. Der Wettbewerb unter den Künstlern war heftig.
Der Adel, der die kirchlichen und weltlichen Spitzenpositionen besetzt hielt, sonnte sich im Glanz der Marmorstatuen, Bilder und grossen Fresken.
Meist wird vergessen: Dazu gehörten prachtvolle Waffen und Pferde.
Denn das Ziel des Glanzes war es stets, die raublustigen anderen Fürstenfamilien und das zu Aufständen neigende eigene Volk zu beeindrucken.
Derlei gibt es noch heute. Mag ein Bundesrat noch so unbedeutend aussehen, steht neben ihm ein Weibel in Festuniform, weiss man, wen man vor sich hat.
Wenn alt Bundesrat Alain Berset heute durch Zürich spaziert, wird er von einer Leibgarde bewacht. Als Generalsekretär des Europarats steht dem bescheidenen Fribourgeois dies zu. Die kantonale Universität hat ihm unlängst auch den Titel eines Ehrendoktors verliehen.
Dies alles sind PR-Instrumente von grosser Bedeutung, die in der Schweiz so anerkannt sind wie das Bundesverdienstkreuz in Deutschland.
Für viele Schweizer lächerlich mag der Grund sein, weshalb er den Ehrendoktor erhielt, für seine Leistungen während der Covid-Pandemie.
Ohne gutes Meisterhandwerk sind Spitzenleistungen auch in den Public Relations nur per Zufall möglich.
Dies schaffte Bundesrat Dölf Ogi, als er dem ersten Schweizer Astronauten Claude Nicollier zu seinem Weltraumflug gratulierte. Dieser berichtete aus der Weltraum-Kapsel: «Ich habe von oben das Matterhorn gesehen.» Ogi, gerührt, rief: «Freude herrscht.»
Dieser PR-Coup des hohen Magistraten war nicht geplant, aber sein Ausspruch ist heute in der Schweiz von fast biblischer Qualität; auch ich benutze ihn hie und da.
Es gibt viele Philosophien, unsere heutige Gesellschaft verständlich zu machen. Ich habe in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts nie den Glauben daran aufgegeben, dass unsere Gesellschaft einer hierarchischen Ordnung folgt. Aus diesem Grund habe ich, und empfehle sie weiterhin anzuwenden, die «Hierarchie der Kommunikation» entwickelt, ganz zum Erschrecken jener, die seinerzeit nur in «Teams» den richtigen Weg zu besserem Wissen und Erkennen sahen.

Diese Grafik hat mir in unzähligen Präsentationen Tage und Wochen des Erklärens erspart, wie PR richtig strukturiert werden.
Die Pyramide stellt das Budget einer Firma, einer Verwaltung oder einer Partei dar.
Der grösste Aufwand wird am Fuss der Pyramide mit den Marketing Communications betrieben. Viele Unternehmen beherrschen ihr Marketing gut, aber gerade Schweizer Firmen sind oft marketingschwach, weil es an einer guten Aus- und Weiterbildung fehlt.
Eine Stufe höher, im Mittelfeld der Pyramide, sind die Corporate Communications angesiedelt. Dort geht es nicht um Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens, sondern um das Firmenimage, um den Ruf der Firma als Ganzes.
Die Corporate Communications sind seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgeblüht, als die Unternehmen damit begonnen haben, an die Börse zu gehen. Sie mussten sich dort als Unternehmen in seiner Ganzheit vorstellen. Das war keine leichte Aufgabe für Werbe- und PR-Berater, die bisher nur das Marketing kannten. Ein neuer Berufszweig entstand, der Corporate Communications-Berater. Zu den Beratern «on corporate level» gehören die Financial Relations-Berater, die Human Resources-Berater und viele weitere Unterfunktionen, die dem Aufbau und der Sicherung des «Images» einer Firma dienen.
In der Spitze der Pyramide sitzen die Public Affairs. Erst seit gut 50 Jahren hat sich dieser Zweig der Public Relations geradezu explosiv entwickelt. Public Affairs widmen sich dem Aufbau der Beziehungen eines Unternehmens zu seiner externen Umwelt, den «stakeholders». Dieser Anspruch von meist Minderheitsgruppen, Einfluss auf die Unternehmensführung zu nehmen, darf nicht unterschätzt werden.
Es begann mit «Nestlé tötet Babys». Weltweit, besonders auch in den seinerzeitigen Entwicklungsländern, die heute Schwellenländer heissen, geriet Nestlé in das Feuer der Medien. Nestlé musste mit Millionenaufwand erklären, dass seine Baby-Trockenmilch bei richtiger Anwendung keine Babys tötet. Erst dann, wenn das Wasser, mit dem der Trockenbrei angerührt wurde, verseucht war, konnte es zu Durchfällen bis hin zu Todesfällen kommen.
Nestlé musste um seinen guten Ruf kämpfen, was letztlich gelang. Es zog seine Verkäuferinnen, die wie Krankenschwestern aussahen, anders an, um Verwechslungen zu vermeiden. Es verdeutlichte, wie wichtig sauberes Wasser ist.
Die heute bei der Jugend fast vergessene Kampagne war einmalig in ihrer Heftigkeit, ein Signal für kommende Auseinandersetzungen.
Public Affairs heisst aber im Idealfall, ein Unternehmen ordnet sich positiv in seine Gesellschaft ein. Allein schon die Worte «Schweiz» oder «schweizerisch» sind im Ausland oft magisch. Wer es benutzen darf, denn dazu gehört die Erlaubnis der Bundesverwaltung, hat oft schon zur Hälfte gewonnen.
Im Kampf gegen ausländische Konkurrenten, wie sie heute immer häufiger sind, spielt das Wort «schweizerisch» eine sehr bedeutende Rolle.
Schweizer Käse, Schweizer Militärmesser, Schweizer Fahne und jetzt auch Schweizer Hellebarde (obwohl sie eigentlich aus dem Elsass stammt) sind zu Markenbegriffen geworden.
Im Zusammenspiel dieser drei Arbeitsfelder, Marketing Communications, Corporate Communications und Public Affairs, können sich Firmen grossartig entfalten und in den Märkten durchsetzen. Das gilt für Schweizer Flugzeuge (Pilatus), Schweizer Liftanlagen (Schindler), Schweizer Uhren und Schweizer Banken.
Eine wichtige Aufgabe hat gute Kommunikation via Public Relations: Sie macht die Unternehmen krisenfest. Tritt eine Krise auf, was in den meisten Branchen unvermeidlich ist, sind Firmen mit guten PR resilienter als andere.
Weiter vorn habe ich den Begriff der Geschwindigkeit in die richtige Arbeitstechnik eingeführt. Daraus kann ein wichtiges PR-Instrument abgeleitet werden.
PR sind Sachverstand & Energie.
Die meisten Manager haben viel Sachverstand, oder auch weniger, über ihre Firma und deren Produkte, aber sie kommen damit nicht richtig an. Es fehlt der Sachverstand über die richtige Kommunikation. Zur richtigen Kommunikation gehört auch Energie. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob eine Aufgabe in drei Tagen oder drei Wochen gelöst wird.
Ohne ein gerütteltes Mass an Energie ist der PR-Erfolg nicht gesichert. Viele Führungskräfte haben Angst vor diesem Faktor, fürchtend, die Prozesse könnten ihnen entgleiten, sich selbständig machen.
Ja, das ist möglich. Doch ist die verantwortliche Führungskraft verpflichtet, im Unternehmen einen Zustand herzustellen, der «Sachverstand & Energie» in vollem Masse ausschöpft.
Ein unersetzliches Instrument für PR-Meisterhandwerk ist die Sprache. Mindestens eine Sprache, seine Muttersprache, muss ein PR-Handwerker ausgezeichnet beherrschen.
Eine Sprache hat viele Facetten. Sie dient der Erklärung einfacher oder komplexer Tatbestände. Sie kann locken, verführen, auftrumpfen, aber auch leise und bescheiden sein. Sie kann Elemente der Poesie oder des Rechnungswesens enthalten. Sie kann befehlen oder überzeugen.
Wer diese Techniken beherrscht, wird seinen Klienten gute Dienste erweisen. Doch sollte der Berater darauf achten, dass er seine Klienten nicht überfordert.
In vielen Fällen genügt die klare Einfachheit. Ein guter Textaufbau erleichtert es, den Gedanken zu folgen, sie im Idealfall sogar aufzunehmen.
Die Aufgabe des «ghostwriters», der für einen Auftraggeber Reden oder Texte entwirft, ist sehr anspruchsvoll. So kommt ein zu glattes Hochdeutsch gerade in der Schweiz oft sehr schlecht an, wo das rollende «r» der Bündner als Meisterleistung gilt.
Reden und Texte müssen also auf deren Träger zugeschnitten sein.
Genügt eine Sprache? Nein, denn ohne die englisch-amerikanische Sprache kommt man heute nicht mehr in die Spitze hinein, sei es als Manager oder als Politiker. Wer erinnert sich nicht an Bundesrat Ueli Maurer im amerikanischen TV. Sein Auftritt war eine Blamage sondergleichen, doch Profis wissen: Am nächsten Tag ist alles schon vergessen, weil, wie die Liechtensteiner sagen, «eine neue Sau durchs Dorf läuft.»
Meisterhaft muss auch die Fähigkeit des PR-Beraters zur Analyse sein. Was will der Klient? Was will er sagen? Oft drücken sich potentielle oder bestehende Kunden um klare Aussagen. Sie wollen nicht genau sagen, worum es geht.
Dann ist der Berater gefordert.
Ich habe vielen Stars der Wirtschaft zugehört. Was wollen sie wirklich? Antwort: An Ansehen gewinnen und noch mehr Geld verdienen.
Weil ich dies wusste, auch ohne, dass es ausgesprochen wurde, konnte ich schneller und präziser Lösungen anbieten als dies vielen Konkurrenten möglich war, die auch nicht dumm waren.
Es geht fast immer um Geld und Karriere.
Niemand redet gerne von Schwächen. Sie sind in der Produktion und im Ablauf von Programmen unvermeidlich.
Die grösste Schwäche ist der Mensch. Sei es der Berater selbst oder der Klient.
Meisterberater sind eitel. Ich kenne sie, auch wenn sie ihre Eitelkeit zu verbergen wissen, bei McKinsey, grossen Treuhand- oder Executive Search-Firmen, selbstverständlich auch bei den Public Relations.
Eitelkeit kann die Folge vieljähriger erfolgreicher Tätigkeit sein. Ich kenne einen 90jährigen Jesuiten, der als Christ, Buddhist und Schamane international erfolgreich wurde. Geld brauchte er nicht, aber geachtet wollte er sein. Mindestens respektiert.
Berater und Klient müssen zusammenpassen. Dann kann ein Arbeitszustand entstehen, der mit dem Genieteil meines Aufsatzes erklärbar ist. Dann entstehen «Images» von grosser Intensität und Dauerhaftigkeit.
Ein gutes Beispiel ist der Zürcher FDP-Nationalrat Ulrich («Ueli») Bremi, Unternehmer, Vordenker des einst starken Freisinns, als er noch unterwegs zur Volkspartei war. Wenn er sprach, was er oft tun musste, waren seine Sätze kurz und klar. Jeder konnte ihn verstehen.
Humor war ihm nicht fremd, wo finden wir dies heute noch? Als er einmal vor hunderten von Unternehmern sprach, fragte ihn ein Teilnehmer: «Warum haben wir so wenig Kinder?» Bremi antwortete sofort: «Wenn das so ist, dann gehen Sie jetzt nach Hause. Sie wissen, was Sie zu tun haben.»
Der ganze Saal tobte vor Lachen.
Bremi führte mich in die Schweiz ein, wurde auch mein «Götti», als ich Schweizer wurde. Mit ihm klappte es perfekt. Ganz im Gegensatz zur vorzeitig gestürzten Elisabeth Kopp. Sie leistete als Bundesrätin Grossartiges, war aber beratungsresistent. So wollte sie unbedingt zurücktreten, als es gar nicht notwendig war. Erst Jahre später, als der «Kopp-Skandal» sich in Nichts auflöste, kam sie zur gleichen Überzeugung, als sie sagte: «Mit dem heutigen Wissen wäre ich nie zurückgetreten.»
Ganz ähnlich wie der langjährige FIFA-Präsident Sepp Blatter. Er trat in einem Panikanfall unter grossem Druck als frisch gewählter FIFA-Präsident vom Amt zurück. Jahre später sagte er mir: «Es wäre nicht notwendig gewesen.»
Ein individuelles Image, das Generationen überdauert, ist heute selten geworden. Topmanager sind oft nur wenige Jahre an der Spitze ihres Unternehmens.
Die Funktion des VR-Delegierten ist in den meisten Firmen eher bedeutungslos geworden, ganz im Gegensatz zum letzten Jahrhundert, wo er noch im Mittelpunkt stand.
Der CEO, der Chief Executive Officer, ist nur noch selten so stark, wie er eigentlich sein müsste. Vieles hat der VRP, Präsident des Verwaltungsrates, an Machtbefugnis übernommen. Ein gutes Beispiel dafür ist der heutige UBS-Konzern, wo der Ire Colm Kelleher als VR-Präsident das Steuer führt, unterstützt von Sergio Ermotti als CEO.
Public Relations, oft reduziert auf reine Presse- oder Medienarbeit, wird heute in der Schweiz von bis zu 20 000 Menschen ausgeübt. Einige sind echte PR-Berater mit Ausbildung und Erfahrung. Viele, die sich so nennen, sind ehemalige Journalisten, die meisten ganz ohne Fachausbildung. Sie werden engagiert, um gute Artikel und Sendungen in den Medien auszulösen.
Die grösseren Konzerne sind mit professionellen PR-Abteilungen gut ausgestattet. Bei den KMU ist dies meist nicht der Fall.
Über 2000 PR-Berater und Pressechefs arbeiten in der Bundesverwaltung, den Kantonen und den grossen Schweizer Städten. Jetzt greift der Trend auch auf die mittleren und kleinen Städte über.
Denn jeder will kommunizieren, muss kommunizieren. PR sind eine wichtige Funktion im Wettbewerb geworden.
Eines muss man gleich vergessen: Profi-PR sind nicht billig, denn man kann sie nicht von der Stange kaufen. Sie müssen auf den Klienten individuell zugeschnitten sein.
In der Schweiz kommt man mit einigen hunderttausend Franken pro Jahr meist schon recht weit, aber es dauert Jahre, einen guten dynamischen Ruf aufzubauen. Er kann auch in kurzer Zeit wieder verlorengehen; siehe die Migros.
Für viele braucht es Mut, Ausdauer und Intellekt, um gegen harte internationale, manchmal auch globale Konkurrenz den richtigen Berater zu wählen.
Das richtige Rezept habe auch ich noch nicht gefunden.
Daran sollte indes niemand zweifeln: Die Künstliche Intelligenz (KI) wird sich innert weniger Jahre durchsetzen, mehr noch, als dies heute der Fall ist.
Wenn jetzt schon Prof. Klaus Schwab, der Gründer des World Economic Forum, bestätigt, er schreibe sein demnächst erscheinendes Buch mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz, wird bald jeder Spitzenmanager in Politik, Wirtschaft und in den Hochschulen dasselbe tun. Der normale Leser mit seinem Halb- oder Unverstand wird den Unterschied kaum merken. Der Autor spart 80-90% des sonst üblichen Aufwands, womit das Verfassen von Büchern endlich wieder rentabel wird. Heute verdienen nur wenige Autoren mit ihren Büchern Geld; wichtiger sind Auftritte in den Massenmedien oder Vorträge, die keine geringen Summen einbringen.
Die Ansprüche an die wirklich kreativen Denker werden sich einfach erhöhen.
Heute kann fast jedermann mit einigem Fleiss innert kürzester Zeit ein Politikerportrait verfassen, wenn er sich der KI bedient. Ob das Portrait dann Gültigkeit hat, ist eine andere Frage.
Das war aber schon immer so.
Die Portraits des deutschen Kanzlers Konrad Adenauer, dessen 100ster Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, waren um die Zeit seines Todes auch höflicher formuliert als es die neuen Bücher sind, die heute sein Leben schildern. Sir Winston Churchill war Jahrzehnte ein Held; erst seit 20 Jahren mehren sich die Publikationen, sein «Sieg» im Zweiten Weltkrieg sei keiner gewesen und hätte dazu Grossbritannien ruiniert, weil die Amerikaner darauf bestanden haben, dass die Regierung in London ihre Kriegsschulden auch bezahlt.
In der PR-Branche bedient man sich heute schon intensiv der Künstlichen Intelligenz. Dies deshalb, weil die Produktion einfacher Texte, Fotos, Grafiken, oder die Kombination derselben, mit KI billiger und rascher erfolgt als mit der üblichen Gedanken- und Gestaltungsarbeit, die früher üblich gewesen ist.
Konkret, erhielt ich während zweier Jahrzehnte für jede Rede zum 1. August, zu der ich Entwürfe liefern musste, zwischen sechs- und zehntausend Franken als Honorar. Heute werden kümmerliche 1000 Franken geboten, die mich natürlich nicht interessieren.
Das gilt auch für hunderte von Fachärzten und Uni-Professoren in der Schweiz, die für jede Rede an einem Kongress noch erheblich besser bezahlt wurden. Eigentlich spielte der Inhalt der Rede oft nicht die entscheidende Rolle, sondern die Signatur des Referenten, die als Qualitätsnachweis galt.
Auch die Wissenschaftler werden sich, wie heute schon, mehr denn je der KI bedienen. Früher spielten ihre Assistenten diese Rolle, welche oft grosse Teile von Reden oder Aufsätzen verfassten, denen der Instituts-Leiter mit seiner Unterschrift dann nur noch den Segen geben musste.
Die hilflosen Reden vieler Politiker können durch KI ohnehin nur besser werden. Es ist traurig, wie in unserer Demokratie, wo einst ein Demosthenes vorgab, was eine gute Rede ist, die Kunst der guten Rede zerfallen ist. KI wird, mit kleinen Retouchen, dort ihren Zweck erfüllen.
Daran zeigt sich: Wirklich grosse Reden erfordern einen gewaltigen Aufwand.
Im Westen ist es zur Gewohnheit geworden, sehr bald «ghostwriter» einzusetzen. «Ich bin ein Berliner» von John F. Kennedy entsprang dem Kopf eines Ghostwriters, ebenso wie die Reden des derzeitigen Bundespräsidenten in Deutschland, Frank-Walter Steinmeier, der im Schloss Bellevue in Berlin gleich ein Dutzend Ghostwriter beschäftigt.
KI ist, auch für mich, ein nützliches Hilfsmittel in der täglichen Arbeit geworden. Gerne greife ich auf dieses Wissen zurück, wie früher in einem gedruckten Lexikon, von denen ich einige immer noch besitze.
Die umgehende Furcht, KI könne uns ersetzen, hat mich noch nicht befallen. Selbstverständlich wird sie früher oder später Besitz nehmen von allen monotonen Tätigkeiten, aber wer will schon einen solchen Beruf ausüben?
Nein, mehr denn je werden in Zukunft individualisierte Spitzenleistungen gerade in der Kommunikation gefragt sein.
Ganz so, wie wirklich reiche Menschen sich ein Auto bestellen, das einmalig und ganz auf sie zugeschnitten ist. Der Preis ist Nebensache.
Dort liegt auch die Zukunft der Kommunikation. Wenn das «Trio infernal» Xi Jinping, Wladimir Putin und Donald Trump weite Teile der Welt beherrschen, wird mit Sicherheit von dort ausgesagt werden, was richtig und falsch ist. Dann werden unsere Politiker aller Geschlechter noch so besorgt auftreten und ihre Stirne runzeln dürfen, ihr Wort zählt im Normalfall nicht mehr. Die dänische Regierung spürt dies heute schon, wenn gemäss der «Monroe Doktrin» (US-Präsident Monroe war einmal, jetzt ist Donald an der Macht.) Grönland zu den USA gehören soll.
Die grösste Gefahr für die Anwender von KI-Lösungen ist das anarchistische Denken. Wer keine Herrschaft anerkennt, auch die der KI nicht, wird sich freiwillig keiner Formulierung oder Haltung unterwerfen, die er nicht billigen kann. Dann können eine Million Menschen auf der Strasse „Heil KI!“ rufen, der Anarchist wird seinen Weg gehen, und er wird nicht allein sein.
Vielleicht ist das unsere Zukunft oder die unserer Kinder und Enkel. Gehen wir ihr mutig und selbstbestimmt entgegen.
Klaus Stöhlkers Denkschrift zur PR umfasst drei Teile. Lesen Sie alle.
Teil 1: Mit PR stürmen und Compliance verteidigen: Aufstieg der PR zur Elite-Funktion
Teil 2: PR verschaffen Menschen Macht.
Teil 3: Der Weg der PR zum Genie verlangt Meisterhandwerk.
Angebot: Klaus J. Stoehlkers Denkschrift als E-Book
Im Shop auf Inside Paradeplatz erwerben Sie die dreiteilige Denkschrift als E-Book. Lesen Sie zudem den Beitrag «PR – richtig verstanden» ebenfalls auf Inside Paradeplatz.
Kurzporträt Klaus J. Stöhlker

Beruflich als Journalist in Deutschland aufgewachsen, gründete er 1982 die Stöhlker AG in Zollikon, die heute von seinem Sohn Raoul D. Stöhlker geführt wird. Seine Fähigkeit, politische, militärische, kulturelle und soziale Entwicklungen mit dem Willen zum Erfolg in der modernen Weltwirtschaft zu verbinden, machen ihn auch heute noch für viele zu einem wertvollen Geschäftspartner.
Bildnachweis: zvg
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