Urner Bergdorf zwischen Wegzug und Rückkehr: Warum Isenthal nicht loslässt

 
Während im Kleintal noch immer die katastrophalen Gewitterschäden vom Juni 2026 behoben werden, richtet Isenthal den Blick nach vorn – mithilfe der Bevölkerung. Eine Frage bleibt: Was hält Menschen weiterhin im Bergtal? Warum ziehen Junge weg – und unter welchen Bedingungen kommen sie zurück? Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt: Isenthal hat nicht nur ein Abwanderungsproblem. Das Tal hat ein grosses Potenzial an Verbundenheit und Rückkehrbereitschaft.


Isenthal steht vor grossen Herausforderungen. Am 30. Juni 2026 überzog eine dunkle Gewitterzelle den Gitschen. Binnen Minuten schwoll der Kleintalbach an, überbordete und entfesselte sich als Urgewalt. Er riss Kulturland, Strassenabschnitte und drei Brücken weg. Alles ging schnell. Eigentümer, Gemeindeorgane und der kantonale Wasserbau packten an. Zwar sind Aufarbeitung und Finanzierung keineswegs gelöst. Gleichwohl: Die Naturgefahren gehören nicht zu den grössten Sorgen. Denn seit der Jahrtausendwende verlor Isenthal rund einen Fünftel seiner Bevölkerung. Weniger Einheimische bedeuten weniger Kinder, weniger Kundschaft im Dorfladen, weniger Vereins- und Feuerwehrmitglieder. Auch die Besetzung politischer Ämter wird anspruchsvoller.


Isenthals Zukunft und eine Forschungsfrage

Im Jahr 2022 wurde der Verein Isenthal Zukunft gegründet. Sein Hauptzweck: Der starken Abwanderung und dem Bevölkerungsverlust entgegenzuwirken und das Dorf – als attraktiven Wohn-, Lebens- und Arbeitsraum – zu stärken. Der Vorstand als Auftraggeber ersuchte die Hochschule Luzern (HSLU) um eine Studie zur Abwanderung.

Bislang wurden die Gründe für Bleiben, Wegzug oder Rückkehr im Tal nie systematisch untersucht. Die gängigen Erklärungen beruhten überwiegend auf Beobachtungen. Generell zeigte sich, dass der Forschungsstand in der Schweiz bezüglich Zu- und Abwanderung in Berggebieten ungenügend ist.

Ziel der HSLU-Arbeit war, die Einflussfaktoren für die Bevölkerung von 18 bis 90 Jahren systematisch zu erfassen und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die Forschungsfrage lautete: «Welche Einflussfaktoren bestimmen die Entscheidung von Erwachsenen (18–90 Jahre), in Isenthal zu bleiben, es zu verlassen oder zurückzukehren, und welche Handlungsmöglichkeiten ergeben sich daraus für eine nachhaltige Dorfentwicklung?»


Gelingt es, die Abwanderung zu beeinflussen?

Der standardisierte Online-Fragebogen wurde über den Verein Isenthal Zukunft an 420 Personen versendet, 168 Personen füllten ihn aus. Die Ergebnisse der Hochschule Luzern (HSLU) zeigen Überraschendes und Positives:

Die Mehrheit der Befragten fühlt sich mit Isenthal stärker verbunden als angenommen. Viele, die das Tal längst verlassen haben, tragen die Heimatgemeinde «als Sehnsuchtsort» in sich.

Für die Sozialwissenschaftlerin Constanze Jecker liegt darin eine grosse Chance. «Die praxisnahe Forschungsarbeit zeigt den Gemeinsinn der Bevölkerung und die starke Verbundenheit der Weggezogenen auf.» Das sei von grosser Bedeutung. Denn Dorfentwicklung bestehe nicht nur aus Infrastruktur und Bauprojekten. Sie hänge davon ab, ob Menschen bereit seien, Verantwortung zu übernehmen, Ideen einzubringen und sich für den Ort zu engagieren. Diese Verbundenheit wird im Dorf durch jährliche Anlässe gepflegt. Darin liegt möglicherweise eine Chance für die Zukunft. Am 21. September 2026 stellte das HSLU-Team die Ergebnisse der Bevölkerung vor. Es entwickelte sich eine angeregte Diskussion zur Zukunft.


Der Gemeinderat und der Verein Isenthal Zukunft laden seit 2018 die Bevölkerung zu «BürgerMitwirkungsabenden» ein, um sich mit Gegenwarts- und Zukunftsfragen auseinanderzusetzen. In Zusammenarbeit mit Hochschulen (HSLU) sucht Isenthal nach Ursachen der Abwanderung.


Wenn ein Dorf Einwohner verliert

Isenthal ist eine besondere Gemeinde. Die naturnahe Landschaft vereint als einzige Urner Gemeinde alle Vegetationsstufen vom See bis zum Urirotstockgletscher. Zwar ist das Dorf abseits gelegen, doch nur 20 Autominuten von Altdorf entfernt und mit dem Hauptort über die enge, gefürchtete und kulturgeschichtlich interessante Strasse verbunden.

Das Tal bietet hohe Qualitäten. Nichtsdestotrotz sind Lebens- und Arbeitsbedingungen anspruchsvoll. Die Abwanderung – wie vielerorts im Berggebiet – konnte seit der Jahrhundertwende nicht gestoppt werden. Der globale Wandel hinterlässt Spuren. Wer nach der Schule eine weiterführende Ausbildung beginnt, verlässt zu oft das Dorf. Ausserhalb des Tals findet man Arbeit, Wohnraum und auch Freundschaften. Vielen erscheint das urbane Leben als einfachere Lebensperspektive. Kurz: Nicht alles gelingt, nicht alles liegt in der Macht der Bevölkerung.

Was Isenthal beschäftigt, ist kein Einzelfall: In vielen ländlichen Regionen Europas wandern junge, gut ausgebildete und erwerbstätige Menschen ab. Die Folgen sind Überalterung, weniger Dienstleistungen und wirtschaftlicher Druck. Der Regierungsrat und Finanzdirektor Urs Janett, Präsident der Schweizer Delegation im Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates (KGRE), besuchte den BürgerMitwirkungsabend. Er zeigte eindrücklich die europäische Dimension der Abwanderung in ländlichen Regionen auf. Wie Isenthal sucht auch der KGRE auf internationaler Ebene nach Lösungsansätzen: Bessere Rahmenbedingungen, nachhaltige Entwicklung und widerstandsfähige ländliche Räume sollen dem Exodus entgegenwirken. Für Isenthal stellt sich die Frage, wie sich diese Erkenntnisse übertragen lassen.


Als erstes Projekt setzte der Verein Isenthal Zukunft die betreute, schulische Tagesstruktur um, um Job und Familie besser miteinander vereinbaren zu können. Die Dorfschule muss erhalten bleiben.


Der Spielraum und seine Grenzen

Zentrale Fragen für «Isenthal Zukunft» waren: Wie viel Spielraum – innerhalb bedingender Grenzen – hat das Tal, um als lebenswerter Wohn- und Arbeitsort zu wachsen? Was wissen wir darüber, warum Menschen bleiben, warum sie gehen oder weshalb sie zurückkehren? Und konkreter: Finden Familien hier eine Wohnung? Lassen sich hier Job und Familienleben vereinbaren? Wie steht es mit der Anbindung an den öffentlichen Verkehr?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich konkret die Projektgruppe der HSLU – im Auftrag des Vereins Isenthal – während des vergangenen Semesters. Die vier Masterstudentinnen Erika Kreber, Justine Lantzerath, Shania Lauper und Svenja Neuhäusler untersuchten – erstmals in einem Urner Bergdorf – die tieferen Gründe fürs Bleiben, den Wegzug und die Rückkehr. Fachlich begleitet wurde die Arbeit von der Sozialwissenschaftlerin und HSLU-Dozentin Constanze Jecker.


Eine hohe Umfragebeteiligung

Die Resonanz auf die Untersuchung war gross. 168 Personen beteiligten sich an der Online-Umfrage, eine Rücklaufquote von 40 Prozent. Ergänzend führten die Studentinnen Direktgespräche mit Einwohnerinnen und Einwohnern sowie mit Ehemaligen durch. Damit entstand ein differenziertes Bild über Herausforderungen und Zukunftsaussichten.

Das wichtigste Ergebnis: Die emotionale Verbundenheit ist gross. Auch Ehemalige pflegen enge Beziehungen zu Isenthal. Positiv erwähnt wurden stets die Natur und Landschaft, die Ruhe und Lebensqualität, aber auch das gute Gemeinschaftsgefühl. Viele kommen immer wieder zurück: zur Chilbi, zum Volkstheater, zum Fasnachtstrommeln und zu Festen.

Überrascht hat die hohe Rückkehrbereitschaft der jüngeren Ehemaligen. Nahezu alle Befragten im Alter von 18 bis 35 Jahren schliessen eine Rückkehr nicht ganz aus. Auch die steile Strasse scheint nicht abzuschrecken. Das Pendeln zur Arbeit wird als ertragbar beurteilt.

Nur: Das bedeutet nicht, dass Weggezogene dauerhaft zurückkommen. Die Studie zeigt: Eine emotionale Verbundenheit allein genügt nicht. Damit aus Verbundenheit Rückkehr wird, müssen weitere Rahmenbedingungen stimmen.


Die qualitativen Daten zeigen, dass Wohneigentum, Homeoffice und die kurze Pendeldistanz in den Talboden zwar die strukturelle Basis bilden, die familiären, sozialen und identitätsbezogenen Bindungen aber stärker sind.


Lokale Arbeitsplätze spielen für den Bleibeentscheid eine eher untergeordnete Rolle. Arbeitspendeln und Homeoffice stellen auch im Winter keine einschneidenden Nachteile dar.


Der Wohnraum wird zur Schlüsselfrage

Jene, die eine mögliche Rückkehr erwägen, denken zuerst an Wohnraum: an finanziell tragbare Miet-, Kauf- oder Bauobjekte, die zur jeweiligen Lebenssituation passen. Gefragt sind künftig neue Formen und Angebote für Junge oder Ältere, die unterschiedliche Lebensphasen berücksichtigen. Jedenfalls hängen Wohnen und Bevölkerungsentwicklung direkt zusammen. Dabei gelten für junge Familien andere Anforderungen als für Einzelpersonen oder Seniorinnen und Senioren.

Vier erschlossene Bauplätze sind im «Ringli» noch günstig zu erwerben. Mittelfristig muss die Siedlungsplanung im Tal jedoch überarbeitet werden. Wer einen Wohnsitz sucht und kein Angebot findet, verabschiedet sich, auch wenn der latente Wunsch zur Rückkehr wach wäre.

Die HSLU-Studie legt nahe, die Thematik Wohnraum prioritär anzugehen und nicht isoliert zu betrachten: Es braucht unternehmerische Wohnbauinitiativen, auch für Familien, denn die Dorfschule ist von der Kinderzahl direkt abhängig. Positiv ist das neulich umgesetzte Pilotprojekt «schulische Tagesstrukturen». Es erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Wichtig wären auch Jugend- und WG-Wohnungen, damit Junge erst gar nicht weggehen. Denn je länger ein Wegzug dauert, desto höher steigt die Rückkehrhürde. Auch das zeigt die HSLU-Studie: Von der mittleren Generation der 36- bis 64-Jährigen verneinen bereits 60 Prozent die Rückkehr, immerhin 11 Prozent könnten sich einen Wechsel noch vorstellen.

Interessant wären Probewohnungen für Auswärtige – für Leute, die herausfinden möchten, ob Isenthal für einen Zuzug passt. Dazu gibt es allerdings Ferienwohnungen, um solche Optionen zu testen.


Wohnen im Alter

Der zeitgerechte Haus- und Generationenwechsel findet im Dorf meist spät statt, dies im Gegensatz zu den bäuerlichen Heimetli, wo Landwirte in der Regel viel früher, nämlich mit 65 Jahren den Betrieb übergeben.

Sinnvoll wäre der Bau und der Wechsel in alters- und behindertengerechter Dorfwohnungen, um so der jungen Generation das zu grosse Haus abzutreten. Denn je später Eigentumsübergänge stattfinden, desto öfter werden Erst- in Zweitwohnungen umgewandelt. Meist bleiben diese noch im Eigentum der Nachfolgegeneration, die dann – meist nicht mehr im Tal wohnhaft – daraus eine Ferienwohnung machen.

Zurzeit ist eine umfassende Transformation des Dorfladenareals im Gespräch (1000 m²). Die Dorfladengenossenschaft entschied im Frühjahr 2026 die Umgestaltung des alten Ladenwohnhauses. Unmittelbar beim Dorfladen sollen Alters- und Generationenwohnungen mit drei 3,5 Zimmerwohnungen entstehen. Dies würde das Dorfzentrum stark aufwerten.

Schon heute sind hier die wichtigen Grunddienstleistungen gebündelt: Lebensmittelversorgung, Auslieferdienst, Postagentur und Bank, dazu die Tourist-Infostelle und das integrierte Selfservice-Café, rund um die Uhr offen. Die Finanzierung für diese drei Wohnungen läuft. Sie ist sehr anspruchsvoll, und der Erfolg noch sehr unsicher.

Zum Dorfkern gehört auch das innovativ geführte Gasthaus-Hotel Urirotstock, ein Treff für Jung und Alt. Ferner das Coworking-Guesthouse DASCO. Dieses wurde nach der Schliessung des Gasthaus Tourist privat erworben, saniert und am 17. Oktober 2025 eröffnet. Es wird von einem kleinen Betriebsverein geführt und ist Teil der ambitionierten Dorfkernerneuerung.

Dorfentwicklung ist mehr als ein Bauvorhaben, sie ist Teil einer kommunalen Entwicklungsstrategie, die Ortsbildgestaltung, Substanzerhalt und Transformationsprozesse einschliesst.


Die Jugendgruppe beim Vorbereiten des Sommerlagers. Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) überreichte der Gemeinde im August 2020 in Bern das Label «Jugendfreundliches Bergdorf».


Junge und Mobilität als Schlüssel

Die moderierte Diskussion am BürgerMitwirkungsabend im Gemeindesaal zeigte auf, wie sehr den rund 50 Anwesenden die Zukunft unter den Nägeln brennt. Neben Regierungsrat Urs Janett war auch eine gemeinderätliche Delegation aus Wassen anwesend, wo ein ähnlicher Verein geplant ist.

Engagiert diskutiert wurde neben Wohnraum und der Rückkehr von Jugendlichen auch der öffentliche Verkehr, als prioritäre Empfehlungen der HSLU-Studie. «Es ist ein Manko, dass am Wochenende der Stundentakt fehlt und die letzte Busverbindung so früh am Abend fährt», bemängelte alt Gemeindepräsident Kurt Infanger den Fahrplan. Er sei überzeugt, dass dies ausserkantonale Ausbildungen und die Freizeit stark einschränke. Er fordert den Gemeinderat auf, sich aktiver einzusetzen.

Dies mag als Detail erscheinen. Für ein Bergdorf ist Mobilität jedoch Standortqualität. Wenn die Rückkehr am Abend nicht mehr möglich ist, wird Wohnen im Tal kompliziert, beeinflusst Ausbildung, Arbeit, Freizeit und gesellschaftliche Teilhabe – und damit die Frage, ob junge Menschen im Dorf bleiben oder zurückkehren.

Reaktionen der nur vereinzelt anwesenden Jugendlichen fehlten. Gerade jene Generation, um deren Zukunft es bei der Bevölkerungsentwicklung gehe, müsste doch stärker einbezogen werden, richtete eine Einwohnerin den Appell an Gemeinderat und den Vorstand von Isenthal Zukunft.

Präsident Christian Gisler wies darauf hin, dass Isenthal eine aktive Jugendgruppe hat. «Seit dem 27. August 2020 ist Isenthal Teil des SAB-Labels ‹Jugendfreundliches Bergdorf›», initiiert von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Dies bedeutet eine offizielle Anerkennung für das Engagement der Gemeinde zugunsten von Kindern, Jugendlichen und jungen Familien. «Dies dokumentieren wir jedes Jahr mit einem Jugendbericht», erklärte der Präsident.


Ein Bergdorf muss sich nicht neu erfinden …

Isenthal steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Die Gemeinde kann ihre geografische Lage nicht verändern. Sie kann nicht mit Arbeits- und Wohnmöglichkeiten einer Agglomeration konkurrieren. Sie wird die gesellschaftlichen Veränderungen, die viele ländliche Räume betreffen, nicht im Alleingang aufhalten können.

Aber Isenthal muss sich nicht neu erfinden. Die HSLU-Studie zeigt vielmehr, dass viele Voraussetzungen und Stärken vorhanden sind, um darauf aufzubauen und sie mit zeitgemässen Rahmenbedingungen zu verbinden.

Die Ergebnisse der Studie legen noch einen anderen Gedanken nahe. Rückkehr beginnt nicht mit dem Umzug. Vielmehr mit Begegnung und Austausch – mit gelebten Freundschaften, Familienkontakten, Vereinsmitgliedschaften und der Mitwirkung an Gemeinschafts- und Erinnerungsanlässen. Kontraproduktiv wäre Druck. Es gehe vielmehr darum, Verbindungen offen und sichtbar zu gestalten, sodass Rückkehr grundsätzlich möglich sei, betonte eine Einwohnerin.


Dorfentwicklung braucht einen langen Atem. Sie ist ein Generationenwerk.


Die Verantwortung für Entwicklung liegt nicht allein bei den Behörden und Organisationen. Die Gemeinde kann Rahmenbedingungen schaffen. Der Verein Isenthal Zukunft kann Mitwirkung und Projekte anstossen, auch Vereine und Gewerbe können ihre Möglichkeiten einbringen. Doch Wohnraum können nur Grundeigentümer schaffen. Private müssen Verantwortung übernehmen, die Bevölkerung kann Ideen entwickeln. Auch der Kanton ist gefordert. Insbesondere, wenn es um Mobilität, Infrastruktur oder Rahmenbedingungen geht.


Mit altersdurchmischtem Lernen und Schülerpartizipation erfahren Kinder ganz selbstverständlich, wie Mitwirkung und Verantwortung zusammengehören. Dies gilt auch bei der bäuerlichen Arbeit zu Hause.


… und es gibt kein Patentrezept

Die HSLU-Studie liefert keine Gebrauchsanweisung. Sie gibt Impulse, wo angesetzt werden könnte. Der anspruchsvollere Teil beginnt erst: Aus Erkenntnissen müssen konkrete Massnahmen werden.


Das war die Botschaft des Mitwirkungsabends: Isenthal kann Zukunft gestalten, nicht garantieren.


Der Co-Moderator Noah Gisler fragte provozierend: «Ist es tragisch, wenn wir in 20 Jahren nur noch 300 Menschen sind?» Er weckte damit die emotionale Frage nach der Fusion mit Seedorf. Gefordert sei Offenheit und Pragmatismus.

Die Frage ist nicht: Was tun wir, um den Wegzug zu verhindern? Vielmehr: Was tun wir heute, damit Menschen im Gespräch bleiben, morgen einen Grund sehen, hier zu bleiben – und übermorgen eventuell zurückkommen?

Gemeindepräsidentin Andrea Gisler betonte: «Wir sind nun an einem Punkt angelangt, wo die Gemeinschaft wichtiger ist denn je.» Sie ermunterte die Bevölkerung, mitzudenken, mitzuarbeiten, Ideen einzubringen und anzupacken.

Auch die Rolle des Vereins Isenthal Zukunft wurde angesprochen. Er hat die HSLU-Studie initiiert, um die Zukunft nicht allein Behörden oder der Gemeindeverwaltung zu überlassen. «Wir haben mit der Einführung der schulergänzenden Tagesstruktur ein erstes Projekt umgesetzt, um Familien zu unterstützen», resümierte Christian Gisler. «Nun rücken Wohnraum, Mobilität und die aktive Förderung der jungen Menschen stärker ins Zentrum.»

Für die Gemeindepräsidentin Andrea Gisler ist klar: «Der ‹BürgerMitwirkungsabend› ist ein Anfang, ein Anstoss, um über die Zukunft nachzudenken und Ideen zu entwickeln. Isenthal muss auch für kommende Generationen ein lebendiges Bergdorf bleiben.»



Kurzportrait Verein Zukunft Isenthal
Der Verein Zukunft Isenthal wurde 2022 von einer engagierten Initiativgruppe gegründet. Er setzte sich als erstes für schulische Tagesstrukturen ein. Er koordiniert und initiiert Projekte für ein lebendiges, zukunftsfähiges Bergdorf. Schwerpunkte: Dorfkernerneuerung, Jugend- und Familienförderung, Bildung und Schule, Mitwirkung und offene Kommunikation. Auch mit BürgerMitwirkungsabenden bringt der Verein Bevölkerung, Gemeinde und Fachleute zusammen. Aktuell beschäftigt er sich mit den Ursachen der Abwanderung und Wegen, Isenthal als Wohn-, Arbeits- und Lebensort zu stärken.


Kurzporträt Josef Schuler, Autor
Josef Schuler lebt seit rund fünf Jahrzehnten in Isenthal. Er war während 20 Jahren Lehrer in Isenthal, später kantonaler Kulturbeauftragter von Uri und ist heute unter anderem in der Kulturkommission, im Verein Isenthal Zukunft und im Tourismus engagiert. Als Journalist schreibt er regelmässig über kulturelle, gesellschaftliche und entwicklungspolitische Themen im Kanton Uri.


Service Wissenschaft: Die Studie der HSLU
Lesen Sie die Studie «Abwanderung in Isenthal: Zukunftsperspektiven für die Dorfentwicklung» der Hochschule Luzern (HSLU). Autorinnen: Erika Kreber, Justine Lantzerath, Shania Lauper, Svenja Neuhäusler. Dozentin: Dr. Constanze Jecker, Hochschule Luzern – Wirtschaft. Auftraggeber: Verein Zukunft Isenthal.


Service Kultur: «Isenthaler» – die Kulturwebsite
Die Kulturkommission Isenthal fördert kulturelle Anlässe, Ausstellungen, Begegnungen: Entdecken Sie die Vielseitigkeit der Kultur in diesem Bergtal auf der weitherum beachteten Website «Isenthaler.ch».


Bildnachweis: zVg

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